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	<title>slow media &#187; Archäologie</title>
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	<description>Das Blog über Slow Media - &#60;a href=&#34;http://slow-media.net/manifest&#34;&#62;Was sind Slow Media?&#60;/a&#62;</description>
	<lastBuildDate>Thu, 02 Feb 2012 15:30:20 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Lob des Fernsehens</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 22:13:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benedikt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Archäologie]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>

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		<description><![CDATA[Hinreißend, wie Susanne Gaschke den neuen Slow-Media-Autoren Tom Hodgkinson in der Zeit inszeniert. Mit Bauern, alten Traktoren und alten Bauernhöfen. Letztere heißen natürlich nicht Bauernhof, sondern Farmhaus, weil das englischer und noch ein bisschen altmodischer klingt. Nach einer vergangenen Epoche, in der man in der Tramway einen Paletot getragen hat. Aber zur Sache. In dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hinreißend, wie Susanne Gaschke den neuen Slow-Media-Autoren Tom Hodgkinson <a href="http://www.zeit.de/2011/35/Hodgkinson-London/komplettansicht">in der Zeit inszeniert</a>. Mit Bauern, alten Traktoren und alten Bauernhöfen. Letztere heißen natürlich nicht Bauernhof, sondern Farmhaus, weil das englischer und noch ein bisschen altmodischer klingt. Nach einer vergangenen Epoche, in der man in der Tramway einen Paletot getragen hat. Aber zur Sache. In dem Artikel geht es um Tom Hodgkinsons Kritik der spätkapitalistischen Lebensweise, die hier als &#8220;Fast-Food-Monokultur&#8221; bezeichnet wird.</p>
<div id="attachment_4567" class="wp-caption aligncenter" style="width: 458px"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_3984.jpg"><img class="size-full wp-image-4567 " title="Das kleine Theater von Pula" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_3984.jpg" alt="Das kleine Theater von Pula" width="448" height="299" /></a><p class="wp-caption-text">Das kleine Theater von Pula - dort gab es im Gegensatz zur Arena die niveauvolle Unterhaltung, nach der sich die meisten Bildungsbürger so sehnen</p></div>
<p>Die Lösung der Misere ist, wie bereits vor 700 Jahren von Petrarca beschrieben, die <a href="http://www.slow-media.net/das-grose-fressen-auf-dem-lande">Entsagung des schnellen Stadtlebens</a> und die Hinwendung zur naturnahen guten Lebensweise:</p>
<blockquote><p>Hört auf zu jammern! Kündigt eure Jobs, arbeitet frei oder in Teilzeit! Lernt ein Handwerk, gründet ein Geschäft, baut Gemüse an, zerschneidet eure Kreditkarten! Zieht aufs Land, wo alles billiger ist. Backt Brot, spielt Ukulele!</p></blockquote>
<p>So klingt das bei Hodgkinson.</p>
<blockquote><p>[...] gutes Essen, gutes Trinken, gute Bücher, Freunde und Feste stehen im Zentrum seiner Ideen. Es geht ihm um eine Konzentration auf das Wesentliche. Und er behauptet, dass man sich all dies relativ mühelos leisten könne, wenn man sich von der Plastikwelt abwende, Bücher secondhand kaufe und sein eigenes Gemüse anbaue.</p></blockquote>
<div id="attachment_4567" class="wp-caption aligncenter" style="width: 458px"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_3984.jpg"><img class="size-full wp-image-4567 " title="Villa Rustica auf den Brioni-Inseln" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_4043.jpg" alt="Villa Rustica auf den Brioni-Inseln" width="448" height="311" /></a><p class="wp-caption-text">Die Reste einer Villa Rustica aus dem republikanischen Rom auf den Brioni-Inseln - So sieht Landleben aus, wenn man es richtig macht</p></div>
<p>So paraphrasiert Gaschke das noch einmal. Eigentlich ist dagegen nichts einzuwenden. Das klingt schon ziemlich nah an dem Slow-Media-Evangelium, das wir in diesem Blog und in unseren Veranstaltungen predigen. Leider fällt das Hodgkinsonsche Programm dann an einer Stelle rapide ab. Er meint (wiedergegeben durch Gaschke):</p>
<blockquote><p>Weg mit Auto, teuren Reisen, iPods, Prada-Gürteln und vor allem: weg mit dem Fernsehapparat!</p></blockquote>
<p>Da ist sie wieder. Die wohlfeilste Art der Vulgärmedienkritik, die mindestens seit der Geburt des Mediums ihr Unwesen treibt. Das Fernsehen ist die Wurzel alles Übels. Das Fernsehen ist der Kulturzerstörer schlechthin. Slow Media heißt in erster Linie, einen Schritt zurück zu treten, und mit etwas gesunder Distanz zu bewerten, welche Medien und welche Inhalte gut sind und welche schlecht. Ein ganzes Medium zu verdammen ist Fast-Food-Kritik.</p>
<div id="attachment_4573" class="wp-caption aligncenter" style="width: 458px"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_3990.jpg"><img class="size-full wp-image-4573 " title="Arena von Pula" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_3990.jpg" alt="Arena von Pula" width="448" height="311" /></a><p class="wp-caption-text">Die Arena von Pula - Auch in Rom gab es natürlich schon Fast Media. Blut, Kampf und Sauferei für das gesamte Umland der kleinen römischen Kolonie</p></div>
<p>Jedesmal, wenn mir dieses bildungshuberische Totschlagargument unter die Finger gerät, bin ich fast schon versucht, mit einem Lob oder zumindest einer Apologie des Fernsehens zu reagieren.</p>
<p>Ich könnte darüber schreiben, wie das Bildungsmedium schlechthin &#8211; das Buch &#8211; als reinste Trashschleuder begonnen hatte. Der frühe Buchmarkt bestand fast ausschließlich aus okkultistischen Ratgebern, in denen man zum Beispiel erfahren konnte, wie man den Froschkönigen ihre Krone entwenden konnte oder wie man sich einen Zauberspiegel herstellt (dazu sehr lesenswert Doering-Manteuffels Studie über <em>Das Okkulte</em>) oder schnell dahingeschriebenen Romanen.</p>
<p>Oder ich könnte von der TV-Produktion <em>La meglio gioventù</em> (dt. <em>Die besten Jahre</em>) schwärmen, die ausgerechnet in dem Land hergestellt wurde, das dem totalitären, verblödenden Fernsehen, wie es die Vulgärmedienkritiker sehen, noch am nächsten kommt: Berlusconi-Italien.</p>
<p>Oder natürlich über Kir Royal schreiben, die Serie, die auch nach 25 Jahren kein bisschen Schärfe und Witz verloren hat. Oder über Leo Kirch und sein UNITEL-Vermächtnis der grandiosen Opernverfilmungen von Jean-Pierre Ponnelle. Ist das nicht der perfekte Schlussakkord, der die Fernsehverweigerer als Kulturbanausen entlarvt, die sich selbst um den Zugang zu Bildern wie diesen bringen? Lautstärke aufdrehen, Vollbild einschalten und Lang lebe das Fernsehen!</p>
<p><iframe width="390" height="322" src="http://www.youtube.com/embed/rmTcmBn56Jk" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
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		<title>Das Porzellan der Oma</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Dec 2010 21:59:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benedikt</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Archäologie]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<description><![CDATA[Ich ähnelte dem Porzellan, in das ich mit einer Farbenwolke Einzug hielt. Walter Benjamin Langsame Medien, so haben wir Anfang des Jahres in unserem Manifest und danach auf zahlreichen Vorträgen immer wieder betont, erzählen eine Geschichte. Oft sind es gleich mehrere Geschichten, die sie uns erzählen, wenn wir nur aufmerksam genug zuhören. Den Begriff Medien [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>Ich ähnelte dem Porzellan, in das ich mit einer Farbenwolke Einzug hielt.</em><br />
Walter Benjamin</p>
<p>Langsame Medien, so haben wir Anfang des Jahres in unserem Manifest und danach auf zahlreichen Vorträgen immer wieder betont, erzählen eine Geschichte. Oft sind es gleich mehrere Geschichten, die sie uns erzählen, wenn wir nur aufmerksam genug zuhören. Den Begriff Medien darf man dabei nicht zu eng sehen. Es geht nicht nur um Zeitschriften, Bücher oder Internetseiten. Nein, wir bevorzugen einen breiten Medienbegriff, der alles einschließt, was dazu in der Lage ist, Informationen zu übermitteln.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_2314.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3467" title="Porzellan in Kiste" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_2314.jpg" alt="" width="500" height="127" /></a></p>
<p>Diese Kiste zum Beispiel erzählt eine solche Geschichte. Die Großmutter, vielleicht väterlicherseits, vielleicht mütterlicherseits, lag lange Zeit darnieder und ist schließlich entschlafen. Einige Dinge hat man für den eigenen Haushalt in einem der wohlhabenderen Münchener Vororte vielleicht brauchen können, die anderen Sachen hat man auf dem Bauhof entsorgt. In mehreren Fuhren, denn in den Kofferraum des 5er BMW passt nicht so viel hinein. Dann war da noch das Geschirr.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_2315.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3468" title="Tellerstapel" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_2315.jpg" alt="" width="500" height="138" /></a></p>
<p>Einerseits passt es eigentlich überhaupt nicht in die reduzierte Inneneinrichtung &#8211; &#8220;so Zen-like wie es mit Kindern halt möglich ist&#8221; &#8211; andererseits hat die Oma wirklich an den Tellern gehangen. Das erste Kaffeegeschirr hatte sie sich damals Ende der 1950er gekauft als die von Löffelhardt entworfene schlanke Form 2025 noch richtig gewagt wirkte.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_23161.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3474" title="Arzberg" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_23161.jpg" alt="" width="500" height="151" /></a></p>
<p>Fast schon etwas unvernünftig, sich das einfach so zu leisten. Aber irgendwie ist es ihr ans Herz gewachsen, so dass sie immer wieder nachgekauft hat. Es war längst nicht mehr ein Porzellan, sondern ihr Porzellan.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_2318.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3471" title="Arzberg" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_2318.jpg" alt="" width="500" height="98" /></a></p>
<p>Während sie immer wieder die kaputtgegangenen Stücke durch neue ersetzte, wurde das alte Arzberg-Werk, das mittlerweile der Firma Kahla gehörte, modernisiert. Dann kam in den 1960ern die erste Porzellankrise. Die Leute fingen an, Steingut zu kaufen und wussten den ästhetischen Wert der zarten Porzellanwände, durch die Kaffe und sogar Tee milchig hindurchschimmerten, nicht mehr zu schätzen.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_23201.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3476" title="IMG_2320" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_23201.jpg" alt="" width="500" height="86" /></a></p>
<p>Auch die radikale Modernisierung des Arzberger Corporate Design brachte nicht mehr als einen Aufschub der Krise. Zeitgleich mit der Ölkrise rollte bereits die zweite Porzellankrise heran und die Zeichen standen auf Marktbereinigung. Die Kahla AG ging mit den Hutschenreuthers zusammen und die Arzberg war auf einmal nur noch eine Marke der Hutschenreuther-Gruppe.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_23191.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3475" title="Arzberg" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_23191.jpg" alt="" width="500" height="100" /></a></p>
<p>Das hielt die Oma nicht davon ab, weiterhin das 2025er nachzukaufen, auch wenn die langgezogenen Griffe an Teekanne, Kaffeekanne und Terrinen im Laufe der Zeit längst nicht mehr so avantgardistisch wirkten wie damals Ende der 1950er. Nachdem die Hysterie verflogen war, blieb jedoch die zeitlose gute Form des Porzellans. Die Oma war inzwischen weit mehr gealtert und wurde zum Pflegefall. Das Porzellan hat sie schließlich überlebt. Auch wenn der Goldrand an einigen Stellen etwas abgewetzt ist und ein, zwei der insgesamt 30 Teller schon eine Macke hatten, war es immer noch so gut in Schuss, dass es sich lohnen könnte, es nicht wegzuschmeißen, sondern per Kleinanzeige für den Wert eines ordentlichen Essens in einem Fastfood-Restaurant loszuwerden. Vielleicht sucht jemand noch Geschirr für den Polterabend.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_2315-11.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3477" title="Porzellankiste" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_2315-11.jpg" alt="" width="500" height="169" /></a></p>
<p>An so einer Geschichte kann man doch einfach nicht vorübergehen, oder? Auch wenn es bedeutet, dass ich jetzt im Küchenschrank Platz schaffen muss für ein weiteres Porzellan aus Arzberg.</p>
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		<title>Orientierung mit OpenStreetMapOhne Google: Tag 2</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Oct 2010 20:32:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jbenno</dc:creator>
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		<description><![CDATA[[Read this post in English] Auch heute keine Suchmaschinen. Der heutige Tag ist ein Reisetag. München-Düsseldorf, dann weiter nach Berlin. Zur Orientierung in Düsseldorf nutze ich OpenStreetmap. Worin liegt der Unterschied zu Google Maps? OpenStreetmap ist ein Wiki-Projekt. Es ist offen. Ich kann mich beteiligen. Natürlich bietet auch Google Maps die Möglichkeit, eigene Karten zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><small><a href="http://en.slow-media.net/orientation-with-openstreetmap"><img src="http://www.galerieroyal.de/wp-content/plugins/langswitch_flags/uk.png" />[Read this post in English]</a></small></p>
<p>Auch heute keine Suchmaschinen.</p>
<p>Der heutige Tag ist ein Reisetag. München-Düsseldorf, dann weiter nach Berlin. Zur Orientierung in Düsseldorf nutze ich OpenStreetmap. Worin liegt der Unterschied zu Google Maps? OpenStreetmap ist ein Wiki-Projekt. Es ist offen. Ich kann mich beteiligen. Natürlich bietet auch Google Maps die Möglichkeit, eigene Karten zu erstellen und zu veröffentlichen. Die Schnittstelle, mit der ich Google Maps in andere Anwendungen vernetzen kann, ist phantstisch einfach. Aber es ist ein Unterschied, ob ich nur eigenen Layer erzeugen kann, wie bei einem proprietären Projekt von der Art Google Maps nicht anders möglich, oder ob ich eben im Innersten des Systems mitarbeiten kann.</p>
<p>Ähnlich wie bei Wikipedia ist die <a href="http://www.openstreetmap.org/browse/changesets?bbox=11.39021,48.08911,11.4016,48.09355">Editionsgeschichte</a> der Kartenausschnitte sehr interessant und verhindert das unkontrollierte und vollkommen willkürliche &#8220;auslöschen&#8221; von Objekten, wie es auf Google Maps regelmäßig vorkommt. Wenn neue Karten eingespielt werden, sind die alten für uns nicht mehr zugänglich. Es gibt keine Historie.</p>
<p>Neben der Redlichkeit, die Entstehung und (erhoffte) stetige Verbesserung der Karten mit jedem Editionsschritt sichtbar zu machen und zu dokumentieren, sind es die Diskussionen, die manche Beiträge hervorrufen, durch die man so viel mehr erfährt, als durch die einfache Karte, auf der man über das &#8220;Warum&#8221; über die Existenz &#8211; oder gar das Fehlen &#8211; eines Eintrags nur spekulieren kann. Google gibt in der Regel keine Auskunft über seine Motive.</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/georgia_empty.png"><img style="padding-bottom:10px;" src="/wp-content/uploads/georgia_empty.png" alt="Georgia without details on Google Maps" width="100%"/></a><br />
Und manchmal ist es einfach bizarr, was bei Google Maps ausgespart bleibt. Die rätselhaften Wolken, die sich über manche Bauwerke schieben &#8211; viel diskreter, als wenn der Anblick nur verpixelt worden wären! &#8211; oder ganze Länder, die von heute auf morgen verschwinden, wie etwa Georgien, dessen Bild in Google Maps seit dem Tag nach dem Beginn des Georgienkriegs 2008 keine Informationen mehr enthält. Selbstverständlich sind alle Details des Kaukasus auf OpenStreetMaps <a href="http://www.openstreetmap.org/?lat=43.00022&#038;lon=41.01316&#038;zoom=15&#038;layers=M">unverändert zu finden</a>.</p>
<p>Wikipedia und ihre Schwesterprojekte sind nicht perfekt. Die Willkür und die rüden Umgangsformen mancher Administratoren wurde schon oft &#8211; und zu recht &#8211; beklagt. Aber alles, was geschieht, ist offen und sollte &#8211; zumindest im Grundsatz &#8211; zum Mitmachen einladen.</p>
<p>Ich wünsche mir, dass mehr öffentliche und komunale Verwaltungen sich an solchen Projekten beteiligen, ihren Raum darin ergreifen und ihre steuerfinanzierten Daten uns auf diese Weise offen zur Verfügung stellen, so wie es z. B. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=72xMerczX3Y">Augsburg unlängst angekündigt</a> hat. Wie schön wäre es, wenn die wundervollen Karten mit ihrer hochwertigen Information, die etwa das <a href="http://www.slow-media.net/geologische-naturdenkmaler-in-bayern">Bayerische Landesamt für Denkmalschutz</a> oder das Wasserwirtschaftsamt anbieten, über Openstreetmap eine offene Schnittstelle bekäme und sich ohne Bruch mit anderen Daten verbinden ließe. So bleibt es eben bislang an uns, selber die <a href="http://www.openstreetmap.org/?lat=48.09083&#038;lon=11.39668&#038;zoom=17&#038;layers=O">Boden- und Baudenkmäler</a> einzutragen und damit anderen zugänglich zu machen.</p>
<p><a href="http://www.openstreetmap.org/?lat=48.09206&#038;lon=11.39821&#038;zoom=17&#038;layers=O"><img src="/wp-content/uploads/map.png" width="100%"/></a></p>
<p>Auch heute bin ich sehr zufrieden. Ich habe wieder das Gefühl, dass sich meine Zeit für all das, was ich heute Online gelesen habe, hat sich ausnahmslos für mich gelohnt hat. Und ich bin sicher auf unbekanntem Terrain zu Fuß und mit dem öffentlichen Personennahverkehr vorangekommen &#8211; auch ohne Google.</p>
<p>Die anderen Posts zum Experiment &#8220;Ohne Google&#8221;:</p>
<ul>
<a href="http://www.slow-media.net/ohne-google">Ohne Google.</a><br />
<a href="http://www.slow-media.net/ohne-google-tag-1">Wertvolle Empfehlungen statt wertloser Suche</a><br />
<a href="http://www.slow-media.net/orientierung-mit-openstreetmap">Orientierung mit OpenStreetmap</a><br />
<a href="http://www.slow-media.net/zensur">Zensur?!</a><br />
<a href="http://www.slow-media.net/medienkompetenz">Medienkompetenz</a><br />
<a href="http://www.slow-media.net/das-lauf-simulacrum">Das Lauf-Simulacrum</a><br />
<a href="http://www.slow-media.net/eine-woche-ohne-google">Eine Woche ohne Google</a><br />
<a href="http://www.slow-media.net/alles-wird-highway">Alles wird Highway</a>
</ul>
 <img src="http://www.slow-media.net/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?view=1&post_id=3084" width="1" height="1" style="display: none;" />]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Versunkene Orte</title>
		<link>http://www.slow-media.net/versunkene-orte</link>
		<comments>http://www.slow-media.net/versunkene-orte#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 14 Jun 2010 20:31:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benedikt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Then he had raised something, and it must have come. (H.P. Lovecraft) Manchmal sollte man die Dinge, die tief unter der Oberfläche lauern, nicht stören. Zumindest nicht mehr als möglich. Als ich gestern in meinem Blog auf die für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunksender doch eher ungewöhnliche Redewendung &#8220;Innerer Reichsparteitag&#8221; hingewiesen habe, habe ich in zahlreichen Blogs [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>Then he had raised something,<br />
and it must have come.</em><br />
(H.P. Lovecraft)</p>
<p>Manchmal sollte man die Dinge, die tief unter der Oberfläche lauern, nicht stören. Zumindest nicht mehr als möglich. Als ich gestern in meinem Blog auf die für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunksender doch eher ungewöhnliche Redewendung &#8220;Innerer Reichsparteitag&#8221; <a href="http://blog.metaroll.de/2010/06/13/reichsparteitagsmarchen-im-zdf/">hingewiesen habe</a>, habe ich in zahlreichen Blogs und auf Twitter Antworten auf Fragen bekommen, die ich eigentlich lieber nicht stellen wollte.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/wald_2.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1721" title="wald_2" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/wald_2.jpg" alt="" width="500" height="256" /></a></p>
<p>Von den ebenso wohlfeilen wie schauderhaften Political-Correctness-Vorwürfen bis hin zu Kommentatoren, die es begrüßen, dass solche Redewendungen endlich im Mainstream angekommen seien und ihren Kommentar mit einem Zitat von Joseph Goebbels signieren war alles dabei, was jemanden wie mich, der nahezu alle abwegigen Redewendungen von <a href="http://www.slow-media.net/zettels-traum">Arno Schmidt</a> gelernt hat und dessen sprachpolitische Sozialisation aus Viktor Klemperers LTI stammt, eine Gänsehaut auf den Rücken jagt.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/wald_1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1710" title="wald_1" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/wald_1.jpg" alt="" width="500" height="150" /></a></p>
<p>Heute Abend hat es wie so oft geregnet. Aber der Himmel war nicht wie sonst grau verhangen, als ich an der Würm entlang an der Grenze zwischen der Münchner Schotterebene und der rißzeitlichen Moränenlandschaft durch den dampfenden Wald geradelt bin, sondern gelb. Ein unwirkliches gelb, das einen perfekten Hintergrund für eine Lovecraft-Geschichte abgegeben hätte. Ein gelb, das dazu einlädt, mit Schaufeln das Grauen in der Tiefe zu wecken. Wie passend, dass der Wald nicht nur ein Begräbnisfeld der Latènezeit unter dem dichten Fichtenbewuchs verdeckt, sondern auch noch einen untergegangenen Ort.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/kreuzing.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1712" title="kreuzing" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/kreuzing.jpg" alt="" width="500" height="156" /></a></p>
<p>Früher hat sich in der Mitte des Waldes, damals noch als Königlicher Kloster=Anger=Wald bekannt, eine kleine Siedlung namens Kreutzing oder Creutzen befunden. Ein Hof, ein paar Wirtschaftsgebäude und eine dem Waldheiligen Nikolaus gewidmete Kapelle, mehr ist es damals nicht gewesen, aber doch genug für eine ansehliche Schar von Pferden, Rindern, Schafen, Schweinen, Gänsen, Enten, Hühnern und Bienenvölkern.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/buch_kreuzing.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1714" title="buch_kreuzing" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/buch_kreuzing.jpg" alt="" width="500" height="249" /></a></p>
<p>Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist diese Schwaige &#8211; wie passend, denn jetzt schweigt der Boden hier tatsächlich &#8211; von der Bildfläche verschwunden. Im selben Jahr, in dem das Deutsche Reich entstanden ist, wurden die Gebäude vollständig abgetragen, und binnen weniger Jahrzehnte hat der vor allem mit schnellwachsenden Hölzern bewirtschaftete Wald dann vollständig überdeckt. Gras über eine Sache wachsen lassen ist eindeutig eine falsche Metapher, das kann einem jeder Luftbild-Archäologe sagen. Fichten funktionieren viel besser und verbergen die Umrisse einer versunkenen Siedlung auch vom Himmel aus. Bis dann die Herbststürme wieder einmal heftiger ausfallen als erwartet und dann mehrere Hektar Wald in bloßen Boden verwandeln.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/wegweiser.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1713" title="wegweiser" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/wegweiser.jpg" alt="" width="500" height="187" /></a></p>
<p>Wo sich Kreuzing nun genau befunden hat, weiß niemand mehr und die alten Karten lassen sich nur sehr ungenau über die neuen legen. Aber die Siedlung und ihre 25 damaligen Bewohner leben in der Bezeichnung des Waldes weiter, der heute Kreuzlinger Forst heißt. Vielleicht ist es auch gar nicht so wichtig, den Dingen immer auf den Grund zu gehen. Manche Dinge lässt man dann doch lieber tief im Boden ruhen.</p>
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		<title>Alte Geschichte</title>
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		<pubDate>Sat, 05 Jun 2010 11:36:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benedikt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Archäologie]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[enzyklopädien]]></category>
		<category><![CDATA[historiker]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Geschichtsschreiber wirkt langsam, und mehr auf die Nachwelt (Heinrich Döring, 1835) &#8220;Soziologie ist aber keine richtige Wissenschaft,&#8221; hatte der Althistoriker immer wieder zu mir gesagt. Klar, wer ständig einen zeitlichen Horizont von 2000 Jahren vor der Nase hat, dem kommt die industriegesellschaftliche Moderne winzig und vielleicht sogar irrelevant vor. Auf die hat sich die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>Der Geschichtsschreiber wirkt langsam,<br />
</em><em>und mehr auf die Nachwelt</em> (Heinrich Döring, 1835)</p>
<p>&#8220;Soziologie ist aber keine richtige Wissenschaft,&#8221; hatte der Althistoriker immer wieder zu mir gesagt. Klar, wer ständig einen zeitlichen Horizont von 2000 Jahren vor der Nase hat, dem kommt die industriegesellschaftliche Moderne winzig und vielleicht sogar irrelevant vor. Auf die hat sich die Soziologie nun aber einmal spezialisiert. Leider. Denn deswegen spielt diese Disziplin heute, nach dem Ende der Industriegesellschaft, auch keine besonders herausragende Rolle mehr in der öffentlichen Meinung.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_1187.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1608" style="margin-top: 5px; margin-bottom: 5px;" title="Xenophon mit Maske" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_1187.jpg" alt="" width="500" height="210" /></a></p>
<p>Für den Althistoriker ist an der Moderne nur das wichtig und interessant, was über sie hinausweist, beziehungsweise, was sie von anderen Epochen wie zum Beispiel dem römischen Kaiserreich abhebt. Das alles wird er aber in 200 Jahren ebenso gut an den schriftlichen und steinernen Zeugen ablesen können. Es eilt nicht. Die Gegenwart der Gegenwart ist aus dieser langsamen Perspektive sowieso nur die Vergangenheit von Morgen.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_1186.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1614" title="IMG_1186" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_1186.jpg" alt="" width="500" height="210" /></a></p>
<p>Althistoriker haben Zeit. Sie zitieren nicht das Gerede ihrer Kollegen, sondern greifen in ihren Referenzen gerne weit zurück in die Welt der bleibenden Werke. Wer mit bloßer Hand <em>canabae legionis</em> unter der dalmatinischen Sonne ausgegraben hat, lebt zur Hälfte sowieso in der römischen Kaiserzeit. Und die andere Hälfte stört es auch nicht, wenn sie sich auf Literatur beruft, die geschrieben wurde, als noch niemand absehen konnte, dass der Bundespräsident einmal in einem verregneten Frühsommer <a href="http://feynsinn.org/?p=3468">beleidigt hinwerfen</a> würde, ja nicht einmal, dass es einmal so etwas wie einen Bundespräsidenten geben würde. Der Althistoriker hat übrigens noch bis in die 70er Jahre hinein auf Latein publiziert. Heute findet man auch in der historischen Fachliteratur zunehmend Übersetzungen lateinischer oder griechischer Zitate.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_1191-1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1620" title="IMG_1191-1" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_1191-1.jpg" alt="" width="500" height="301" /></a></p>
<p>Die Bücher, die er mir vererbt hat, vielleicht unter missionarischen Hintergedanken, sind teilweise ziemlich alt. Aber nicht <a href="http://www.manufactum.de/Kategorie/-1106/.html">manufactum-alt</a> wie die technisch perfekte Nachdruckmassenware, sondern Patina-alt, wie es nur Bücher sein können, die Generationen von Wissenschaftlern zum Nachschlagen aus den Regalen gezogen haben. Leider fehlt der zweite Band des Ur-Paulys von 1835, der Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, in dem die historischen Schlagwörter zwischen By und E ausgebreitet werden. Damals haben die biedermeierlichen Historiker ihre Bücher bei einem Buchbinder in Auftrag gegeben, bevor sie in die Bibliothek kamen. Deshalb lässt sich diese Lücke nicht nachkaufen, ja nicht einmal nachsammeln. Die Kombination von the medium und the message ist hier ein Unikat, ganz zu schweigen von der Patina, die sich wie ein Kopierschutz über Einband und Seiten gelegt hat.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_1185-1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1618" title="IMG_1185-1" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/IMG_1185-1.jpg" alt="" width="500" height="189" /></a></p>
<p>Ich habe aus einem dieser alten Bücher in meiner Doktorarbeit zitiert. Leider konnte der Historiker das nicht mehr erleben. Wahrscheinlich hätte es ihm gefallen, als ein nur für Eingeweihte wahrnehmbares Zugeständnis, dass die schnelle Wissenschaft der Soziologie ohne das langsame zeitliche Gerüst der Geschichte nicht tragfähig ist.</p>
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		<title>Rote Liste der bedrohten Medien</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Apr 2010 12:59:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benedikt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Archäologie]]></category>
		<category><![CDATA[Slow theory]]></category>
		<category><![CDATA[Webseiten]]></category>
		<category><![CDATA[Dead Media]]></category>
		<category><![CDATA[Evolution]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Medienarchäologie]]></category>
		<category><![CDATA[Retrofuturismus]]></category>
		<category><![CDATA[Rieplsches Gesetz]]></category>
		<category><![CDATA[Rote Liste]]></category>
		<category><![CDATA[Steampunk]]></category>

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		<description><![CDATA[Medien entstehen, Medien vergehen. Die junge Wissenschaft der Medienarchäologie hat sich vorgenommen, diesen 5000jährigen Entwicklungsstrom von den ersten geritzten Steinen bis Chatroulette genauer zu untersuchen. Wolfgang Riepl hatte 1913 mit dem folgenden Satz eine Art &#8220;Naturgesetz&#8221; der Medienevolution formuliert: [D]ie einfachsten Mittel, Formen und Methoden, wenn sie nur einmal eingebürgert und für brauchbar befunden worden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a title="maxell ud1 von metaroll bei Flickr" href="http://www.flickr.com/photos/metaroll/4510232367/"><img class="aligncenter" src="http://farm3.static.flickr.com/2709/4510232367_9938a580c6.jpg" alt="maxell ud1" width="400" height="300" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Medien entstehen, Medien vergehen. Die junge Wissenschaft der <a href="http://www.ima.or.at/?page_id=555">Medienarchäologie</a> hat sich vorgenommen, diesen 5000jährigen Entwicklungsstrom von den <a href="http://www.slow-media.net/von-steinen-lernen-medienfasten-in-sudtirol">ersten geritzten Steinen</a> bis <a href="http://chatroulette.com">Chatroulette</a> genauer zu untersuchen. Wolfgang Riepl hatte 1913 mit dem folgenden Satz eine Art &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rieplsches_Gesetz">Naturgesetz</a>&#8221; der Medienevolution formuliert:</p>
<blockquote><p>[D]ie einfachsten Mittel, Formen und Methoden, wenn sie nur einmal eingebürgert und für brauchbar befunden worden sind, auch von den vollkommensten und höchst entwickelten niemals wieder gänzlich und dauerhaft verdrängt und außer Gebrauch gesetzt werden können, sondern sich neben diesen erhalten, nur daß sie genötigt werden, andere Aufgaben und Verwertungsgebiete aufzusuchen.</p></blockquote>
<p>Je weiter man jedoch in die Vergangenheit blickt, desto häufiger stößt man auf Medienartefakte, ja ganzen Medienkomplexe, die nicht nur in der Gegenwart nicht mehr in Gebrauch sind, sondern für die nicht einmal ihr ursprünglicher Sinn und Zweck rekonstruiert werden kann. Außer eben, dass es sich um Medien handelt, die menschliche Sinne und Denkprozesse einmal auf irgendeine Weise erweitert haben. Im günstigsten Fall geraten Medien nicht vollkommen in Vergessenheit, sondern werden von kleinen Subkulturen als sinn- oder identitätsstiftende Praktiken adoptiert. Die besten Beispiele dafür sind Phänomene wie die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Steampunk">Steampunk</a>- oder <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Retrofuturismus">Retrofuturismusbewegung</a>.</p>
<p>Was z.B. in der Bronzezeit einmal ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Brotlaibidol">Rechenhilfsmittel gewesen sein könnte</a>, wird heute als Talisman verehrt. Oder Steine, in die möglicherweise die Geschichte eines jungsteinzeitlichen Stammes eingeschrieben wurde oder die für die Zeitrechnung verwendet wurden, werden heute als Kraftorte von esoterischen Reisegruppen besucht. Meine Ergänzung zur Rieplschen These wäre:</p>
<blockquote><p>Je länger der Verlust der ursprünglichen Aufgaben und Verwertungsgebiete her ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass diese Mittel, Formen und Methoden von esoterischen Subkulturen adaptiert werden.</p></blockquote>
<p>Klar ist, es gibt unterschiedliche Grade der Vergessenheit und des Verschwindens von medialen Praktiken. Daher liegt es nahe, für weit verbreitete, bedrohte, ausgestorbene und wiederauferstandene Medien eine Art &#8220;<strong>Rote Liste der bedrohten Medien</strong>&#8221; anzulegen analog zu entsprechenden Listen für das Tier- und Pflanzenreich:</p>
<blockquote><p>0: ausgestorben oder verschollen<br />
1: vom Aussterben bedroht<br />
2: stark gefährdet<br />
3: gefährdet<br />
R: extrem selten<br />
G: Gefährdung anzunehmen<br />
D: Daten mangelhaft<br />
V: Vorwarnliste (noch ungefährdet, verschiedene Faktoren könnten eine Gefährdung in den nächsten zehn Jahren herbeiführen)</p></blockquote>
<p>Eine ähnliche Idee hat Bruce Sterling gemeinsam mit Richard Kadrey 1995 zur Formulierung des &#8220;<a href="web.archive.org/web/20080708052419/http://www.deadmedia.org/">Dead Media Manifestos</a>&#8221; gebracht, das zunächst die Rieplsche These im Großen und Ganzen akzeptiert, dann aber relativiert:</p>
<blockquote><p>[S]ome media do, in fact, perish. Such as: the phenakistoscope. The teleharmonium. The Edison wax cylinder. The stereopticon. The Panorama. Early 20th century electric searchlight spectacles. Morton Heilig&#8217;s early virtual reality. Telefon Hirmondo. The various species of magic lantern. The pneumatic transfer tubes that once riddled the underground of Chicago.</p></blockquote>
<p>Leider ist die Seite des &#8220;Dead Media Projects&#8221; zur Zeit nicht mehr erreichbar &#8211; also bezeichnenderweise selbst zu einem toten Medium geworden -, aber über Seiten wie archive.org sind die zahlreichen <a href="http://web.archive.org/web/20080702054538/www.deadmedia.org/notes/index-cat.html">Notizen zu ausgestorbenen Medien</a> noch erreichbar, darunter zum Beispiel die <a href="http://web.archive.org/web/20080505102604/www.deadmedia.org/notes/39/398.html">militärische Nutzung von Brieftauben</a>, der <a href="http://web.archive.org/web/20080505090435/www.deadmedia.org/notes/47/475.html">Volksempfänger</a>, die <a href="http://web.archive.org/web/20080224232539/www.deadmedia.org/notes/2/027.html">Sonnentelegraphie (Heliographie)</a>, <a href="http://web.archive.org/web/20080526030357/www.deadmedia.org/notes/49/497.html">ausgestorbene Techniken von TV-Fernbedienungen</a> wie z.B. die Ultraschallfernbedienung, das <a href="http://web.archive.org/web/20080505095725/www.deadmedia.org/notes/16/168.html">PALplus-Fernsehformat</a>, <a href="http://web.archive.org/web/20080505084347/www.deadmedia.org/notes/1/015.html">Dioramen und Panoramen</a> oder die <a href="http://web.archive.org/web/20080630060008/www.deadmedia.org/notes/33/333.html">Camera Obscura</a>.</p>
<p>Nicht nur ist das Dead Media Project und die vielen dort versammelten Notizen (mit der Aufforderung, daraus etwas zu <a href="http://www.conceptlab.com/deadmedia/">machen</a>, daran <a href="http://griffin.multimedia.edu/~deadmedia/note_199.html">weiterzuarbeiten</a>) ein großartiges Beispiel einer slowen Internetseite, die inspiriert und zum Austausch und Weiterdenken anregt. Sondern die Medienarchäologie ist ein sinnvoller wissenschaftlicher Unterbau für unser Slow Media Projekt, da es wie von selbst zu den Fragen führt:</p>
<ul>
<li>Wie bedroht sind die langsamen Medien derzeit?</li>
<li>Welche Slow Media sind bereits vom Aussterben bedroht?</li>
<li>Wie sieht medialer Artenschutz aus?</li>
<li>Was können wir tun, um inspirierende und faszinierende Mediengattungen zu erhalten?</li>
</ul>
<p><small>Einen Besuch lohnt auch die Webseite <a href="http://www.radiomuseum.org/?language_id=1">Radiomuseum</a>, auf der es ziele Informationen über ausgestorbene Rundfunktechnologien gibt. Oder <a href="http://vintagecassettes.com/index.htm">diese Seite</a> mit Abbildungen gängiger <a href="http://www.murciaregion.net/localesretro/cassettes/index.htm">Audiokassetten</a>.</small></p>
<p><!--Semaphore></p>
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