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	<title>slow media &#187; Naturwissenschaft</title>
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	<description>Das Blog über Slow Media - &#60;a href=&#34;http://slow-media.net/manifest&#34;&#62;Was sind Slow Media?&#60;/a&#62;</description>
	<lastBuildDate>Mon, 06 Sep 2010 09:54:42 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Über das Hinterfragenwagen und den Luxus von Moral</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Sep 2010 11:38:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sabria</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es gibt die verschiedensten Eigenschaften, nach denen man Menschen in Kategorien einordnen kann. Es gibt zum Beispiel Menschen, die sich das Beste bis zum Schluss aufbewahren (das Filet beim Essen zum Beispiel) – und andere, die den umgekehrten Weg gehen und sich gleich das Beste vornehmen (das Filet, bevor es kalt wird). Es gibt Morgenmenschen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik"><img class="size-medium wp-image-2556 alignnone" title="Metaphysik FlammarionWoodcut" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/Metaphysik-FlammarionWoodcut-300x251.jpg" alt="" width="347" height="291" /></a></p>
<p>Es gibt die verschiedensten Eigenschaften, nach denen man Menschen in Kategorien einordnen kann. Es gibt zum Beispiel Menschen, die sich das Beste bis zum Schluss aufbewahren (das Filet beim Essen zum Beispiel) – und andere, die den umgekehrten Weg gehen und sich gleich das Beste vornehmen (das Filet, bevor es kalt wird). Es gibt Morgenmenschen und Abendmenschen. Man kann sie auch einteilen in solche, die eher Hunde mögen, und solche, die eher Katzen mögen (unvereinbar). Oder in Heilserwarter und Unheilserwarter (Mischformen möglich).</p>
<p>Eine dieser möglichen Unterscheidungen habe ich gelernt für zentral zu halten: Es gibt Menschen, die sich, bevor sie etwas tun, fragen: „Nützt mir das?“ Und es gibt Menschen, die sich fragen: „Ist das richtig?“ Nun müssen sich ja Nutzen und Moral nicht notwendig ausschließen – die Gewichtung scheint mir jedoch von feiner Bedeutung zu sein. Es ist eine Art Grundhaltung des Seins, des Wertens und des Handelns auf allen Ebenen. Sie findet sich im Kleinen wie im Großen, im Berufsalltag ebenso wie im Privatleben. Auch wenn nicht immer offen sichtbar ist, führt ein tiefer Graben zwischen beiden. Die Motivation der einen Seite wird der jeweils anderen immer völlig unverständlich bleiben, gerade weil die Grundfrage für jeden so selbstverständlich ist.</p>
<p>Der Sozialdarwinismus, von dem im <a href="http://www.slow-media.net/metaphysik">Metaphysik-Beitrag</a> von Jörg Blumtritt die Rede ist, sagt: Moralisch richtig ist, was dem Eigen- oder Artennutz dient. Im Falle der Natur ist die Sache schnell geklärt: möglichst viele Gene verteilen. Jede Vergewaltigung wäre so moralisch legitimiert, die Natur ist da nicht kleinlich. Lässt sich dieses Prinzip aber auf eine kultivierte Gesellschaft übertragen? Bedeutet Kultur nicht gerade, sich den Luxus von Moral und Werten zu leisten, die außerhalb des reinen Eigennutzes liegen?</p>
<p>Was dient der Sache und was dient mir selbst? Auch hier könnte es doch einen dritten Weg geben. Wäre es möglich, die Pendlerpauschale falsch zu finden, obwohl man selbst davon profitiert? Ein Thilo Sarrazin bekommt ein großes Forum, weil man sich des Echos so schön sicher sein kann. Die Entrüstung ist groß, die Zustimmung auch, die Startauflage des Buches ist schon vor Erscheinen vergriffen. So gesehen eine klare Sache: Der Rummel nützt allen, dem Verlag, dem Buch-Autor sowie allen Medien, die sich auf dieser oder jener Seite an der Debatte beteiligen. Aber ist das auch richtig?</p>
<p>Gelegentlich staune ich, wenn ich durch das Fernsehprogramm schalte, über das, was ich dort zu sehen bekomme. Man fragt sich unwillkürlich, aus welchem Grund es überhaupt gesendet wird. Die einzig mögliche Antwort: Weil es Quote bringt. Einen anderen Grund kann es gar nicht geben. Weil es nützt. Aber reicht das?</p>
<p>Jeder Kindergarten wird ein Haifischbecken, wenn man die Kinder sich selbst überlässt. Das Recht des Stärkeren setzt sich zunächst einmal durch. Auf der anderen Seite werden Kinder zu einer unbeteiligten Schafsherde, wenn man es ihnen abnimmt, die Regeln des sozialen Miteinanders selbst zu entwickeln. Es geht also nicht nur um die <em>Anwendung</em> vorgegebener sozialer Regeln, sondern um die Fähigkeit, diese zu <em>entwickeln</em>. Kinder müssen lernen, einen Punkt zu finden, der außerhalb ihrer vielen verschiedenen Eigennutze steht, von dem aus sie Verhaltenregeln ableiten und untereinander verhandeln können. Natürlich geht es dabei auch um Eigennutzen. Aber es eben auch um einen Punkt, von dem aus diese ins Verhältnis gesetzt werden können.</p>
<p>Zivilisation und Kultur bedeutet doch genau dies: nutzenunabhängige, eigensystemübergreifende Regeln für Richtig und Falsch zu entwickeln. Immer wieder nach einem neuen Punkt zu suchen, von dem aus alles von außen zu betrachten – und zu beurteilen – ist. „Die Frage nach der Bedeutung, nach dem Wesen der zutage geförderten wissenschaftlichen Erkenntnis kann aber nicht im System selbst beantwortet werden,“ sagt Jörg in seinem Beitrag, und es stimmt: Man findet nicht alle Antworten innerhalb des Systems. Ob wir das nun Metaphysik, Moral, Mündigkeit, Religion* oder sonstwie nennen, ist unwichtig. Wichtig ist, einen Punkt außerhalb des eigenen Systems denken zu können, für denkbar zu halten. In den „anderen Raum des Denkens“ treten zu können. Sich selbst, das eigenen Handeln, die eigene Rolle im Ganzen zu <a href="http://www.slow-media.net/manifest">hinterfragen wagen</a>.</p>
<p>Was tue ich überhaupt und warum? Das bleibt eine zentrale Frage – für Menschen sowieso, aber auch als wissenschaftliche Disziplin, als Forschungszweig, als Verlag, als Unternehmen. Jeder, der handelt, sollte doch darauf eine Antwort haben.</p>
<p>______________________________________</p>
<p>*</p>
<blockquote><p>&#8220;Das ist alles recht schön und gut; / Ungefähr sagt das der Pfarrer auch, / Nur mit ein bißchen anderen Worten.&#8221;</p></blockquote>
<p>Margarete zu Faust (Johann Wolfgang von Goethe, Faust I, Zeile 3.459)</p>
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		<title>Metaphysik, Spekulation und die &#8220;Dritte Kultur&#8221;</title>
		<link>http://www.slow-media.net/metaphysik</link>
		<comments>http://www.slow-media.net/metaphysik#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 20 Aug 2010 14:51:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jbenno</dc:creator>
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		<description><![CDATA[[Read this post in English] Der Wissenschaftler blickt durch das Objektiv &#8211; macht das seine Forschung objektiv? Anlass für diesen Post ist eine ziemlich beharrlich geführte Debatte auf Twitter, aus der ich meine eigenen Punkte etwas erweitern möchte. Diese berühren nur einen Teil dieser, über weite Strecken, wie ich finde, kurzweiligen Diskussion in der ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><small><a href="http://en.slow-media.net/metaphysics-and-science"><img src="http://www.galerieroyal.de/wp-content/plugins/langswitch_flags/uk.png" />[Read this post in English]</a></small><br />
<img src="/wp-content/uploads/metaphysik3.jpg" alt="" width="100%"/><br />
<small>Der Wissenschaftler blickt durch das Objektiv &#8211; macht das seine Forschung objektiv?</small></p>
<p>Anlass für diesen Post ist eine ziemlich beharrlich geführte <a href="http://blog.till-westermayer.de/index.php/2010/08/18/was-wissenschaftsbloggen-mit-interdisziplinaritat-zu-tun-hat/">Debatte auf Twitter</a>, aus der ich meine eigenen Punkte etwas erweitern möchte. Diese berühren nur einen Teil dieser, über weite Strecken, wie ich finde, kurzweiligen Diskussion in der ein <a href="http://twitter.com/jbenno/status/21440363935">viel weiterer Bogen</a> gespannt worden war.</p>
<p>Das Grundmotiv des Gesprächs stellten &#8220;die zwei Kulturen&#8221;, wie der Komplex &#8211; Naturwissenschaft gegen Geistes- oder Humanwissenschaften &#8211; seit dem berühmten Text von Ch. P. Snow genannt wird. Ich möchte zwei Aspekten anreißen, die ich im Zusammenhang von Slow Media für erwähnenswert finde: die Frage nach dem Wert von Metaphysik für die Wissenschaft. Der zweite: meine Hoffnung, dass in der durch das <a href="http://www.wired.com/magazine/2010/08/ff_webrip/">Web</a> mit Plattformen wie Wikipedia und durch die <a href="http://www.scilogs.de/">Blogs</a> mit ihren Kommentaren veränderten Öffentlichkeit für Wissenschaften die &#8220;<a href="http://www.edge.org/3rd_culture/">dritte Kultur</a>&#8221; möglich wird.</p>
<p>Von den <a href="http://twitter.com/Fischblog/status/21434117977">Protagonisten</a> der Twitter-Diskussion waren schnell die entsprechenden Rollen im Spiel von Snows zwei Kulturen eingenommen; ich &#8211; trotz meines Werdegangs &#8211; auf Seite der <em>Humanities</em>. Am Ende hätte sich alles fast in Konsens aufgelöst, wären nicht ein paar Punkte aufgetaucht, bei denen der tiefe Graben zwischen den zwei Kulturen plötzlich wieder sichtbar wurde: zunächst die Frage, ob der Skeptizismus der naturwissenschaftlichen Methode auf deren Grundlagen selbst anzuwenden sei, und dann, und das kam vollkommen unerwartet für mich, durch ein Zitat, das ich zur Illustration dieser Frage getwittert hatte.</p>
<table style="float:left;padding-right:10px;" width=40%>
<tr>
<td>Ehlers: &#8216; &#8230; die Entscheidung [ob man eine neue Theorie akzeptiert] fällt auf Grund von Argumenten, denen schließlich beide zustimmen: die Vertreter der älteren und die der jüngeren Generation.&#8217;<br/>Stichweh: &#8216;Ob das immer so ist? Ich kenne keinen einzigen Gegner Darwins, der je überzeugt worden wäre.&#8217;<br/><br/>Aus <em>Die Wahrheit in der Wissenschaft</em>. <br/>Interview mit Jürgen Ehlers und Rudolf Stichweh. Spekturm 7 2001</td>
</tr>
</table>
<p>Christian Huygens, &#8220;der eleganteste Mathematiker seiner Zeit&#8221;, eine der herausragensten Gestalten der Aufklärung, hatte im Kontext der Verteidigung Galileos gesagt: &#8220;Die Welt ist mein Heimatland und Wissenschaft ist meine Religion&#8221;. Dieses Zitat fand ich passend für die Unterhaltung. <a href="http://twitter.com/weitergen/status/21436495375">Danach</a> war der <a href="http://twitter.com/Fischblog/status/21440215118">Konsens</a> bis zum Ende nicht wieder herzustellen, es kam ein <a href="http://twitter.com/Fischblog/status/21471705888">scharfer Ton</a> in die Rhetorik und &#8211; ich habe es so empfunden, da ich ja die Gegenposition vertrat &#8211; die &#8220;Partei der Naturwissenschaften&#8221; verfiel in <a href="http://twitter.com/Fischblog/status/21437166514">Figuren der Eigentlichkei</a>t, ja die Bilder wurden schließlich geradezu <a href="http://twitter.com/Fischblog/status/21440621060">martialisch</a>. Die <a href="http://twitter.com/Fischblog/status/21438393742">Barschheit</a> mit der eine Gemeinmachung, aus dem Zitat abgeleitet, von <a href="http://twitter.com/Fischblog/status/21436480385">Wissenschaft mit Religion</a>, bekämpft wurde, überraschte mich, noch mehr, dass ich damit die naturwissenschaftliche Seite <a href="http://twitter.com/Fischblog/status/21468252730">beleidigen</a> würde. Umgekehrt sah ich mich als gläubiger Katholik plötzlich mit Kreationisten und anderen esotherischen Spinnern <a href="http://twitter.com/Fischblog/status/21439828832">auf eine Stufe</a> gesetzt.</p>
<table style="float:left;padding-right:10px;" width="40%">
<tr>
<td><img src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/metaphysik1.jpg" width="100%"/></td>
</tr>
<tr>
<td><br/>&#8220;Was an Kraft gewonnen wird, geht an Weg verloren.&#8221; Auch wenn es verlockend ist &#8211; die Übertragung physikalischer Bilder auf die Gesellschaft des Menschen, wie sie noch Francis Bacon gefordert hatte, funktioniert so einfach nicht &#8230;</td>
</tr>
</table>
<p>Nach meinem Abitur hatte es für mich keinen Zweifel gegeben, dass ich eine naturwissenschaftliche Laufbahn einschlagen würde. Ich fing an, Mathematik und Informatik zu studieren. Wie viele meiner Zeitgenossen hatte mich vor allem die Freude an der Visualisierung von Daten ergriffen: es war die Zeit der &#8220;fraktalen Geometrie der Natur&#8221; von Mandelbrot und der Erfindung des Grafik-Prozessors. Aufgrund dieser Kenntnisse in elektronischer Datenanalyse bekam ich einen Job in der Forschungsstelle für Humanethologie in der Max-Planck-Gesellschaft in Andechs.</p>
<p>Das besondere an dem Team in diesem Institut bestand in der außergewöhnlichen, überdisziplinären Zusammensetzung: neben den Zoologen (vorwiegend Ornitologen und Primatenforscher) arbeiteten dort Mediziner, Psychologen, Sprachwissenschaftler und sogar Kunsthistoriker. Der Grund für diese ungewöhnliche Zusammensetzung bestand im Forschungsgegenstand: dem menschlichen Verhalten &#8211; von der nonverbalen Kommunikation (wo ich gelandet war) zu Sprache und Proxemik (das Verhalten in der Gruppe) bis zum ganzen Repertoire der Kultur, der Kunst, der Architektur und vor allem der Musik &#8211; gesucht wurde, was die Menschen eint, universal gültig, egal, welche Kultur der Welt betrachtet wird, und was spezifisch ist, wie Menschen ihr Verhalten an unterschiedliche Umweltbedingungen anpassen. Von der Methodik der Ethologie, der vergleichenden Verhaltensforschung, profitiere ich bis heute &#8211; eine Vielzahl von Forschungsprojekten haben Christiane Tramitz und ich seither verwirklicht &#8211; auch wenn unsere Trennung vom Max-Planck-Institut damals ziemlich unsanft verlief.</p>
<p>Zu jener Zeit waren einige der bereits zum Proseminar-Stoff abgesunkenen, der Postmoderne entlehnte Argumentationsfiguren sehr en vogue. Hatten der humanwissenschaftliche Mainstream während der zehn Jahre zuvor die biologische Erforschung des Menschen noch alles Teil bürgerlicher Herrschaftsverteidigung massiv angegriffen, so wurde jetzt jeder Reduktionismus, der die klassische naturwissenschaftliche Methode gerade ausmacht, als <em>Konstrukt</em> geschmäht. Die Streitgespräche dieser Zeit waren im Grund recht harmlos und &#8211; anders als die Klassenkampf-Rhetorik der früheren Jahre &#8211; kaum angetan, die Forschungsarbeit ernsthaft zu stören. Mich &#8211; als mitlerweilen diplomierten Statistiker konnte die Postmoderne ohnehin kaum schrecken, hatte ich mir schließlich ein Fach gesucht, das sich mit dem Problem der Erkenntnisgewinnung und -überprüfung aus zufallsbehafteten Daten oder noch besser: aus unvollständigen Modellen beschäftigte.</p>
<table style="float:left;padding-right:10px;" width=40%>
<tr>
<td>&#8220;Naturwissenschaftler scheinen &#8211; dies sei hier einmal unterstellt &#8211; nicht allzu oft darüber nachudenken, was eigenlicht das Wesen ihrer Tötigkeit ausmacht, welcher Sinn darin zu sehen ist &#8230; kurz, welchen Platz ihre Disziplin in unserer Kultur einnimmt.&#8221; Michael Groß: Naturwissenschaftler gegen Wissenschaftstheoretiker: ein Krieg zwischen den Kulturen? (Spekturm 9 1997)</td>
</tr>
</table>
<p>Manche Kollegen traf die Kritik offenbar sehr hart, und zwar, weil sie im Kern auf einen eigentümlichen Aspekt vieler Projekte der Humanbiologie zielte: dass sie nämlich aus den vorgeblich wissenschaftlichen Hypothesen ethische Normen ableiteten. Gerade die Soziobiologie, die das Verhalten des Menschen unter seinen Artgenossen unter biologischen Aspekten untersucht, ist extrem anfällig dafür, ihre Reduktionismen (&#8220;Gruppe&#8221;, &#8220;Sippe&#8221;, &#8220;Volk&#8221;, &#8220;Kultur&#8221; etc.) als wirkliche Gegenstände zu verabsolutieren. Ich will an dieser Stelle gar nicht auf die Probleme postmoderner Anthropologie und Ethnologie eingehen. Etwas anderes musste ich nämlich am eigenen Leib lernen: diese Normen waren nicht zu kritisieren, wie ich mir sagen lassen musste, da sie ja mit <a href="http://twitter.com/weitergen/status/21436877370">wissenschaftlicher Methode</a> abgeleitet wurden. Damit das etwas klarer wird: es handelte sich um ein Moral-Gerüst, das man im weiteren Sinne als darwinistisch bezeichnen könnte. Darwinismus &#8211; das sei hier betont &#8211; ist nicht die Evolutionslehre, sondern eine daraus abgeleitete Sozialethik. Diese bewertet das Verhalten <em>moralisch</em> gut oder schlecht, inwieweit es Menschen hilft, einzeln oder als eng verwandte Sippe, ihre Gene an eine möglichst zahlreiche, nächste Generation weiterzugeben; zu Ende gedacht ist hier die &#8220;grausame Königin Natur&#8221; in ihrem Reich &#8211; deutlicher muss ich wohl nicht werden; für mich war damals <a href="http://www.amazon.de/Fremdenfeindlichkeit-Auf-Spuren-extremer-Emotionen/dp/3810031372/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#038;s=books&#038;qid=1282311394&#038;sr=8-1">jedenfalls Schluss mit der Biologie</a>.</p>
<p>Es gibt aus dieser Argumentation keinen Ausweg, wenn man in der positivistischen Logik der Biologie verharrt; das ist es, was man seit dem zweiten Weltkrieg allgemein die &#8220;Dialektik der Aufklärung&#8221; nennt. Es gibt aber eine Chance, mit aufgeklärtem Denken nicht in die Barbarei zu rutschen, nämlich einen Schritt hinaus zu machen.</p>
<p><img src="/wp-content/uploads/metaphysik4.jpg" alt="" width="100%"/><br />
<small>Euklids Elemente. Indem man einzelne der scheinbar für unsere Anschauung evidenten Axiome verändert, gelangt man nicht zu Widersprüchen, sondern zu neuen Welten: der nichteuklidischen Geometrie.</small></p>
<p><em>Meta</em> bedeutet <em>hinter, jenseits</em>, und Metaphysik ist seit der Antike der <em>andere</em> Raum des Denkens, inden wir zurücktreten können, um auf die <em>Physis</em>, die Natur zu blicken und darüber nachzudenken, was nach der Betrachtung der Natur daraus folgt.</p>
<table style="float:left;padding-right:10px;" width=40%>
<tr>
<td>Stichweh: &#8216;Wenn ich Wissenschaft von außen betratet mit Kunst oder Religion vergleiche, dann unterscheidet sie sich dadurch, dass sie für ihre Aussagen Wahrheit beansprucht. [...] Niklas Luhmann hat gesagt, Wahrheiten sind Erschöpfungszustände der Wissenschaft.&#8217;<br/>Aus <em>Die Wahrheit in der Wissenschaft</em>. Interview mit Jörgen Ehlers und Rudolf Stichweh. Spekturm 7 2001</td>
</tr>
</table>
<p>Metaphysik, das habe ich gestern wieder erfahren, <a href="http://twitter.com/fischblog">steht nicht hoch im Kurs</a>. Die Frage nach der Bedeutung, nach dem Wesen der zutage geförderten wissenschaftlichen Erkenntnis kann aber nicht im System selbst beantwortet werden. Ob das Restrisiko der zivilen Nutzung von Atomkraft, das von ihren Befürwortern für alle Menschen eingegangen wird (ob die wollen oder nicht), ob Gentechnik voranzutreiben ist, ob der Klimawandel ein notwendiges Übel unserer Zivilisation oder ein Verbrechen ist &#8211; das alles sind keine wissenschaftlichen Fragen. Gerne wurde in der Vergangenheit von Politikern jede Skepsis an der Forschung abgewiegelt. &#8220;<a href="http://www.bundestag.de/dasparlament/2007/01-02/Thema/010.html">Diskutieren ohne Scheuklappen</a>&#8221; war das Mantra des sogenannten Ethikrates, im Klartext: lasst uns bloß mit eurer Moral in Ruhe!</p>
<table style="float:left;padding-right:10px;" width=40%>
<tr>
<td>&#8220;Die Beschränkung auf herausgeschnittene, scharf isolierte Gegenstände [...], die aus dem Bedürfnis nach Exaktheit laboratoriumsähnliche Bedingungen zu schaffen trachtet &#8211; verwehrt nicht bloß temporär, sondern prinzipiell die Behandlung der Totalität der Gessellschaft. Das bring mit sich, dass die Aussagen der empirischen Sozialforschung häufig den Charakter des Unergibigen, Peripheren [...] tragen. Unverkennbar ist die Gefahr einer Stoffhuberei [...] Durchs Bestreben, sich an hieb- und stichfeste Daten zu halten und jede Frage nach dem Wesen als Metaphysik zu diskreditieren, droht der empirischen Sozialforschung die Beschränkung aufs Unwesentliche im Namen unbezweifelbarer Richtigkeit. Oft genug werden ihr die Gegenstände durch die verfügbaren Methoden vorgeschrieben, &#8230; &#8221; twa 9.2 S. 356</td>
</tr>
</table>
<p>Die <em>Spekulation</em> ist das zweite metaphysisches Feld, dass meiner Ansicht nach fest mit den Wissenschaften verbunden ist. Spekulation bedeutet, sich nicht gleich von der normativen Kraft des angeblich Faktischen festnageln zu lassen. Durch Spekulation &#8220;schauen wir in einen Spiegel und sehen rätselhafte Umrisse&#8221;. Nur wenn es gelingt, sich aus der unmittelbaren Erfahrung, den schon eingesammelten Daten, zu erheben und davon abgehoben nachzudenken, kann es zu Paradigmenwechseln kommen.</p>
<table style="float:left;padding-right:10px;" width=40%>
<tr>
<td>&#8220;Kein Unterschied soll sein zwisschen dem Totemtier, den Träumen des Geistersehers und der absoluten Idee. Auf dem Weg zur neuzeitlichen Wissenschaft leisten die Menschen auf Sinn Verzicht. Sie ersetzen den Begriff durch die Formel, Ursache durch Regel und Wahrscheinlichkeit.&#8221; twa (dda)</td>
</tr>
</table>
<p>Indem wir in den Naturwissenschaften eine Theoriediskussion ablehnen, wenn sie außerhalb der Wissenschaft selbst steht, wird aber Wissenschaft zur Dogmatik. Ich will ja gar nicht so weit gehen, wie Adorno seinerzeit, und der Wissenschaft vorwerfen, sie sei in Wahrheit der Mythos im neuen Gewand. Indem Metaphysik, Spekulation, durch Glauben begründete Ethik mit Esoterik und Götzenglaube verächtlich auf eine Stufe der Irrationalität den Wissenschaften gegenübergesetzt werden, vergibt die Wissenschaft sich die Chance zur Reflektion über sich selbst, zur kritischen Distanz.<br />
***</p>
<p>Allerdings tut sich einiges im Bezug auf die beiden Kulturen. Auf Plattformen wie Wikipedia treffen Vertreter beider Lager häufig zusammen und müssen einen Konsens führen, wenn es nicht zum endlosen Edit-War kommen soll. Die Argumente liegen nachvollziehbar auf der Diskussionsseite dokumentiert. Es gibt eine ansehnliche Zahl <a href="http://www.hardbloggingscientists.de/">bloggender</a> Natur- und Geisteswissenschaftler. In den Kommentaren können die Positionen in einer Weise transparent verhandelt werden, wie es in der Vergangenheit nie möglich war. Meinungen, die man nicht teilt, kann man hier kritisieren, kann beitragen und über Links Querverbindungen herstellen. Diese Partizipation an wissenschaftlicher Publizistik war früher ausschließlich den Peer-Reviews vorbehalten.</p>
<p>Das gute an dieser Öffentlichkeit: unverständliche und arkane Terminologie hat schlechte Chancen, die Diskussion zu überstehen; schlechte Zeiten, sich einzuigeln und sein Süppchen vor sich hin zu kochen. Ein offenes System, das schon allein durch die Art der Veröffentlichung &#8211; für jedermann zugänglich &#8211; einlädt, mitzumachen. Ich glaube, dass sich vielleicht so die &#8220;dritte Kultur&#8221; entwickeln wird, wie es Snow 1959 gehofft hatte.</p>
<p><img src="/wp-content/uploads/metaphysik2.jpg" alt="" width="100%"/><br />
<small>Die Quadratur des Kreises: tritt man einen Schritt heraus, aus dem flachen Ring der Brüche, in den erhabenen Körper der <em>Reellen Zahlen</em> (was für eine Metapher!), so ist der Umfang schnell zum Radius ins Verhältnis gesetzt.</small></p>
<p><!-- Spekturm der Wissenschaft Theodore Grey Chemische Elemente Leistung Wirkung Wired Widerspruch Philosophie--></p>
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		<title>Leistung oder Wirkung?</title>
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		<pubDate>Sat, 03 Jul 2010 10:52:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jbenno</dc:creator>
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		<description><![CDATA[[Read this post in English] Remember that time is money. Benjamin Franklin, Advice to a Young Tradesman Als Benjamin Franklin mit dem Blitzableiter erst &#8220;dem Himmel den Blitz&#8221; und in der amerikanischen Revolution auch noch &#8220;den Tyrannen das Szepter&#8221; entrissen hatte, konnte kaumnoch irgenjemand an den Worten dieses titanenhaften Helden der Aufklärung zweifeln. Dessen berühmtestes [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><small><a href="http://en.slow-media.net/power-or-action"><img src="http://www.galerieroyal.de/wp-content/plugins/langswitch_flags/uk.png" />[Read this post in English]</a></small></p>
<p style="text-align: right;"><em>Remember that time is money.</em><br />
<small>Benjamin Franklin, Advice to a Young Tradesman</small></p>
<p><img src="/wp-content/uploads/uhr.jpg" alt="" /></p>
<p>Als Benjamin Franklin mit dem Blitzableiter erst &#8220;dem Himmel den Blitz&#8221; und in der amerikanischen Revolution auch noch &#8220;den Tyrannen das Szepter&#8221; entrissen hatte, konnte kaumnoch irgenjemand an den Worten dieses titanenhaften Helden der Aufklärung zweifeln. Dessen berühmtestes Zitat aber hat weder mit Naturforschung noch mit Staatskunst zu tun, sondern stellt eine Regel auf, die für die kommenden zweihundert Jahre das Credo einer effizienzorientierten Wirtschaft werden sollte: &#8220;Zeit ist Geld&#8221;.</p>
<p>Der physikalische Begriff der Leistung <strong>P</strong> ist definiert als Arbeit <strong>W</strong> (beziehungsweise Energie, dann auch mit <strong>E</strong> abgekürzt), die pro Zeiteinheit <strong>t</strong> erbracht (bzw. verbraucht) wird. Damit entspricht die Formel <strong>P = W / t</strong> auch ziemlich gut dem alltagssprachlichen Verständnis von Leistung: fertigt ein Fabrikarbeiter 100 Werkstücke pro Stunde, so erbringt er die doppelte Leistung seines Kollegen, der für die selbe Anzahl zwei Stunden braucht. Und selbstverständlich gehen wir davon aus, dass der erste Arbeiter für seine höhere Leistung auch mehr Lohn erhalten sollte.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/uhr2.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1971" title="uhr2" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/uhr2.jpg" alt="" width="450" height="254" /></a></p>
<p>Und genau da endet auch schon die Analogie von Physik und Wirtschaft. Denn es ist sicher nicht so, dass eine hochbezahlte Führungskraft tatsächlich mehr <em>leistet</em>, als der Angestellte auf Sohle 7 der Unternehmenshierarchie. Diesen Gedanken verfolgt der Blogger und Filmemacher Werner Große in seinem <a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/allwissende-medien/allgemein/2009-04-19/nicht-nur-leistung-und-arbeit-auch-wirkung-muss-sich-wieder-lohnen">Post</a> auf den Wissenslogs. Ein anderer physikalischer Begriff erklärt nämlich viel besser, wonach sich in der post-industriellen Wirtschaftswelt Gehaltsunterschiede idealer Weise gründen: die <em>Wirkung</em>.</p>
<p>Die Wirkung in der Physik ist nicht zu verwechseln mit der Kausalität (Ursache/Wirkung). Wirkung <strong>S</strong> ist hier definiert als Arbeit mal Zeit (bzw. Energie mal Zeit). In Formel</p>
<p style="text-align: center;"><strong>S = E ⋅ t</strong></p>
<p>Die einfachen mathematischen Gleichungen, indenen sich die Begriffe ausdrücken lassen, führen schnell zum Punkt, was das alles mit Slow Media zu tun hat: Nachdem die Leistung gleich Arbeit durch Zeit ist (<strong>P = E / t</strong>), hängen Wirkung und Leistung ebenfalls eng zusammen: <strong>S = P ⋅ t<sup>2</sup></strong><br />
In Worten: ich kann die selbe Wirkung erzielen mit halber Leistung, aber in vierfacher Zeit.</p>
<p>Damit ist klar, dass Leistung, an sich betrachtet, schnell in hirnlose Energieverschwendung mündet  &#8211; Hauptsache viel geschafft! Von anderer Seite betrachtet, wird die Bedeutung der Wirkung noch klarer. Auf ihrer <a href="http://www.eine-weibliche-physik.de/ewp5-physik/ewp54-wirkung/ewp54_wirkung.html">lesenswerten Seite</a> über &#8220;Grundfragen der Physik, neu gestellt und beantwortet von einer Frau&#8221; schreibt Brunhild Krüger:</p>
<blockquote><p>Angenommen, mir stünden 1 kWh an Energie zur Verfügung:<br />
Mit einer Glühlampe, die eine Leistung von 100 Watt hat, könnte ich damit einen Raum für 10 Stunden  ausleuchten. [...] Will ich jedoch nur ein Buch lesen, genügt eine Tischlampe mit 40 Watt, die ich 25 Stunden lang betreiben kann, ehe die verfügbare Energie verbraucht wäre.[...]<br />
<strong>Je geringer die eingesetzte Leistung ist, um so mehr hat man von der vorhandenen Energie.</strong></p></blockquote>
<p>Immer mehr Leistung &#8211; das bedeutet immer mehr Energie in noch kürzerer Zeit zu verbrauchen. Aber in der Regel kommt es doch darauf an, welche Wirkung erzielt wird. Das gilt für Maschinen genau wie für Publikationen. Statt auf Leistung zu pochen, wie in der grauenhaften Diskussion um den sogenannten <em>Leistungsschutz</em> der Verlage, sollten die Publizisten besser dafür sorgen, dass ihre Arbeit <em>Wirkung</em> zeigt.</p>
<p style="text-align: right;"><em>Mit etwas Glück und Salz und mit Pfeffer<br />
Erzielt man manchmal völlig ungeahnte Treffer<br />
Ist denn Verlass, dass das nachher schmeckt?<br />
Die Hauptsache ist der Effekt</em><br />
<small>Günter Neumann, &#8220;Giftmischerrumba&#8221;</small></p>
<p><small><img class="alignleft" style="padding-right: 5px;" src="/wp-content/uploads/uhr3.png" alt="" /></small></p>
<p><!-- Metaphysik Spekulation Snow --></p>
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		<title>Spektrum der Wissenschaft</title>
		<link>http://www.slow-media.net/spektrum-der-wissenschaft</link>
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		<pubDate>Tue, 30 Mar 2010 19:24:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jbenno</dc:creator>
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		<description><![CDATA[[Read Post in English] Was die Physiker als &#8220;Standardmodell&#8221; der Teilchenphysik bezeichnen – um seinen vorläufigen Charakter anzudeuten –, liefert eine beeindruckende Deutung vieler Aspekte unserer Welt. Spektrum.de / Weltbild vor dem Umbruch Heute ist der große Tag am LHC, dem großen Teilchenbeschleuniger am europäischen Forschungsinstitut CERN. Warum ist es uns wichtig, dass durch die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.spektrum.de"><img src="/wp-content/uploads/2010/03/943880.gif" alt="" /></a><small><a href="http://en.slow-media.net/scientific-american-my-first-30-years"><img src="http://www.galerieroyal.de/wp-content/plugins/langswitch_flags/uk.png" />[Read Post in English]</a></small><br />
<em>Was die Physiker als &#8220;Standardmodell&#8221; der Teilchenphysik bezeichnen – um seinen vorläufigen Charakter anzudeuten –, liefert eine beeindruckende Deutung vieler Aspekte unserer Welt. <small><a href="http://www.spektrum.de/artikel/969244&amp;_z=798888">Spektrum.de / Weltbild vor dem Umbruch</a></small></em></p>
<p>Heute ist der große Tag am <a href="http://www.spektrum.de/artikel/1026662&amp;_z=798888">LHC</a>, dem großen Teilchenbeschleuniger am europäischen Forschungsinstitut CERN. Warum ist es uns wichtig, dass durch die gewaltigen Energien immer feinere Details unserer Welt für uns erkennbar werden? Weil nur durch die Beobachtung offenbar wird, ob unser Bild der Welt, unser Modell, dass wir zu ihrer Erklärung konstruieren, zur Vorhersage von Tatsachen, von Wirklichkeit taugt. </small></p>
<p>Seit Mai 1980, genau dreißig Jahre lese ich das <a href="http://www.spektrum.de">Spektrum der Wissenschaften</a> (anfangs allerdings waren es eher die mystischen Bilder, die mich in ihren Bann zogen &#8211; die meisten Artikel habe ich noch nicht verstanden). Viele der wissenschaftlichen Projekte, die dieser Tage Eingang in die allgemeine Presse finden, waren von Anfang an dabei. An Tagen wie heute wird mir bewusst, was für ein schöner, dialektischer Prozess die Wissenschaft sein kann. Über Jahre hinweg werden Modelle spekuliert, wird die Existenz neue Bausteine unserer Welt daraus abgeleitet &#8211; wie etwa das <a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/omega-tau-podcast/allgemein/2010-03-28/omega-tau-30-der-large-hadron-collider">Higgs-Boson</a>, für dessen experimentellen Nachweis schließlich die enorme Anstrengung in Genf unternommen wird. Wenn man diese Entwicklung nur von hinten &#8211; von der Veröffentlichung der <em>bahnbrechenden</em> Nachrichten her liest, kann man nicht verstehen, die Wissenschaft funktioniert.</p>
<p>Die Ruhe, diesen Prozess Monat für Monat nachzuzeichnen, ist für mich die herausragende Qualität des Spektrum. &#8211; Für und Wider der unterschiedlichen Standpunkte, und zwar Quer durch alle Wissenschaften. &#8211; und nicht zuletzt die Philosophie. Hier habe ich zum ersten Mal von John Searls &#8220;<a href="http://globetrotter.berkeley.edu/people/Searle/searle-con4.html">Chinesischem Zimmer</a>&#8221; gelesen (Jan 1990) &#8211; und habe seine Kritik an <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Philosophy_of_artificial_intelligence">Dougles Hofstadters Vorstellung</a> menschlichen Automaten als Befreiung empfunden; hier bin ich zum ersten Mal <a href="http://consc.net/chalmers/">David Chalmers</a> &#8220;<a href="http://www.spektrum.de/artikel/822825&amp;_z=798888">Rätsel des bewussten Erlebens</a>&#8221; begegnet, und wie darin die Möglichkeit zum <em>empirischen</em> Erkenntnisgewinn über uns <em>selbst</em> radikal in Frage gestellt wird.</p>
<p>Vielen Streitgespräche auf Wissenschafts-Blogs oder auf Twitter sparen sich den Punkt, um den sich auch sonst viele Wissenschaftler durch die Konzentration auf das empirisch Machbare allzuleicht herumdrücken: die impliziten Grundlagen von Erkenntnis. Wenn in wissenschafts-ethischen Diskursen gefordert wird, <a href="http://www.zeit.de/2007/38/Glosse-38?page=all">ohne Scheuklappen zu diskutieren</a>, so ist damit meist gemeint, dass man ernste Bedenken, die das Vorgehen in Frage stellen würden, bitte hier nicht zu äußern habe. Doch eben Dispute wie Searle oder Chalmers sie liefern, sorgen für den nötigen Raum zur Selbstreflexion. Das ist für mich eine der herausragenden Stärken von Spektrum. Und dadurch werden mir auch Artikel lesbar (und sogar lesenswert), wie der Essey des Religionskritiers Edgar Dahl <a href="http://www.spektrum.de/artikel/1019958">&#8220;Die Würde des Menschen ist antastbar!&#8221;</a> im März-Heft.</p>
<p>Und liegt mir Dahls Menschenwürde noch schwer im Magen, so liefert dieselbe Ausgabe auch wunderbar leichte Kost: Gleich die Titelgeschichte macht sich auf <a href="http://www.spektrum.de/artikel/1019950">die Suche nach den Geschwistern der Sonne</a> &#8211; eine poetisches Überschrift &#8211; und wir machen uns auf eine Reise, fünf Milliarden Jahren zurück, sehen, wie eine Supernova in nächster Nähe explodiert und wie die Sonne und ihre Geschwister ihre Kinderstube verlassen und sich langsam über die ganze Milchstraße zerstreuen; reine Utopie!</p>
<p>Bereits Ende der Achtziger wird der Klimawandel thematisiert (leider geht das Online-Archiv nur bis 1993 &#8211; immerhin das Geburtsjahr des Browsers, aber der älteste Artikel, an den ich mich erinnere war Juni 1989). Auch zur Zeit läuft eine Reihe unter dem etwas großspurigen Namen &#8220;Erde 3.0&#8243; und auch hier verharrt Spektrum nicht beim Altbekannten, sondern stellt in zum Teil abenteuerlichen Projekten Alternativen vor. <a href="http://www.spektrum.de/artikel/1023392">Landwirtschaft in Hochhäusern</a> zum Beispiel. </p>
<p><em><a href="http://www.scientificamerican.com/">Scientific American</a></em>, dessen deutsche Ausgabe das Spektrum der Wissenschaft ist, scheint mir auch eines der ganz wenigen Medienprodukte zu sein, dass wirklich durch seine Internationalität profitiert. Eine Zeit lange habe ich die amerikanische Ausgabe gelesen, musste aber feststellen, dass einem durch das deutsche Spektrum nichts verloren geht.</p>
<p>Spektrum ist auch die einzige allgemeinwissenschaftliche Publikation, die ich kenne, die in jeder Ausgabe der <a href="http://www.science-shop.de/artikel/791772">Mathematik</a> ihren Platz gibt &#8211; mindestens in einem, häufig, wie im aktuellen Heft sogar in mehreren Artikeln.</p>
<p>Und wenn ich mich gefangen fühlen, in der Wirrsal des Alltags &#8211; dann denke ich an den eschatologischen Beitrag zum <a href="http://www.spektrum.de/artikel/940836&amp;_z=798888">&#8220;Das Ende des Raumschiffs Erde&#8221;</a>. Ja, in <a href="http://www.longnow.org/">geologischen Zeiträumen</a> ist das Ende der Erde bereits nahe; schon bald verschluckt die sterbende Sonne alles Leben.</p>
<p>Spektrum inspiriert. Es ist für mich persönlich mein wichtigste Slow-Medium.</p>
<p><img src="/wp-content/uploads/2010/03/sdw1.jpg" /></p>
<p>Weitere Beiträge auf <a href="http://www.slow-media.net">slow-media.net</a> über Zeitschriften:<br />
<a href="http://www.slow-media.net/die-brand-eins">Die Brand Eins</a><br />
<a href="http://www.slow-media.net/wired-magazine">Wired Magazine</a><br />
<a href="http://www.slow-media.net/kunstforum-international-200-ausgaben">Kunstforum International: 200 Ausgaben</a><br />
<a href="http://www.slow-media.net/widerspruch-munchner-zeitschrift-fur-philosophie">Widerspruch &#8211; Münchner Zeitschrift für Philosophie</a><br />
<!-- Metaphysik Spekulation Snow --></p>
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		<title>The On-Line Encyclopedia of Integer Sequences</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Jan 2010 11:46:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jbenno</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;Es gibt einige, oh König Gelon, die glauben, dass die Zahl der Sandkörner unendlich groß wäre; und ich denke dabei nicht nur an Sand, den es um Syracus oder sonst in Sizilien gibt, sondern an den Sand, der in allen Gegenden gefunden wird, seien sie bewohnt oder unbewohnt. Und wieder gibt es einige, die, ohne [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>&#8220;Es gibt einige, oh König Gelon, die glauben, dass die Zahl der Sandkörner unendlich groß wäre; und ich denke dabei nicht nur an Sand, den es um Syracus oder sonst in Sizilien gibt, sondern an den Sand, der in allen Gegenden gefunden wird, seien sie bewohnt oder unbewohnt. Und wieder gibt es einige, die, ohne die Zahl für unendlich zu halten, dennoch glauben, dass keine Zahl benannt wurde, die groß genug wäre, diese Anzahl zu überschreiten.&#8221;</em><br />
<a href="http://www.research.att.com/~njas/sequences/Seis.html"><img class="alignleft size-full wp-image-10" style="padding-right: 10px; padding-bottom: 20px;" src="/wp-content/uploads/2010/01/oeis_1.png" alt="On-Line Encyclopedia of Integer Sequences" width="288" height="245" /></a><br />
Mit Zahlen überwinden wir jede Schranke unserer konkreten Anschauung, wie Archimedes im 3. vorchristlichen Jahrhundert seinem König beschreibt. Aber nicht nur ins schrankenlose führen uns die <em>Zahlen</em>. Seit Jahrtausenden erkennen Menschen aller Kulturen in Zahlen auch die Struktur der Welt. Kein Wunder, dass die Zahlentheorie zu jeder Zeit den Raum für mystische, sogar okkulte Spekulation geboten hat.</p>
<p>Von besonderer Faszination sind <a href="http://www.mathematik.uni-bielefeld.de/~lisken/qdl/praktikum2/folgen/">Zahlenfolgen</a>, also Mengen von Zahlen, die in in einem Zusammenhang zu einer Regel stehen &#8211; wie die <a href="http://www.research.att.com/~njas/sequences/A000040">Primzahlen</a> (nur teilbar durch sich selbst und durch, oder die <a href="http://www.research.att.com/~njas/sequences/A000396">vollkommenen Zahlen</a>, die gleich der Summe ihrer sämtlichen Teiler sind &#8211; wie 6=1+2+3 oder 28=1+2+4+7+14 &#8211; sechs Tage der Schöpfung, 28 Tage benötigt der Mond für seinen Umlauf oder 496 Dimensionen der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eichtheorie">Eichgruppe</a> der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Stringtheorie">String-Theorie (Typ 1)</a>.</p>
<p>Vor vierzig Jahren begann <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Neil_Sloane">Neil Sloane</a>, Mathematiker bei den Bell-Labs, die heute zu Alcatel-Lucent gehören, Zahlenfolgen systematisch zusammenzutragen. Ein Vorhaben, dass im Internet seinen perfekten Träger gefunden hat: die <a href="http://www.research.att.com/~njas/sequences/Seis.html">On-Line Encyclopedia of Interger Sequences</a>. Unter den mehr als 170.000 Zahlenfolgen finden sich Beispiele, wie die oben genannten, aber auch sehr exotische, wie etwa die <a href="http://www.research.att.com/~njas/sequences/A001491"></a>: 21, 36, 55, 60, 67, 68, 92, 93, 125.</p>
<p>In pythagoräischer Tradition (<em>&#8220;Alles in der Welt ist Zahl&#8221;</em>) können auf der OEIS alle Zahlenfolgen nicht nur als Listen, sonder auch als <a title="Zahlen als Musik" href="http://www.research.att.com/~njas/sequences/play.html"><em>Ton</em>folgen</a> abgerufen werden. Ein ausgefeiltes Interface bietet sogar die Möglichkeit der Transposition für verschiedene Instrumente Stimmungen und Rhythmen. Bei vielen der Zahlenfolgen erkennt man ihre Regelmäßigkeit nur schwer in den Tabellen mit <a http://www.research.att.com/~njas/sequences/table?a=123456&#038;fmt=4">Ziffern</a>, aber als <a href="http://www.research.att.com/~njas/sequences/table?a=123456&#038;fmt=6">Klangfolge</a> erkennt man sie sofort.</p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/0125586302?ie=UTF8&amp;tag=wwweigenarbeo-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=0125586302"><img class="alignleft size-full wp-image-10" title="The Encyclopedia of Integer Sequences" src="/wp-content/uploads/2010/01/encycl_integer_sequ.gif" alt="The Encyclopedia of Integer Sequences" width="144" height="216" /></a></p>
 <img src="http://www.slow-media.net/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?view=1&post_id=47" width="1" height="1" style="display: none;" />]]></content:encoded>
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		<title>Geologische Naturdenkmäler in Bayern</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Jan 2010 09:01:35 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[&#8221; Die Steine selbst, so schwer sie sind, Die Steine! Sie tanzen mit den muntern Reihn Und wollen gar noch schneller sein, Die Steine.&#8221; &#8220;Aus Stein, aus Stein, so muss das Herz von meiner Liebsten sein.&#8221; Von ihrem Gegenstand her ist die Geologie eine der langsamsten Wissenschaften. Wenn dann zu einer umfänglichen geologischen Datenbank ebenso [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://twitpic.com/5mapz" title="&quot;Hoher Stein&quot; bei Percha. Beeindruckender Amphibolitblock in ... on Twitpic"><img src="http://twitpic.com/show/thumb/5mapz.jpg" width="150" height="150" alt="Hoher Stein bei Percha" style="padding-right:10px;padding-bottom:20px;" class="alignleft size-full wp-image-10" align="left"></a><i>&#8221; Die Steine selbst, so schwer sie sind, Die Steine! Sie tanzen mit den muntern Reihn Und wollen gar noch schneller sein, Die Steine.&#8221;</i></p>
<p><i>&#8220;Aus Stein, aus Stein, so muss das Herz von meiner Liebsten sein.&#8221;</i></p>
<p>Von ihrem Gegenstand her ist die Geologie eine der langsamsten Wissenschaften. Wenn dann zu einer umfänglichen geologischen Datenbank ebenso sorgfältige wie gut verständliche Erläuterungen zur Entstehung von Toteislöchern, Gumpen und Findlingen dazu kommen, haben wir es mit einem guten Kandidaten für unsere Slow Media-Liste zu tun. Etwa 2.800 Objekte findet man im <a href=“ http://www.lfu.bayern.de/geologie/fachinformationen/geotoprecherche/index.htm „>bayerischen Geotopkataster</a>, viele (z.B. die <a href=“ http://www.lfu.bayern.de/geologie/fachinformationen/geotope_schoensten/index.htm „>Top 100-Liste</a> hier) davon so spektakulär, dass sie einen größeren Umweg oder einen eigenen Ausflug wert sind – idealerweise begleitet von dem jeweiligen ausgedruckten Informationsblatt oder aber einem eBook-Reader. Zum Beispiel der oben abgebildete „<a href=“ http://www.lfu.bayern.de/geologie/fachinformationen/geotoprecherche/doc/188r002.pdf“>Hohe Stein von Percha</a>“, ein erratischer Amphibolitblock, „reichlich mit schräg laufenden Quarzadern durchzogen“, den der große Geologe Ludwig von Ammer gegen Ende des 19. Jahrhunderts als herausragendes Naturdenkmal der Region <a href=“ http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0001/bsb00010169/images/index.html?id=00010169&#038;fip=62.96.95.244&#038;no=61&#038;seite=51“>beschreibt</a>:</p>
<blockquote><p>
Die Strasse weiter gegen den See herabschreitend gelangt man bald an den grossen Block von Percha vorbei, der als das schönste der erratischen Felsstücke in der Münchener Gegend gelten darf.
</p></blockquote>
<p>Anders als im Fall der <a href=“http://www.blfd.bayern.de/denkmalerfassung/denkmalliste/bayernviewer/index.php“>Onlinedatenbank der Baudenkmäler</a> kann man sich mit den geologischen Sehenswürdigkeiten Zeit lassen – die meisten davon haben bereits zehntausende Jahre überdauert und werden uns das ganze Long Now erhalten bleiben.</p>
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		<title>Theodore Gray: The Elements</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Jan 2010 11:29:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jbenno</dc:creator>
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		<description><![CDATA[[Read this Post in English] Im 5. Jahrhundert vor Christus forderte Empedokles, dass die Welt aus einer endlichen Anzahl verschiedener Elemente bestünde. Seine Lehre von den Vier Elementen wurde für die nächsten 2000 Jahre ein Fundament der abendländischen Wissenschaft. Erst im 17. Jahrhundert wurde die Vorstellung, die Welt bestünde aus unterschiedlichen Verbindungen von Feuer, Wasser, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><small><a href="http://en.slow-media.net/theodore-gray-the-elements"><img src="http://www.galerieroyal.de/wp-content/plugins/langswitch_flags/uk.png" /> [Read this Post in English]</a></small><br />
<a href="http://www.amazon.de/gp/product/1579128149?ie=UTF8&amp;tag=wwweigenarbeo-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=1579128149"><img title="Theodore Gray: The Elements" src="/wp-content/uploads/grey1.jpg" alt="Theodore Gray: The Elements" width="240" height="240" class="alignleft size-full wp-image-10" /></a>Im 5. Jahrhundert vor Christus forderte Empedokles, dass die Welt aus einer endlichen Anzahl verschiedener Elemente bestünde. Seine Lehre von den <em>Vier Elementen</em> wurde für die nächsten 2000 Jahre ein Fundament der abendländischen Wissenschaft. Erst im 17. Jahrhundert wurde die Vorstellung, die Welt bestünde aus unterschiedlichen Verbindungen von Feuer, Wasser, Luft und Erde durch den irische Forscher Robert Boyle revidiert &#8211; allerdings nur, was die Anzahl und Art dieser Elemente betrifft. Dass es tatsächlich elementare Bestandteile gibt, kleinste Einheiten, die selbst noch die Eigenschaften der Materie tragen, selbst aber nicht weiter teilbar sind, ohne diese Eigenschaften zu verlieren, daran gibt es spätestens seit der Entdeckung des Periodensystems und der (Wieder-)Entdeckung des Atoms im 19. Jahrhundert keinen Zweifel mehr.</p>
<p>Und es sind tatsächlich erstaunlich wenig unterschiedliche Elemente: knapp über 90 verschiedene können auf der Erde gefunden werden. Das faszinierende an den Elementen sind ihre chemischen Eigenschaften, die sich in schöner Periodizität wiederholen, nicht ohne allerdings ab und zu spektakuläre Ausreißer auf Grund <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Relativistischer_Effekt">physikalischer Effekte</a> zuzulassen. Dieses <em>Periodensystem der Elemente</em>, 1869 von Mendelejew entwickelt, bleibt in aller Regel Theorie, farblose Tabelle mit wenig anschaulichen Buchstaben und Zahlen darin. Dabei lässt sich gerade die Regelmäßigkeit in der Vielfalt der Elemente wunderbar visualisieren. Genau dies ist die Leistung von Theodore Gray, einem bekannten Unternehmer und Software-Pionier, Mitautor von <a href="http://www.wolfram.com/">Mathematica</a> und eben <em>Elementsammler</em>.</p>
<p>Aus seinen tausenden von Element-Proben und Fundstücken hat Gray einen wunderbaren Bildband zusammengestellt, der anekdotisch Entdeckung, wichtige Eigenschaften und die persönliche Beziehung des Autors zum jeweiligen Element visualisiert; großformatig, Hardcover, Hochglanz.</p>
<p>Parallel dazu gibt es eine <a href="http://periodictable.com/">Website &#8216;periodictable.com&#8217;</a>, auf der zu finden ist, was im Buch keinen Platz mehr hatte, oder was später zur Sammlung des Autors hinzugekommen ist.</p>
<p><a href="http://www.amazon.de/gp/product/1579127916?ie=UTF8&amp;tag=wwweigenarbeo-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=1579127916"><img title="Mad Science: Experiments You Can Do at Home - But Probably Shouldn't" src="/wp-content/uploads/grey1.jpg" alt="Mad Science: Experiments You Can Do at Home - But Probably Shouldn't" width="240" height="240" class="alignright size-full wp-image-10" /></a>In einem zweiten Band <a href="http://www.amazon.de/gp/product/1579127916?ie=UTF8&amp;tag=wwweigenarbeo-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=1579127916">&#8220;Mad Science: Experiments You Can Do at Home &#8211; But Probably Shouldn&#8217;t&#8221;</a> geht es dann zur Praxis, ebenso bildstark inszeniert, wie überaus amüsant zu lesen. Zahlreiche Experimente habe ich erfolgreich durchgeführt und großen Spass dabei gehabt.</p>
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