Zettel’s Traum

Arno Schmidt - Zettel's TraumOb es literarische Werke gibt, die den Leser auf eine ähnlich geniale Weise zur Langsamkeit verdonnern und gleichzeitig mit einem babylonischen Stimmendurcheinander umschwirren, wie Arno Schmidts in jeglicher Hinsicht übergroßes Werk “Zettel’s Traum“? Aber dieses mehrsprachige Gezwitscher ist nicht etwa flüchtig, sondern hallt nach. Besonders eindrucksvoll, wenn man sich dem Text mit verteilten Sprecherrollen nähert wie zuletzt in der Münchner Galerie Royal demonstriert. Bei einem Glas Wein von Freunden die Absonderlichkeiten dieses “Poe” vorgetragen zu bekommen ist ein großartiger Genuss. Die von Joachim Kersten, Bernd Rauschenbach und Jan Philipp Reemtsma gelesene Hörbuchversion ist nur ein schwacher Ersatz. Wer angesichts der fast eineinhalbtausend dichtbeschriebenen Seiten – hier gibt es passend dazu den Zettel des Tages – einen anderen Einstieg zu Arno Schmidt wünscht, dem sei die Zürcher Kassette empfohlen, in der seine wichtigsten Erzählungen und Romane zusammengefasst sind. Leider ist die schöne im Haffmanns Verlag – 2001 insolvent – erschienene Ausgabe nur noch antiquarisch erhältlich. Ein noch kleinerer, aber nichtsdestoweniger faszinierender Einstieg ist die Erzählung “KAFF auch Mare Crisium” – fesselnd, visionär und durch die deftigen Gerichte von Tanndte Heete auch kulinarisch empfehlenswert.