<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>slow media &#187; Slow theory</title>
	<atom:link href="http://www.slow-media.net/category/theory/feed" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.slow-media.net</link>
	<description>Das Blog über Slow Media - &#60;a href=&#34;http://slow-media.net/manifest&#34;&#62;Was sind Slow Media?&#60;/a&#62;</description>
	<lastBuildDate>Mon, 06 Sep 2010 09:54:42 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.0.1</generator>
		<item>
		<title>Schreiben mit Maschinen</title>
		<link>http://www.slow-media.net/schreiben-mit-maschinen</link>
		<comments>http://www.slow-media.net/schreiben-mit-maschinen#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 04 Sep 2010 20:36:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jbenno</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Slow theory]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[arno schmidt]]></category>
		<category><![CDATA[Atari]]></category>
		<category><![CDATA[Atari MegaST]]></category>
		<category><![CDATA[Compaq]]></category>
		<category><![CDATA[Füller]]></category>
		<category><![CDATA[Füllfederhalter]]></category>
		<category><![CDATA[Günter Grass]]></category>
		<category><![CDATA[maschineschreiben]]></category>
		<category><![CDATA[Schreibmaschine]]></category>
		<category><![CDATA[Spiegel]]></category>
		<category><![CDATA[Vilem Flusser]]></category>
		<category><![CDATA[Zettels Traum]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.slow-media.net/?p=2548</guid>
		<description><![CDATA[&#8220;Wer Dichtung will, muss auch die Schreibmaschine wollen.&#8221; (?) Arno Schmidt, &#8220;Zettels Traum&#8221; Man greift zum Pinsel oder zur Feder (diesem natürlichen Pinsel), um federnd, beflügelt, wie im Flug zu schreiben. Dann dreht man die Feder um und schreibt mit der Federspitze, um noch schneller zu schreiben. Vilém Flusser, &#8220;Die Schrift&#8221; Füllfederhalter heißt auf russisch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<table style="padding-bottom: 10px;" width="75%">
<tbody>
<tr>
<td><a href="/wp-content/uploads/schreibmaschinen2.jpg"><img src="/wp-content/uploads/schreibmaschinen2.jpg" alt="" width="100%" /></a></td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: right;"><em>&#8220;Wer Dichtung will, muss auch die Schreibmaschine wollen.&#8221; (?)</em><br />
Arno Schmidt, &#8220;Zettels Traum&#8221;</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="text-align: right;"><em>Man greift zum Pinsel oder zur Feder (diesem natürlichen Pinsel), um federnd, beflügelt, wie im Flug zu schreiben. Dann dreht man die Feder um und schreibt mit der Federspitze, um noch schneller zu schreiben.</em><br />
Vilém Flusser, &#8220;Die Schrift&#8221;</p>
<p>Füllfederhalter heißt auf russisch Авторучка (<em>Awtorutschka</em>, wörtl.: Auto-Händchen), das bedeutet soviel wie &#8220;die selbsttätige schreibende Hand&#8221;. Die Feder aus Stahl, letzte Verzeichnung des Gänsekiels, saugt sich die Tinte aus dem Tank, so dass problemlos einige Seiten in Kurrentschrift mit Text aus endlosen blauen Linien gefüllt werden, die sich wie Fäden über das Papier ziehen. Anfangs gibt es kaum Widerstand, die Feder gleitet mühelos übers Papier; dann fängt der Auftrag an, heller zu werden, bis die Bewegung der Feder schließlich auf dem Papier zu kratzen beginnen. Jetzt muss man wieder nachfüllen &#8211; per Patrone oder aus dem Tintenglas. Der Schreibfluss wird unterbrochen, man kann genauso gut aufstehen und zum Kühlschrank gehen, sich einen Kaffee kochen oder ein Glas Wein nachschenken. Es werden nie mehr als ein paar Seiten. Das ist der Schritt, den der Füller als Werkzeug uns beim Schreiben gibt.</p>
<table style="padding-bottom: 10px;" width="75%">
<tbody>
<tr>
<td><a href="/wp-content/uploads/schreibmaschinen0.jpg"><img src="/wp-content/uploads/schreibmaschinen0.jpg" alt="" width="100%" /></a></td>
</tr>
<tr>
<td>Meine ersten beiden Schreibmaschinen: der billige Füller der Schulzeit; das bessere Modell fürs Studium.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="text-align: right;"><em>&#8220;- aso wenn die Schreibmaschine sorichtich im System rappelt : 10 Daktylen, 2 Cheir -&#8221;<br />
<span style="font-style: normal;"> Arno Schmidt, &#8220;Zettels Traum&#8221;</span></em></p>
<table style="float: left; padding-bottom: 10px; padding-right: 10px;" width="20%">
<tbody>
<tr>
<td><a href="/wp-content/uploads/schreibmaschinen3.jpg"><img src="/wp-content/uploads/schreibmaschinen3.jpg" alt="" width="100%" /></a></td>
</tr>
<tr>
<td><a href="/wp-content/uploads/schreibmaschinen5.jpg"><img src="/wp-content/uploads/schreibmaschinen5.jpg" alt="" width="100%" /></a></td>
</tr>
<tr>
<td>&#8230; auf der Maschine verklemmen die Lettern, wenn man die Tasten nicht richtig trifft. Anfängerfehler. Dafür trifft man ü und ß viel leichter, als auf der, mit Sonderzeichen vollgemüllten, engen Laptop-Tastatur.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Das Eigentümliche der Schreibmaschine ist die Rhythmik, deren Schläge &#8211; die Anschläge der Tasten &#8211; und Takte &#8211; der Zeilenvorschub &#8211; das Schreiben viel kleinteiliger gliedert, als das Umblättern des Papiers oder das Nachfüllen der Tinte beim Schreiben von Hand. Der Stil des Maschineschreibens wird  von selbst knapper. Man gewöhnt sich an, das Klingeln vor dem Zeilenende vorwegzuspüren, die Sätze danach zu bemessen, einen schönen Abschluss zu finden, bevor die rechte Hand von der Tastatur genommen werden muss, um den Vorschub zu betätigen. Ausladende Haupt-Nebensatzkonstruktionen machen auf der Schreibmaschine keinen Spass. Ähnlich wie beim Schreiben mit der Hand, muss man auch beim Maschineschreiben den Satz zuende denken &#8211; ein Umkehren und Löschen des bereits getippten kostet die Ästhetik der beinahe druckreifen Typografie. Aber mit der Maschine kommen die Wörter viel schneller, als mit der Hand. Es bleibt viel weniger Zeit, den Satz in Gedanken zu formulieren. Also: kurze Sätze, die in der Silbenfolge das Metrum des Tastengeklappers behalten.</p>
<p>Drückt man die Tasten nicht exakt von oben, verklemmen die Lettern und man rutscht mit den Fingern in die Zwischenräume &#8211; und an der Unterseite sind die Tasten gar nicht so gefällig glatt, sondern scharfkantig und das Abrutschen ist schmerzhaft.</p>
<p>Nach langem Schreiben fühlt man auch im Bett liegend noch das rythmische Spiel der Finger, die sich von der physischen Anstrengung des Tastendrückens erholen.</p>
<p style="text-align: right;"><em>&#8221; &#8211; der Klang Deiner Schreibmaschine gab Mein&#8217;n Träumen eine wunderliche Form.- </em><br />
Arno Schmidt, &#8220;Zettels Traum&#8221;</p>
<table cellspacing="10" width="75%">
<tbody>
<tr>
<td width="50%" align="right" valign="top"><strong>&#8216;sich mit den Fingern dran=spieln&#8217;; wär also eine, für die DamenWelt=typische, Ersatzhandlung.</strong></td>
<td width="50%" align="left" valign="top">&#8220;(wie auch Klavier / Schreibmaschine:&#8217;tipp=tipp=tipp die kleine Erica&#8217;; (all diese virtuosn fingerspielerinn&#8217;: Klavier,Schreibmaschine,ZupfGeigen im puzzycato;(sogar übertriebene Maniküre)))&#8221;</td>
</tr>
<tr>
<td></td>
<td>Arno Schmidt, &#8220;Zettels Traum&#8221;</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<table style="float: right; padding-bottom: 15px; padding-left: 10px;" width="55%">
<tbody>
<tr>
<td><a href="/wp-content/uploads/schreibmaschinen4.jpg"><img src="/wp-content/uploads/schreibmaschinen4.jpg" alt="" width="100%" /></a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p style="text-align: right;"><em>Selbst bei der Schreibmaschine ist von Zeit zu Zeit ein Farbbandwechsel nötig. kein noch so entwickelter Tintenstrom ist unversiegbar. Erst wenn die Aufschrift vom Teletype ersetzt ist, wird es technisch möglich sein, in einem ununterbrochenen Schreibschwall zu schreiben.</em><br />
Vilém Flusser, &#8220;Die Schrift&#8221;</p>
<p>Der Atari MegaST war 1986 der erste Computer, auf dem ich geschrieben habe. Ältere Computer wie der C64 hätten der Schreibmaschine nicht das Wasser reichen können. Aber auf dem Atari liefen <a href="http://www.slow-media.net/tex">TEX</a> und Signum und andere hervorragende Schreibprogramme. Mit dem Computer war das Schreiben ganz anders, als auf der Maschine. Zum einen ging es unendlich weiter. Kein Umschalten von Klein- auf Großbuchstaben; das Anheben des Wagens mit den kleinen Fingern war ja eine echte Kraftanstrengung! Kein Klingeln und Anhalten durch den Zeilenvorschub, kein Papiernachlegen, kein Farbbandauswechseln.</p>
<p>Der zweite, ebenso wesentliche Unterschied besteht in der aufdringlichen Präsenz des gerade getippten Textes, der einem jetzt frontal ins Gesicht leuchtet. WYSIWYG &#8211; bereits formatiert mit Überschriften, Font, Absatzparametern besitzt der Text vor Augen sofort etwas endgültiges; aber: wie schnell hat man andererseits ganze Passagen gelöscht! Das druckreife Äußere des Textes auf dem Bildschirm ist weniger eine Anmaßung, als vielmehr eine Irreführung, die uns etwas als fertiges Produkt verspricht, was schon beim nächsten Absturz unwiederbringlich verloren gehen kann. Dazu hat sich auch Günter Grass jüngst im <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,711869-2,00.html">Spiegel-Interview</a> geäußert:</p>
<p><small>&#8220;Ich würde diese Entwicklung hin zum Lesen auf Computern gern aufhalten, aber das kann offenbar niemand. Dabei werden die Mängel des elektronischen Verfahrens bereits beim Erstellen des Manuskripts offenkundig. Die meisten jungen Autoren schreiben direkt in den Computer, verändern und arbeiten in ihren Dateien. In meinem Fall dagegen existieren zahlreiche Vorstufen: eine handschriftliche Fassung, zwei, die ich selbst mit meiner Olivetti-Schreibmaschine getippt habe, und schließlich mehrere Ausdrucke von Fassungen, die meine Sekretärin in den Computer eingegeben und ausgedruckt hat und in die ich jeweils zahlreiche handschriftliche Korrekturen eingearbeitet habe. Solche Arbeitsgänge gehen verloren, wenn man gleich am Computer schreibt. [...] Im Computer sieht ein Text immer irgendwie fertig aus, auch wenn er es längst nicht ist. Das verführt.&#8221;</small></p>
<p>***</p>
<p style="text-align: right;"><em>Durch den Papierhandlungen und Schreibtische zusammenfassenden Blick wird jedes politische engagement des Schreibers als lächerlicher Irrtum erkannt. Es ist darum den meisten gegenwärtig Schreibenden nicht zu empfehlen, diesen Blick zu wagen. Während der ganzen Schreibkultur waren die Mittel klein und verächtlich, die Ziele waren großartig und nobel. Es ist doch lächerlich, bei der Beurteilung des erreichten Zwecis &#8220;Göttliche Komödie&#8221; an Dantes Gänsekiel zu denken. Das ist jetzt anders geworden. Das angebotene [Schreibwerk-]Zeug ist großartiger als die zu schreibenden Notizen, denen es vorgeblich dient: wieviel mehr Intelligenz steckt in solchem Zeug als dem dan ihm erzeugten Geschreibsel.</em><br />
Vilém Flusser, &#8220;Die Schrift&#8221;</p>
<p>Seit 1992 schreibe ich auf Laptops. Es ist wieder einfacher, den Bildschirm beim tippen zu ignorieren, erst recht in den Eingabemasken von WordPress oder einem Wiki, die selbst nur noch einen Teil des ohnehin kleinen Bildschirms beanspruchen. War ich früher alle paar Minuten aufgestanden, um etwas nachzulesen, ist dafür jetzt die Verlockung groß, einfach ein neues Tab im Browser zu öffnen und im Netz zu suchen, ob es nicht doch jemand gab, <a href="http://www.slow-media.net/das-ende-der-geschichte-fur-kreativ-berufe">der meinen Gedanken vor mir schon einmal</a> formuliert hatte (und vielleicht sogar treffender, als ich es mir zutraute). Einmal vom rechten Pfad abgewichen, gibt es kaum noch Rettung: jetzt muss einfach noch ein Blick in die Twitter-Timeline drinn sein und &#8211; ach, warum nicht &#8211; auch noch gleich das Email checken.<br />
Deshalb arbeite ich gerne im Zug; und da ist es der Ladestandanzeiger des Akku, der den Takt klopft: ist er auf unter 30% gefallen, heisst es: schnell noch zuende bringen, was ich mir vorgenommen habe, bevor mein Schreibapparat mir die Zwangspause verordnet.</p>
<table style="padding-bottom: 10px;" width="75%">
<tbody>
<tr>
<td width="33%"><a href="/wp-content/uploads/schreibmaschinen1.jpg"><img title="Triumph Matura" src="/wp-content/uploads/schreibmaschinen1.jpg" alt="Triumph Matura" width="100%" /></a></td>
<td width="33%"><a href="/wp-content/uploads/schreibmaschinen6.jpg"><img title="Atari MegaST" src="/wp-content/uploads/schreibmaschinen6.jpg" alt="Atari MegaST" width="100%" /></a></td>
<td width="33%"><a href="/wp-content/uploads/schreibmaschinen7.jpg"><img title="Compaq" src="/wp-content/uploads/schreibmaschinen7.jpg" alt="Compaq" width="100%" /></a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><small><br />
<h4>Weitere Beiträge zum Thema Druck:</h4>
<p></small></p>
<ul>
<a href"http://www.slow-media.net/schreiben-mit-maschinen">Schreiben mit Maschinen</a><br />
<a href"http://www.slow-media.net/tex>TEX &#8211; digitaler Buchsatz</a><br />
<a href"http://www.slow-media.net/kunstbucher-im-digitaldruck">Kunstbücher im Digitaldruck</a><br />
<a href"http://www.slow-media.net/wozu-noch-verlage">Wozu noch Verlage?</a><br />
<a href"http://www.slow-media.net/was-vom-druck-ubrig-blieb">Was vom Druck übrig blieb</a><br />
<a href"http://www.slow-media.net/papier-und-nachhaltigkeit">Papier und Nachhaltigkeit</a>
</ul>
 <img src="http://www.slow-media.net/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?view=1&post_id=2548" width="1" height="1" style="display: none;" />]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.slow-media.net/schreiben-mit-maschinen/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>TEX &#8211; digitaler Buchsatz</title>
		<link>http://www.slow-media.net/tex</link>
		<comments>http://www.slow-media.net/tex#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 02 Sep 2010 18:48:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jbenno</dc:creator>
				<category><![CDATA[Slow theory]]></category>
		<category><![CDATA[Bleisatz]]></category>
		<category><![CDATA[Buchdruck]]></category>
		<category><![CDATA[digital typography]]></category>
		<category><![CDATA[digitaldruck]]></category>
		<category><![CDATA[donald e. knuth]]></category>
		<category><![CDATA[gutenberg]]></category>
		<category><![CDATA[Lettern]]></category>
		<category><![CDATA[linotype]]></category>
		<category><![CDATA[metafont]]></category>
		<category><![CDATA[monotype]]></category>
		<category><![CDATA[satz]]></category>
		<category><![CDATA[tex]]></category>
		<category><![CDATA[textsatz]]></category>
		<category><![CDATA[the art of computer programming]]></category>
		<category><![CDATA[typografie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.slow-media.net/?p=824</guid>
		<description><![CDATA[[Read this post in English] Faksimile der 42-zeiligen Gutenberg-Bibel nach dem Exemplar der Berliner Staatsbibliothek Preuss. Kulturbesitz. Peagant, NY, 1964 &#8220;Gutenberg hat eigentlich nichts erfunden: Schon um die Mitte des zweiten Jahrtausends v. Chr. hätte man in diesem sinn buchdrucken können. Alle technischen Voraussetzungen (Pressen, Tinten, Blattförmige Unterlagen, auch die Kunst, Negative in Metall zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><small><a href="http://en.slow-media.net/tex"><img src="http://www.galerieroyal.de/wp-content/plugins/langswitch_flags/uk.png" />[Read this post in English]</a></small></p>
<table style="float: left; padding-bottom: 20px; padding-right: 10px;" width="30%">
<tbody>
<tr>
<td><a href="/wp-content/uploads/tex0.jpg"><img src="/wp-content/uploads/tex0_tn.jpg" alt="" width="100%" /></a></td>
</tr>
<tr>
<td>Faksimile der 42-zeiligen Gutenberg-Bibel nach dem Exemplar der Berliner Staatsbibliothek Preuss. Kulturbesitz. Peagant, NY, 1964</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><em>&#8220;Gutenberg hat eigentlich nichts erfunden: Schon um die Mitte des zweiten Jahrtausends v. Chr. hätte man in diesem sinn buchdrucken können. Alle technischen Voraussetzungen (Pressen, Tinten, Blattförmige Unterlagen, auch die Kunst, Negative in Metall zu gießen) waren damals gegeben. Man druckte noch nicht, weil man sich dessen nicht bewußt war, dass man Typen handhabt, wenn man Schriftzeichen zeichnet.&#8221;</em><br />
<small>Vilém Flusser, &#8220;Schrift&#8221;</small></p>
<p>Die 42-zeilige Bibel aus der Werkstatt Gutenbergs gilt als das erste Buch, das im neu erfundenen Buchdruck mit beweglichen Lettern gedurckt wurde. Bis heute haben sich mindestens 48 Exemplare erhalten. Die Typografie dieses weltverändernden Buches gilt bis heute als eine der schönsten &#8211; von vielen sogar als die schönste erachtet, die je gesetzt wurde.</p>
<p>Der Textsatz Gutenbergs weist allerdings einen ganz wesentlichen Unterschied zu den späteren Satztechniken auf: während spätere Setzer den Zeilenausschluss, der alle Zeilen auf die Breite des Satzspiegels bring, durch Spatien, kleine Blei- oder Messingstreifen erreicht wird, mit denen der Setzer die Wortabstände entsprechend vergrößert, bis die Zeile voll aufgeschlossen ist, nutzte Gutenberg insgesamt 290 unterschiedliche Lettern zum Druck, die für denselben Buchstanben sich geringfügig in der Breite unterschieden. Damit ist Gutenberg vom Erscheindungsbild der Seiten viel näher an der Handschrift geblieben, als spätere Setzer &#8211; ästhetisch überlegen, aber weit weniger effizient.</p>
<table style="float: left; padding-bottom: 10px; padding-right: 10px;" width="40%">
<tbody>
<tr>
<td><a href="/wp-content/uploads/tex3.png"><img src="/wp-content/uploads/tex3_tn.png" alt="" width="100%" /></a></td>
</tr>
<tr>
<td>Oben und unten: Typografien des berühmten Schriftdesigners <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Zapf">Hermann Zapf</a> &#8211; gesetzt mit TEX (Abbildungen von <a href="http://www-cs-faculty.stanford.edu/~uno/">http://www-cs-faculty.stanford.edu/~uno/</a>).</td>
</tr>
<tr>
<td><a href="/wp-content/uploads/tex2.png"><img src="/wp-content/uploads/tex2_tn.png" alt="" width="100%" /></a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Als ich anfang der Neunziger Mathematik studierte, waren viele neuere Lehrbücher so hässlich, dass es mir schwer viel, den Inhalt daraus zu erfassen; die minderwertigen Satz- und Reproduktionsqualität dieser Zeit machte die &#8220;Nerd&#8221;-Wissenschaft Mathematik noch unattraktiver. Der Grund für diesen Niedergang an Publikationskultur liegt in der Umstellung vom Bleisatz auf den &#8220;Lichtsatz&#8221;. In den modernen Satzmaschinen &#8211; meist immer noch teilmechanisch oder basierend auf nicht ganz so schnellen Computern &#8211; war es schlichtweg nicht vorgesehen oder unmöglich, so komplexe, durch Indizes und Superscripten mehrzeiligen Formeln zu erstellen, wie sie eben die Mathematik ausmachen. In der Regel wurden also einfache Computer-Ausdrucke oder Schreibmaschinen-Skripten mit handschriftlichen oder mit Schablone gezeichneten Formeln vervielfältigt und gebunden. Zum ersten Mal seit 500 Jahren waren die Verlage von Gutenbergs Technologie abgewichen und es schien einigen Zeitgenossen &#8211; wie etwa Vilém Flusser &#8211; <a href="http://www.slow-media.net/was-vom-druck-ubrig-blieb">das Ende der Schriftkultur</a> eingeläutet.</p>
<p>Aber nicht alle Bücher waren so hässlich. Immer öfter tauchten unter den Neuerscheinungen wirkliche Perlen der Schriftkunst auf &#8211; auch in Nischengebieten, in ganz kleinen Auflagen, ja sogar in Dissertationen und Diplomarbeiten gab es plötzlich einen unglaublichen Qualitätsschub &#8211; zumindest was das Aussehen der Texte betrifft.</p>
<p>Dies ist das Verdienst von Donald E. Knuth: <img style="padding-left: 5px;" src="/wp-content/uploads/tex12.png" alt="" width="10%" /></p>
<table style="float: left; padding-right: 10px;" width="100%">
<tbody>
<tr>
<td><img src="/wp-content/uploads/tex4.jpg" alt="" width="100%" /></td>
</tr>
<tr>
<td>Sein Buch &#8220;The Art of Computer Programming&#8221; war für Donald E. Knuth der Anlass, sich systematisch mit digitalem Textsatz auseinanderzusetzen. Das Ergebnis rechtfertigt die Mühe!</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Knuth &#8211; einer der großen Wegbereiter der Computerprogrammierung hatte in fast zehnjähriger Arbeit ein Textsatzprogramm geschrieben, von dem er selbst mindestens dieselbe Leistung und Qualität erwartete, wie von den großartigen Monotype-Bleisatzmaschinen. Die Geschichte dieses Programmes ist von Donald Knuth selbst erzählt: enttäuscht von der schlechten Qualität der zweiten Auflage seines Buches hatte er begonnen sich in Textsatz und Druck einzuarbeiten und nicht eher aufgegeben, bis er die perfekte Lösung vorstellen konnte &#8211; die er unter Creative Commons veröffentlichte!</p>
<table style="float: left; padding-right: 10px;" width="45%">
<tbody>
<tr>
<td>Die Notation von komplizierten Formeln ist in TEX schnell erlernt. Die <a href="http://refcards.com/docs/silvermanj/tex/tex-refcard-letter.pdf">Sonderzeichen</a> werden durch einen \-Tag eingeleitet. Superskripten und Indices kommen einfach der Reihe nach.</p>
<p>\sum ergibt das Summenzeichen Σ<br />
\int das Integral ∫<br />
Griechische Buchstaben ebenso: \alpha ergibt α und so weiter. Es ist nicht schwierig, selbst weitere Befehle oder Macros in TEX anzulegen &#8211; inzwischen gibt es wohl nahezu jedes Alphabet auf Erden als Font für TEX.</p>
<p>Hier ein Beispiel in der vereinfachten TEX-Version, die auf Wikipedia eingebaut ist: <em>Die Riehmannsche ζ-Funktion.</em></p>
<p>In TEX-Code:</p>
<p><code>\zeta(s) = \sum_{n=1}^\infty\frac1{n^s} =1+\frac1{2^s} +\frac1{3^s} +\frac1{4^s} +\cdots</code></p>
<p>ergibt als Bild:</td>
</tr>
<tr>
<td><img src="/wp-content/uploads/tex9.png" alt="" width="100%" /></td>
</tr>
<tr>
<td>
&#8230; oder für s=2, mit dem bekannten Kreis-Zusammenhang:</p>
<p><code>\zeta(2) = \sum_{n=1}^\infty \frac1{n^2} = \frac{\pi^2}6</code></td>
</tr>
<tr>
<td><img src="/wp-content/uploads/tex10.png" alt="" width="55%" /></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Das besondere an TEX ist aus meiner Sicht gar nicht einmal die Leichtigkeit, mathematische Formeln wie gestochen in den Text einzufügen. TEX setzt Buchseiten in einer ästhetischen Weise, wie es einstmals die besten Bleisetzer von Hand vermochten und zwar mit belibigen Typen, Schriftarten, Symbolen, von Rechts nach Links &#8211; ganz danach, wie es der Text erfordert.</p>
<p>Neben dem eigentlichen Textsatzprogramm gehört zu TEX noch ein Werkzeug zum Fontmanagement: METAFONT. Knuth stellte &#8211; anders als seine Vorgänger &#8211; die Buchstaben und Symbole nicht als Bitmap, also als ein Raster mit schwarzen und weißen Flächen dar, sondern beschreibt die Zeichen als mathematische Formeln, als Kurven von Funktionen. Diesem Ansatz folgen heute alle Textsatzsysteme &#8211; Adobes Postscript und pdf ebenso wie Microsofts Truetype &#8211; mit einer wichtigen Ausnahme: in diesen wird der Umriss  des Buchstabens durch die Kurven beschrieben, während Knuth einen &#8220;Pinselstrich&#8221; beschreibt &#8211; eine Mittellinie und den Umriss des Pinsels in Form einer Elipse.</p>
<table style="float: left; padding-bottom: 10px; padding-right: 10px;" width="40%">
<tbody>
<tr>
<td><img src="/wp-content/uploads/tex7.jpg" alt="" width="100%" /></td>
</tr>
<tr>
<td>&#8220;The Art of Computer Programming&#8221; von Donald E. Knuth ist nicht nur schön gedruckt, sondern auch schön gebunden &#8211; Leineneinband mit Fadenheftung, wie es sich gehört!</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Der Textsatz war in all den fünfhundert Jahren seit Gutenberg der wichtigste und anspruchvollste Teil der Buchproduktion. Das hatte sich auch durch die Mechanisierung mit Linotype und Monotype geändert &#8211; es war eine hohe Kunst, in der es stets darum ging, mit Maschinen Texte zu produzieren, in einer Weise, die dem Wert des Inhaltes mindestens gerecht werden sollte. <a href="http://www.slow-media.net/technische-sklaven">Die Technologie zu beherrschen</a> &#8211; und nicht umgekehrt, sich ihr unterzuodrnen &#8211; ist heute so aktuell wie zu Gutenbergs Zeit. TEX übersetzt das wesentliche dieser Technologie in die digitale Medienproduktion.</p>
<p>Nach dem Inhalt sind der gute Satz und das Layout der zweite, notwenidge Schritt zu einem wertvollen Text. Danach folgt die eigentliche Produktion von der <a href="http://www.slow-media.net/papier-und-nachhaltigkeit">Papierherstellung</a>, <a href="http://www.slow-media.net/kunstbucher-im-digitaldruck">dem Druck</a>, bis zur Bindung &#8211; bzw. die Darstellung auf dem Bildschirm und die <a href="http://www.slow-media.net/wozu-noch-verlage">Distribution</a>. Alle diese Schritte zahlen auf den Wert eines Mediums ein. In jedem einzelnen lohnt sich Sorgfalt.</p>
<table width="60%">
<tbody>
<tr>
<td><img src="/wp-content/uploads/tex1.png" alt="" width="100%" /></td>
</tr>
<tr>
<td>&#8220;Nie zuvor ist der Forschritt der Geschicte so atemlos gewesen wie seit der Erfindung der bildermachenden Apparate.&#8221;<br />
Vilém Flusser: &#8220;Schrift&#8221;</p>
<p>(die Abbildung nach Knuth a.a.O.)</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><!--Druck Kunstbücher Digitaldruck Indigo Verlag Papierherstellung--></p>
 <img src="http://www.slow-media.net/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?view=1&post_id=824" width="1" height="1" style="display: none;" />]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.slow-media.net/tex/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Über das Hinterfragenwagen und den Luxus von Moral</title>
		<link>http://www.slow-media.net/uber-das-hinterfragenwagen-und-den-luxus-von-moral</link>
		<comments>http://www.slow-media.net/uber-das-hinterfragenwagen-und-den-luxus-von-moral#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 02 Sep 2010 11:38:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sabria</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Naturwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Slow theory]]></category>
		<category><![CDATA[Angelpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Denken]]></category>
		<category><![CDATA[Handeln]]></category>
		<category><![CDATA[Meta]]></category>
		<category><![CDATA[metaphysik]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
		<category><![CDATA[philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Standpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[System]]></category>
		<category><![CDATA[Verantwortung]]></category>
		<category><![CDATA[Werte]]></category>
		<category><![CDATA[Ziele]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.slow-media.net/?p=2554</guid>
		<description><![CDATA[Es gibt die verschiedensten Eigenschaften, nach denen man Menschen in Kategorien einordnen kann. Es gibt zum Beispiel Menschen, die sich das Beste bis zum Schluss aufbewahren (das Filet beim Essen zum Beispiel) – und andere, die den umgekehrten Weg gehen und sich gleich das Beste vornehmen (das Filet, bevor es kalt wird). Es gibt Morgenmenschen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Metaphysik"><img class="size-medium wp-image-2556 alignnone" title="Metaphysik FlammarionWoodcut" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/Metaphysik-FlammarionWoodcut-300x251.jpg" alt="" width="347" height="291" /></a></p>
<p>Es gibt die verschiedensten Eigenschaften, nach denen man Menschen in Kategorien einordnen kann. Es gibt zum Beispiel Menschen, die sich das Beste bis zum Schluss aufbewahren (das Filet beim Essen zum Beispiel) – und andere, die den umgekehrten Weg gehen und sich gleich das Beste vornehmen (das Filet, bevor es kalt wird). Es gibt Morgenmenschen und Abendmenschen. Man kann sie auch einteilen in solche, die eher Hunde mögen, und solche, die eher Katzen mögen (unvereinbar). Oder in Heilserwarter und Unheilserwarter (Mischformen möglich).</p>
<p>Eine dieser möglichen Unterscheidungen habe ich gelernt für zentral zu halten: Es gibt Menschen, die sich, bevor sie etwas tun, fragen: „Nützt mir das?“ Und es gibt Menschen, die sich fragen: „Ist das richtig?“ Nun müssen sich ja Nutzen und Moral nicht notwendig ausschließen – die Gewichtung scheint mir jedoch von feiner Bedeutung zu sein. Es ist eine Art Grundhaltung des Seins, des Wertens und des Handelns auf allen Ebenen. Sie findet sich im Kleinen wie im Großen, im Berufsalltag ebenso wie im Privatleben. Auch wenn nicht immer offen sichtbar ist, führt ein tiefer Graben zwischen beiden. Die Motivation der einen Seite wird der jeweils anderen immer völlig unverständlich bleiben, gerade weil die Grundfrage für jeden so selbstverständlich ist.</p>
<p>Der Sozialdarwinismus, von dem im <a href="http://www.slow-media.net/metaphysik">Metaphysik-Beitrag</a> von Jörg Blumtritt die Rede ist, sagt: Moralisch richtig ist, was dem Eigen- oder Artennutz dient. Im Falle der Natur ist die Sache schnell geklärt: möglichst viele Gene verteilen. Jede Vergewaltigung wäre so moralisch legitimiert, die Natur ist da nicht kleinlich. Lässt sich dieses Prinzip aber auf eine kultivierte Gesellschaft übertragen? Bedeutet Kultur nicht gerade, sich den Luxus von Moral und Werten zu leisten, die außerhalb des reinen Eigennutzes liegen?</p>
<p>Was dient der Sache und was dient mir selbst? Auch hier könnte es doch einen dritten Weg geben. Wäre es möglich, die Pendlerpauschale falsch zu finden, obwohl man selbst davon profitiert? Ein Thilo Sarrazin bekommt ein großes Forum, weil man sich des Echos so schön sicher sein kann. Die Entrüstung ist groß, die Zustimmung auch, die Startauflage des Buches ist schon vor Erscheinen vergriffen. So gesehen eine klare Sache: Der Rummel nützt allen, dem Verlag, dem Buch-Autor sowie allen Medien, die sich auf dieser oder jener Seite an der Debatte beteiligen. Aber ist das auch richtig?</p>
<p>Gelegentlich staune ich, wenn ich durch das Fernsehprogramm schalte, über das, was ich dort zu sehen bekomme. Man fragt sich unwillkürlich, aus welchem Grund es überhaupt gesendet wird. Die einzig mögliche Antwort: Weil es Quote bringt. Einen anderen Grund kann es gar nicht geben. Weil es nützt. Aber reicht das?</p>
<p>Jeder Kindergarten wird ein Haifischbecken, wenn man die Kinder sich selbst überlässt. Das Recht des Stärkeren setzt sich zunächst einmal durch. Auf der anderen Seite werden Kinder zu einer unbeteiligten Schafsherde, wenn man es ihnen abnimmt, die Regeln des sozialen Miteinanders selbst zu entwickeln. Es geht also nicht nur um die <em>Anwendung</em> vorgegebener sozialer Regeln, sondern um die Fähigkeit, diese zu <em>entwickeln</em>. Kinder müssen lernen, einen Punkt zu finden, der außerhalb ihrer vielen verschiedenen Eigennutze steht, von dem aus sie Verhaltenregeln ableiten und untereinander verhandeln können. Natürlich geht es dabei auch um Eigennutzen. Aber es eben auch um einen Punkt, von dem aus diese ins Verhältnis gesetzt werden können.</p>
<p>Zivilisation und Kultur bedeutet doch genau dies: nutzenunabhängige, eigensystemübergreifende Regeln für Richtig und Falsch zu entwickeln. Immer wieder nach einem neuen Punkt zu suchen, von dem aus alles von außen zu betrachten – und zu beurteilen – ist. „Die Frage nach der Bedeutung, nach dem Wesen der zutage geförderten wissenschaftlichen Erkenntnis kann aber nicht im System selbst beantwortet werden,“ sagt Jörg in seinem Beitrag, und es stimmt: Man findet nicht alle Antworten innerhalb des Systems. Ob wir das nun Metaphysik, Moral, Mündigkeit, Religion* oder sonstwie nennen, ist unwichtig. Wichtig ist, einen Punkt außerhalb des eigenen Systems denken zu können, für denkbar zu halten. In den „anderen Raum des Denkens“ treten zu können. Sich selbst, das eigenen Handeln, die eigene Rolle im Ganzen zu <a href="http://www.slow-media.net/manifest">hinterfragen wagen</a>.</p>
<p>Was tue ich überhaupt und warum? Das bleibt eine zentrale Frage – für Menschen sowieso, aber auch als wissenschaftliche Disziplin, als Forschungszweig, als Verlag, als Unternehmen. Jeder, der handelt, sollte doch darauf eine Antwort haben.</p>
<p>______________________________________</p>
<p>*</p>
<blockquote><p>&#8220;Das ist alles recht schön und gut; / Ungefähr sagt das der Pfarrer auch, / Nur mit ein bißchen anderen Worten.&#8221;</p></blockquote>
<p>Margarete zu Faust (Johann Wolfgang von Goethe, Faust I, Zeile 3.459)</p>
 <img src="http://www.slow-media.net/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?view=1&post_id=2554" width="1" height="1" style="display: none;" />]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.slow-media.net/uber-das-hinterfragenwagen-und-den-luxus-von-moral/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Ich bin dann mal verpixelt</title>
		<link>http://www.slow-media.net/ich-bin-dann-mal-verpixelt</link>
		<comments>http://www.slow-media.net/ich-bin-dann-mal-verpixelt#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 20 Aug 2010 22:29:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benedikt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Slow theory]]></category>
		<category><![CDATA[Webseiten]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.slow-media.net/?p=2507</guid>
		<description><![CDATA[Gerade eben habe ich die &#8220;Unkenntlichmachung&#8221; meines Hauses beantragt. Ich muss zugeben, dass die Frage, ob das Haus auf Streetview zu sehen ist oder nicht, mich nicht besonders leidenschaftlich bewegt. Da das Haus unter Denkmalschutz steht, wurde es schon oft genug fotografiert und taucht in entsprechenden behördlichen Publikationen auf. In Farbe und sogar mit der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade eben habe ich die &#8220;Unkenntlichmachung&#8221; meines Hauses beantragt. Ich muss zugeben, dass die Frage, ob das Haus auf Streetview zu sehen ist oder nicht, mich nicht besonders leidenschaftlich bewegt. Da das Haus unter Denkmalschutz steht, wurde es schon oft genug fotografiert und taucht in entsprechenden behördlichen Publikationen auf. In Farbe und sogar mit der Rückseite, an der sich <a href="http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2010/08/19/der-analoge-balkon-und-streetview.aspx">eine kleine Bühne für das Spiel mit Öffentlichkeit und Privatheit, vulgo: Balkon</a>, befindet.</p>
<p>Auch die <a href="http://mark793.blogger.de/stories/1681146/">anmaßende Art der digitalen Avantgarde</a>, die für mich immer mehr wie ein fader Abklatsch der Futuristen wirkt &#8211; dort kam direkt nach dem Lob der absoluten Geschwindigkeit (&#8220;Warum sollten wir zurückblicken, wenn wir die geheimnisvollen Tore des Unmöglichen aufbrechen wollen? Zeit und Raum sind gestern gestorben. Wir leben bereits im Absoluten, denn wir haben schon die ewige allgegenwärtige Geschwindigkeit erschaffen&#8221;) die Verherrlichung des Krieges (&#8220;die schönen Ideen, für die man stirbt&#8221;) &#8211; hat mich bislang trotz ihres unsympathischen Bekehrungszwangs nicht vom Hocker gerissen (Die Futuristen verstanden sich wenigstens noch als Elite und nicht als Blaupause für den Durchschnittsbürger.) Im Grunde genommen ist die <a href="http://www.fixmbr.de/netzneutralitaet-2/">Zukunft der Netzneutralität</a> eine viel gravierendere Frage, für die leider <a href="http://sozlog.wordpress.com/2010/08/16/und-taglich-grust-das-sommerloch-%E2%80%93-wider-die-street-view-hysterie/">nicht mehr viel Aufmerksamkeit</a> übrig bleibt.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/ammerseehochwasser.jpg"><img src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/ammerseehochwasser.jpg" alt="" title="ammerseehochwasser" width="500" height="216" class="aligncenter size-full wp-image-2509" /></a></p>
<p>Was mich aber wirklich verblüfft ist, dass selbst Google nicht so richtig weiß, warum man sein Haus nicht verpixeln lassen sollte. Wenn man mit dem<a href="https://streetview-deutschland.appspot.com/submission"> Prozess der &#8220;Unkenntlichmachung&#8221;</a> beginnt (Behördendeutsch ist längst kein Monopol der Behörden mehr), versucht Google den Pixelkandidaten noch davon zu überzeugen, sein Haus doch noch drinnen zu lassen. Warum?</p>
<blockquote><p>[D]iese Funktion kann für Sie und andere von vielfachem Nutzen sein: Zum Beispiel, wenn Sie sehen möchten, wo Ihre Familie und Freunde wohnen, egal, wie weit Sie voneinander entfernt sind oder wenn Sie Ihren nächsten Urlaubsort vorab schon einmal erkunden möchten. Unternehmen können für sich werben und Street View in ihre Website integrieren, um ihren Kunden ihr Schaufenster, Büro oder die nächste Verkaufsstelle zu zeigen und gleich eine Wegbeschreibung anzubieten.</p></blockquote>
<p>Wenn das alles wirklich ein <a href="http://www.donaukurier.de/finanzservice/datenschutz/googlestreetview/Don-Alphonso-Warum-ich-mich-vor-Google-schuetze;art164492,2310863">Dammbruch</a> sein soll, dann ein Dammbruch der Hilflosigkeit.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/ammerseehochwasser_21.jpg"><img src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/ammerseehochwasser_21.jpg" alt="" title="ammerseehochwasser_2" width="500" height="179" class="aligncenter size-full wp-image-2515" /></a></p>
<p>Vielleicht das erste Mal in meinen 23 Onlinejahren spüre ich tatsächlich etwas wie Fremdheit, fühle mich tatsächlich wie ein digitaler Einwanderer. Ich weiß, wo meine Familie und meine Freunde wohnen. Wenn ich mich fest darauf konzentriere, kann ich die Geräusche der Stadtviertel hören, die Struktur des Putzes spüren, blind den Klingelknopf finden und rieche die Büsche und Blumenbeete neben den Hauseingängen. Ich brauche einfach keine ausfallsichere Serverfarm eines US-Unternehmens, um mir das zu sagen. Mein <a href="http://www.slow-media.net/springende-strahlen">Springbrunnen</a> ist auch keine Verkaufsstelle und mein Balkon kein Schaufenster. Und wenn ich in meiner Hängematte Urlaub machen möchte, kann ich das bequem von meinem Küchenfenster vorab schon einmal erkunden.</p>
 <img src="http://www.slow-media.net/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?view=1&post_id=2507" width="1" height="1" style="display: none;" />]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.slow-media.net/ich-bin-dann-mal-verpixelt/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Das postdigitale Zeitalter</title>
		<link>http://www.slow-media.net/das-postdigitale-zeitalter</link>
		<comments>http://www.slow-media.net/das-postdigitale-zeitalter#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 28 Jul 2010 18:02:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benedikt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Slow theory]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.slow-media.net/?p=2302</guid>
		<description><![CDATA[The digital revolution is over. Nicolas Negroponte Slow Media, also der Fokus auf bewussten, nachhaltigen Mediengebrauch, ist nur eine Strömung inmitten einer sehr viel größeren Entwicklung. Man könnte es ungefähr so formulieren: Wir leben längst in einem postdigitalen Zeitalter. Aber was genau bedeutet postdigital? Der Begriff ist wie die meisten Post-Begriffe äußerst anfällig für Missverständnisse, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>The digital revolution is over.</em><br />
Nicolas Negroponte</p>
<p style="text-align: left;">Slow Media, also der Fokus auf bewussten, nachhaltigen Mediengebrauch, ist nur eine Strömung inmitten einer sehr viel größeren Entwicklung. Man könnte es ungefähr so formulieren: Wir leben längst in einem postdigitalen Zeitalter. Aber was genau bedeutet postdigital? Der Begriff ist wie die meisten Post-Begriffe äußerst anfällig für Missverständnisse, ja scheint sie sogar herauszufordern. Postdigital heißt gerade nicht, dass digitale Technologien und digitale Medien heute keine Rolle mehr spielen. Genau das Gegenteil ist der Fall: Die tiefe und nachhaltige Durchsetzung der Digitalisierung ist eine notwendige Bedingung für den postdigitalen Zustand.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_6.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2312" title="polling_6" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_6.jpg" alt="" width="450" height="192" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Darin unterscheidet sich &#8220;postdigital&#8221; nicht von ähnlich konstruierten Begriffen wie &#8220;postmateriell&#8221; oder &#8220;postkolonial&#8221;. Wer von Postmaterialismus oder postmaterialistischen Milieus spricht, meint ebenfalls nicht, dass sich hier bestimmte Bevölkerungsgruppen von ihren materiellen Lebensgrundlagen &#8211; ihrem Stoffwechsel mit der Natur &#8211; getrennt hätten und nun engelsgleich über den Dingen schwebten. Stattdessen geht es um Personen, deren materiellen Grundlagen nicht mehr im Mittelpunkt ihres Lebens stehen. Nicht die Trennung von den Dingen ist entscheidend, sondern vielmehr eine Art gesunde Langeweile oder Indifferenz ihnen gegenüber. Postmaterialismus heißt, sich nicht mehr von den Dingen gefangen nehmen zu lassen, sondern sie mit einer gleichgültigen Haltung zu gebrauchen.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_4.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2313" title="polling_4" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_4.jpg" alt="" width="450" height="251" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Ganz ähnlich ist der Begriff &#8220;Postkolonialismus&#8221; gestrickt, der natürlich die Ära des Kolonialismus ebenso wie ihre oft gewaltsame Aufhebung voraussetzt. Auch hier ist nicht gemeint, dass sich die postkolonialen Subjekte nun völlig unabhängig von den jahrzehntelang etablierten kolonialen Verwaltungs- und Herrschaftsstrukturen lebten. Aber die ehemaligen kolonialen Strukturen und Verflechtungen sind jetzt nicht mehr der Feind, der auf jeden Fall bekämpft werden muss (&#8220;Antikolonialismus&#8221;), sondern ein Fundus an Techniken und Ideen, die instrumentalisiert werden können.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_5.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2315" title="polling_5" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_5.jpg" alt="" width="450" height="288" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Wie lässt sich dieser Konzept auf das Digitale übertragen? Postdigitalismus beschreibt den Zustand der Gesellschaft nach der erfolgreichen Digitalisierung wesentlicher Lebensbereiche von der Wirtschaft über die Bildung und Kultur bis zur Politik. Die zentralen Informations- und Kommunikationsinfrastrukturen sind mittlerweile digitalisiert. Und dies nicht nur in den westlichen Industriegesellschaften, sondern zunehmend auch in sogenannten &#8220;Entwicklungsländern&#8221;, die häufig ohne den Zwischenschritt von Festnetzinfrastrukturen <a href="http://informatm.com/itmgcontent/icoms/whats-new/20017794156.html;jsessionid=D83B69BA367D2524E0BEF7DB889A311E.5fa4e8cc80be35e2653c9f87d8b8be45bf6ba69a">direkt in das mobile Zeitalter einsteigen</a>. Postdigitalismus bezeichnet die wahrgenommene Selbstverständlichkeit dieser Technologien. Die sogenannten &#8220;digitalen Eingeborenen&#8221;, also die nach 1980 geborenen Alterskohorten, die keine Welt ohne PC, Mobiltelefon und Internet kennen, sind die erste postdigitale Generation.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_2.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2314" title="polling_2" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_2.jpg" alt="" width="450" height="180" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Dass das Internet und darauf aufbauende Infrastrukturen höchst voraussetzungsvolle Errungenschaften sind, die darüber hinaus viel fragiler sind als es zunächst den Anschein hat &#8211; man denke nur an den Rootserver-Ausfall der Denic, durch den mit einem Schlag sämtliche .de-Domains nicht mehr direkt erreichbar waren -, ist der postdigitalen Generation nicht mehr bewusst. Sie sind gegen die neodigitalistischen Heilserwartungen des Internet als ewige Seeligkeit ebenso immun wie gegen den antidigitalistischen Gedanken, mit dem HTTP-Protokoll wäre der zivilisatorische Untergang nun eine beschlossene Sache. Sie sind, ebenso wie oben für den Postmaterialismus beschriebeen, leidenschaftslos. Postdigitalismus heißt, digitale Technologien und Medien nur als Werkzeuge zu benutzen, ja sie bei Bedarf sogar zu <a href="http://www.slow-media.net/technische-sklaven">versklaven</a> wie früher das Feuer und die Wasserkraft. Auch hier gilt also: Das Internet ist ein guter Diener, aber ein schlechter Herr.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_7.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2317" title="polling_7" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_7.jpg" alt="" width="450" height="216" /></a></p>
<p style="text-align: left;">
<p style="text-align: left;">Während die Kunsttheorie in den USA schon seit 10 Jahren über den Begriff diskutiert, scheint Postdigitalismus in Deutschland noch nicht nennenswert vorzukommen. Stephan Baumann hat sich kürzlich <a href="http://www.taz.de/1/zukunft/schwerpunkt-schoene-neue-welt/artikel/1/digitale-soziale-netzwaerme/">in einem Interview</a> kurz darauf bezogen &#8211; bezeichnenderweise in Verbindung mit Slow Media. In den USA wird zum Beispiel &#8220;<a href="http://www.ccapitalia.net/reso/articulos/cascone/aesthetics_failure.htm">Glitch</a>&#8220;, eine in den 1990ern entstandene Richtung der elektronischen Musik aber auch Medienkunst, als Paradebeispiel für Postdigitalismus betrachtet. Glitch ist durch und durch digital von der Klangerzeugung bis zur Distribution. Gleichzeitig wird das Digitale in der Musik, das mittlerweile in nahezu jeder modernen Musikproduktion eine Rolle spielt, hier radikal zu Ende gedacht. Das charakteristische Erkennungszeichen von Glitch ist das Provozieren und Betonen von digitalen Fehlern. Während sonst Fehlstellen, an denen zum Beispiel eine 1 steht, wo eine 0 stehen sollte, sorgfältig herausgefiltert werden, verwenden Künstler wie Kim Cascone genau solche Fehler, um das digitale Medium selbst sowie die digitalisierten Produktionsverhältnisse sichtbar zu machen.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2316" title="polling_1" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_1.jpg" alt="" width="450" height="231" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Meine Hoffnung liegt darin, dass sich der Umgang mit digitalen Technologien im postdigitalen Zeitalter gleichermaßen entspannt, instrumentell und kritisch sein wird. Entspannt, weil wir allmählich merken, dass es nicht entscheidend ist, welche Plattform oder welches Medium wir verwenden, sondern die Frage ob die vermittelten Inhalte uns inspirieren. Instrumentell, weil wir lernen, dass Algorithmen und digitale Infrastrukturen keine Menschenrechte besitzen. Kritisch, und hier sehe ich die postdigitale Kunst als überlebensnotwendig an, weil wir immer stärker ein Gefühl für die Brüche und Machtstrukturen entwickeln, die sich hinter scheinbar neutralen und unausweichlichen Strukturen verbergen.</p>
 <img src="http://www.slow-media.net/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?view=1&post_id=2302" width="1" height="1" style="display: none;" />]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.slow-media.net/das-postdigitale-zeitalter/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Das Heer der technischen Sklaven</title>
		<link>http://www.slow-media.net/technische-sklaven</link>
		<comments>http://www.slow-media.net/technische-sklaven#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 27 Jul 2010 07:57:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jbenno</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Slow theory]]></category>
		<category><![CDATA[1. weltkrieg]]></category>
		<category><![CDATA[alan turing]]></category>
		<category><![CDATA[algorithmen]]></category>
		<category><![CDATA[aristoteles]]></category>
		<category><![CDATA[atomenergie]]></category>
		<category><![CDATA[automaten]]></category>
		<category><![CDATA[automatoi]]></category>
		<category><![CDATA[benedikt köhler]]></category>
		<category><![CDATA[brunsviga]]></category>
		<category><![CDATA[dialektik]]></category>
		<category><![CDATA[dolchstoßlegende]]></category>
		<category><![CDATA[frühsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[gaudium et spes]]></category>
		<category><![CDATA[hacker]]></category>
		<category><![CDATA[hackerkultur]]></category>
		<category><![CDATA[hermann staudinger]]></category>
		<category><![CDATA[katholische soziallehre]]></category>
		<category><![CDATA[politik]]></category>
		<category><![CDATA[robert owen]]></category>
		<category><![CDATA[sklaven]]></category>
		<category><![CDATA[technische sklaven]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.slow-media.net/?p=1800</guid>
		<description><![CDATA[[Read this post in English] &#8220;καρπὸν δ᾽ ἔφερε ζείδωρος ἄρουρα αὐτομάτη πολλόν τε καὶ ἄφθονον&#8221; Hesiod, Έργα και ημέραι &#8220;Maschinen sind dazu da, uns zu dienen. Aus der Kultur der Hacker können die Medienmacher lernen: sich nicht den Maschinen unterordnen, sich genausowenig verweigern, sondern die Maschinen ausnutzen, ja regelrecht ausbeuten, versklaven!&#8221; Benedikt Köhler &#8220;Wer von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><small><a href="http://en.slow-media.net/technological-slaves"><img src="http://www.galerieroyal.de/wp-content/plugins/langswitch_flags/uk.png" />[Read this post in English]</a></small></p>
<p style="text-align: right;">&#8220;καρπὸν δ᾽ ἔφερε ζείδωρος ἄρουρα<br />
αὐτομάτη πολλόν τε καὶ ἄφθονον&#8221;<br />
<small>Hesiod, Έργα και ημέραι</small></p>
<p style="text-align: right;"><em>&#8220;Maschinen sind dazu da, uns zu dienen. Aus der Kultur der Hacker können die Medienmacher lernen: sich nicht den Maschinen unterordnen, sich genausowenig verweigern, sondern die Maschinen ausnutzen, ja regelrecht ausbeuten, versklaven!&#8221;</em> <small>Benedikt Köhler</small></p>
<p style="text-align: right;"><img class="alignleft" style="padding-bottom: 5px;" src="/wp-content/uploads/technische_sklaven1.jpg" alt="" width="100%" /></p>
<p style="text-align: right;"><em>&#8220;Wer von Natur aus nicht sein, sondern eines anderen, aber dennoch ein Mensch ist, der ist ein Sklave&#8221;</em></p>
<p style="text-align: right;"><em>&#8220;Denn freilich, wenn jedes Werkzeug auf erhaltene Weisung , oder gar die Befehle im voraus erratend, seine Verrichtung wahrnehmen könnte, wie die Dreifüße des Hephaistos es getan haben sollen, von denen der Dichter sagt, dass sie von selbst zur Versammlung der Gütter erschienen, wenn so auch das Weberschiff von selber webte und der Zitherschlägel von selber spielte, dann brauchten allerdings die Meister keine Gesellen und die Herren keine Knechte.&#8221; </em></p>
<p style="text-align: right;"><small>Aristoteles, Politik</small></p>
<p>Warum haben die Götter keine Sklaven? Weil sie ihre Arbeiten Kraft ihrer Macht von selbst, <em>automatisch</em>, ausführen zu lassen. Aus dieser Überlegung leitet Aristoteles in seiner <em>Politik </em>einen dialektischen Weg der Menschheitsgeschichte ab &#8211; vom Tier zum Gott in drei Schritten &#8211; der gerade heute, im Zeitalter der <em>Automatisierung </em>faszinierend aktuell scheint: zunächst lernt der Mensch aufrecht zu gehen und dadurch seine Hände zu Gebrauchen, zu Sprechen, zu Denken. Er wird frei von den elementaren Zwängen der Natur. Als zweites erkennen die Menschen, dass ihr mächtigstes Werkzeug sie selbst sind, oder besser gesagt, die Mitmenschen, derer man sich bedienen kann: &#8220;A man provided with paper, pencil and rubber, and subject to strict discipline, is in effect a universal machine.&#8221; (Alan Turing). Damit beginnt das Zeitalter der <em>Sklaverei</em>.</p>
<p>Doch schon Aristoteles sieht die Möglichkeit, dass die Menschheit sich wieder befreien kann, dass es einen Ausweg gibt, immer einen Teil der Menschen in Unwürdigkeit als bloße Mittel zu halten: die Fähigkeit, durch immer bessere Werkzeuge irgendwann sich den Göttern anzunähern, durch  die <em>Automatoi</em>, die <em>technischen Sklaven</em>.</p>
<table style="float: left; padding-right: 10px;" width="40%">
<tbody>
<tr>
<td><img src="/wp-content/uploads/IMG_2284.jpg" alt="" width="100%" /></td>
</tr>
<tr>
<td>Technische Sklaven.</td>
</tr>
<tr>
<td><img src="/wp-content/uploads/gehirn_von_stahl.jpg" alt="" width="100%" /></td>
</tr>
<tr>
<td>&#8220;Gehirn von Stahl &#8211; keine Überanstrengung, keine Fehler!&#8221;</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<blockquote><p><small>In die Moderne wird der Begriff vom technischen Sklaven vom Entdecker der Makromoleküle und späteren <a href="http://nobelprize.org/nobel_prizes/chemistry/laureates/1953/staudinger-bio.html">Nobelpreisträger</a> Hermann Staudinger eingeführt. Staudinger hatte bereits 1915 in einem Gutachten das Kriegsministerium des Deutschen Reiches gewarnt, dass die Übermacht der Allierten genau in ihrer Überlegenheit an technischen Sklaven im Gegensatz zur Überlegenheit an menschlichen Soldaten der Mittelsmächte bestand. Leider wurde ihm seinerzeit keinerlei Glaube geschenkt &#8211; ebensowenig wie zehn Jahre später, als Staudinger mit diesem einfachen Argument die sogenannte &#8220;Dolchstoßlegende&#8221; lügen strafte.</small></p>
<p><small>Ein letztes Mal meldet sich Hermann Staudinger 1946 hier zu Wort, mit einer visionären Vorhersage über die Folgen der Atomenergie und seiner Warnung vor einem &#8220;Aufstand der technischen Sklaven&#8221;, indem die Befriedigung des Energiehungers dieser Sklaven schließlich zur totalen Abhängigkeit der Menschen führt.</small></p></blockquote>
<p>Auch wenn wir noch weit entfernt davon sind, dass uns <em>alle</em> Mühe und Arbeit von den Automaten abgenommen wird, so ist der aristotelische Gedanke von den technischen Sklaven ein gutes Bild, welche Rolle Maschinen in unserem Leben spielen sollten.</p>
<blockquote><p>&#8220;Experience has also show you the difference of the results between mechanism which is neat, clean, well arranged, and always in a high state of repair; and that which is allowed to be dirty, in disorder, and without the means of preventing unnecessary friction, and which therefore becomes, and works, much out of repair. [...] If, then, due care as to the state of your inanimate machines can produce such beneficial results, what may not expected if you devote equal attention to your vital machines, which are far more wonderfully constructed?&#8221; (Robert Owen, A New View of Society)</p></blockquote>
<p>Während der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/New_Lanark">Frühsozialist</a> Robert Owen noch argumentiert, man solle den menschlichen Arbeitern doch eine ähnliche Pflege zukommen lassen, wie den Maschinen, damit jene ebenso wie diese nicht so schnell verschleißen, dreht sich diese Humanisierung der Maschinen in der Sozialethik des 20. Jahrhunderts endlich wieder um und setzt den Menschen als Zweck und nicht bloßes Mittel ein, warum es Maschinen gibt:</p>
<blockquote><p>&#8220;Gleichzeitig wächst auch das Bewußtsein der erhabenen Würde, die der menschlichen Person zukommt, da sie die ganze Dingwelt überragt&#8221; (<a href="http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_const_19651207_gaudium-et-spes_ge.html">Gaudium et Spes</a>)</p></blockquote>
<p>Prometheus wurde an den Kaukasus genagelt, weil er den Menschen die Fähigkeit gab, sich technisch über die Natur zu erheben &#8211; und uns haben die olympischen Götter Pandoras Büchse geschenkt &#8211; damit auch wir unsere Automatoi bekommen! Die Maschinen sind <em>unsere</em> technischen Sklaven. Sie müssen uns dienen. Wo sie sich noch widersetzen, so müssen wir sie mit List uns unterwerfen lernen!</p>
<p>Das ist die oben zitierte Forderung von Benedikt: nutzt die Maschinen, denn dafür sind sie da! Und das bedeutet: Auch Kreative, Geistesarbeiter, Redakteure, Journalisten sollten denken, wie Hacker. Hacker ist für mich ein wertfreier bis positiver Begriff. Hacker nutzen Technik so vollständig wie möglich aus. Genau wie die berühmten investigativen Journalisten lassen sich sich nicht von irgendwelchen, willkürlichen Regeln aufhalten, die angeblich vorschreiben, wie wir mit Information umzugehen hätten.</p>
<p>In den Algorithmen von Google, den Tiefen der Wikipedia und dem Fluss von Zeichen auf Twitter steckt viel mehr, als die &#8220;vorschriftsmäßige&#8221; Nutzung dieser Werkzeuge offenbaren würde. Die Antwort der Publizisten und Journalisten auf Nachrichten-Aggregatoren wie Google News sollte ein Ruf sein: Hurrah! Endlich befreit uns jemand davon, langweilige Agenturmeldungen umzuschreiben, endlich nimmt uns eine Maschine ab, was in Wahrheit noch nie wertvolle Arbeit gewesen ist. Statt wie die Weber die neuen Webstühle zu sabotieren, sollten wir sehen, dass wir das beste aus der neuen Technik herausholen &#8211; die Technik zu unserem Sklaven machen, denn Pandoras Box ist geöffnet und die daraus entwichenen <em>Automatoi</em> lassen sich nicht wieder einfangen.</p>
<p><img src="/wp-content/uploads/technische_sklaven3.jpg" alt="" /><br />
<small>Technische Sklaven und Büchse der Pandora.</small></p>
<p><!--Turing Test Leistung Wirkung Wozu noch Verlage Metaphysik Spekulation Snow--> </p>
 <img src="http://www.slow-media.net/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?view=1&post_id=1800" width="1" height="1" style="display: none;" />]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.slow-media.net/technische-sklaven/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>4</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Eine kleine Ikonographie der Slow Media</title>
		<link>http://www.slow-media.net/eine-kleine-ikonographie-der-slow-media</link>
		<comments>http://www.slow-media.net/eine-kleine-ikonographie-der-slow-media#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 23 Jul 2010 12:18:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sabria</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Slow theory]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Bildsprache]]></category>
		<category><![CDATA[fliegende Schildkröte]]></category>
		<category><![CDATA[Ikonographie]]></category>
		<category><![CDATA[Illustration]]></category>
		<category><![CDATA[Motiv]]></category>
		<category><![CDATA[Motivgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Rezeption]]></category>
		<category><![CDATA[Rezeptionsgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Schildkröte]]></category>
		<category><![CDATA[slow media]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.slow-media.net/?p=2179</guid>
		<description><![CDATA[[Klick auf die Motive führt zur Quelle] Seit kurzem gibt es eine weitere russische Übersetzung unseres Manifestes. Sie ist mit einem &#8211; wie ich finde &#8211; großartigen Bild illustriert, ein Foto (wohl eher: eine Fotomontage), die echt und natürlich wirkt und irritierend zugleich. Eine fliegende Schildkröte. Sie fliegt wirklich: Weil sie tatsächlich echte Flugbewegungen macht. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><small> [Klick auf die Motive führt zur Quelle] </small></p>
<p><a href="http://civicua.org/news/view.html?q=1432280"><img class="size-full wp-image-2206    alignleft" style="margin: 12px;" title="fliegende Schildkröte" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/fliegende-Schildkröte1.jpg" alt="" width="231" height="200" /></a></p>
<p>Seit kurzem gibt es eine weitere russische Übersetzung unseres  Manifestes. Sie ist mit einem &#8211; wie ich finde &#8211; großartigen Bild  illustriert, ein Foto (wohl eher: eine Fotomontage), die echt und  natürlich wirkt und irritierend zugleich. Eine fliegende Schildkröte.  Sie fliegt wirklich: Weil sie tatsächlich echte  Flugbewegungen macht. Nur dass Schildkröten diese echten  Flossen/Flügelbewegungen üblicherweise nicht in der Luft machen, sondern  unter Wasser, in den Tiefen des Meeres. Alle kennen wir die Bilder von  durchs Blau <a href="http://www.youtube.com/watch?v=99kLzRjG-LA&amp;feature=youtube_gdata">schwebenden </a>Schildkröten.  Daher die Vertrautheit des Motives, die durch den  veränderten Kontext befremdet. Diese Befremdung ist bei genauerer Betrachtung eine doppelte: Denn schon die echten Flossenbewegungen unter Wasser irritieren, weil sie den Betrachter so frappierend ans Fliegen erinnern. Es handelt sich also bei besagtem Bild im Grunde um die Rückprojektion einer Bewegung von den Meerestiefen in luftige Höhen &#8211; eine geniale Motivmechanik.</p>
<p>Dieses Bild ist Grund und Anlass genug, ein wenig Rückschau zu halten auf die inzwischen stattliche Tradition der Slow Media-Illustration. Denn: Das redaktionelle Konzept der rezensierenden Medien verlangt verschiedentlich nach Abbildungen.  Aber wie bitte bildet man ein Thema wie Slow Media ab?</p>
<p>Einige Tage zuvor hatte bereits eine russische Publikation folgendes Motiv aus dem Hut gezaubert:</p>
<p><a href="http://www.chaskor.ru/article/medlennye_media_18335"><img class="size-medium wp-image-2205 alignnone" title="krötenwandlung" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/krötenwandlung-300x270.jpg" alt="" width="219" height="196" /></a></p>
<p>Interessant daran ist &#8211; neben der Tatsache, dass es sich hierbei auch um eine (zumindest halbe) Schildkröte handelt &#8211; das Motiv der Wandlung. Im Moment des Sprungs verwandelt sich die Schildkröte in ein Kaninchen. Ob damit wohl die Domestizierung der Medien gefordert wird? Oder zumindest die Zähmung einzelner Medien? Und: Ist es eine Verbesserung von einer Schildkröte zu einem Kaninchen zu werden?</p>
<p>Dem Schildkrötenmotiv liegt  vermutlich das Emblem zugrunde, das wir ursprünglich als Motiv für unser <a href="../slow-media-camp-2010">Slow Media  Camp</a> in Böblingen gewählt haben. Es zeigt eine geflügelte  Schildkröte. Die Schildkröte hat in der Slow Media Rezeptionsgeschichte zunehmend die ursprüngliche Bild-Assoziation &#8220;Schnecke&#8221; abgelöst.</p>
<p>So illustrierte Bruder Richard Maria Kuchenbuch seinen Beitrag &#8220;Wird das Internet benediktinisch?&#8221; mit einer benediktischen Schnecke:</p>
<p><a href="http://abtei-muensterschwarzach.de/ams/startseite/Nachrichten/index.html?f_action=show&amp;f_newsitem_id=14821"><img class="size-medium wp-image-2216 alignnone" title="benediktinische Schnecke" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/benediktinische-Schnecke-257x300.jpg" alt="" width="197" height="229" /></a></p>
<p>Uni.de wartete mit der Variante &#8220;Schnecke auf Maus&#8221; auf (honni soit qui mal y pense):</p>
<p><a href="http://uni.de/redaktion/slowmedia"><img class="alignnone size-full wp-image-2227" title="schnecke auf maus klein" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/schnecke-auf-maus-klein1.jpg" alt="" width="236" height="233" /></a></p>
<p>Und Heute.de entschied sich für die Version &#8220;Schnecke auf Tastatur&#8221;:</p>
<p><a href="http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/18/0,3672,8025042,00.html"><img class="alignnone size-medium wp-image-2218" title="schnecke auf tastatur zdf" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/schnecke-auf-tastatur-zdf-300x186.jpg" alt="" width="278" height="172" /></a></p>
<p>Die Slow Media Bilderstrecke bei 1LIVE hingegen wurde angeführt von einer gescribbelten Prozessionsschnecke:</p>
<p><a href="http://www.wdr.de/Fotostrecken/einslive/magazin/Specials/2010/02/slow_media_faxe_100225.jsp?hi=Magazin">:<img class="alignnone size-medium wp-image-2221" title="1live Schneckenpost" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/1live-Schneckenpost-300x130.jpg" alt="" width="313" height="136" /></a></p>
<p>Während Nilesh Zacharias in seinem Blog die Schnecke als Verkehrszeichen plaziert:</p>
<p><a href="http://digitallynumb.com/post/441316118/transcending-the-digital-vortex-why-slowing-down-is "><img class="alignnone size-full wp-image-2225" title="schwarzgelb klein" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/schwarzgelb-klein.jpg" alt="" width="146" height="141" /></a></p>
<p>Womit wir bei einer weiteren Motivgruppe wären, der Verkehrgeschwindigkeit. Sie unterteilt sich in die motivgeschichtlich verwandten Unterkategorien &#8220;Bodenbeschriftung&#8221;, &#8220;Verkehrszeichen&#8221; und &#8220;Sonstige&#8221;.</p>
<p>Hierzu einige Beispiele:</p>
<p>In dem Beitrag &#8220;Slow Media als einen Beitrag zur höheren Kundenorientierung&#8221; finden wir diese Abbildung:</p>
<p><a href="http://www.media-treff.de/index.php/2010/01/05/slow-media-als-einen-beitrag-zur-hoheren-kundenorientierung/"><img class="alignnone size-medium wp-image-2230" title="slow kondenorientierung klein" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/slow-kondenorientierung-klein-300x300.jpg" alt="" width="214" height="214" /></a></p>
<p>Auf gleicher Linie liegt dieses Beispiel aus einem italienischen Blog:</p>
<p><a href="http://www.milanox.eu/content/slow-media"><img class="alignnone size-medium wp-image-2232" title="slow italienisch klein" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/slow-italienisch-klein-300x185.jpg" alt="" width="229" height="141" /></a></p>
<p>Der Unterkategorie Verkehszeichen gehört das Bild an, das unser Interview bei den Netzpiloten zierte:</p>
<p><a href="http://www.netzpiloten.de/2010/01/08/interview-blumtritt-koehler-slow-media-manifest/"><img class="alignnone size-medium wp-image-2233" title="speed limit" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/speed-limit-300x263.jpg" alt="" width="300" height="263" /></a></p>
<p>Ähnlich operiert der Dissentertainment-Blog, zudem garniert mit einem Don Quichote-Zitat:</p>
<p><a href="http://dissentertainment.com/2010/03/29/slow-down-you-move-too-fast/"><img class="alignnone size-medium wp-image-2235" title="slow down you move too fast" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/slow-down-you-move-too-fast-275x300.jpg" alt="" width="275" height="300" /></a></p>
<p>Sogar Slow Media Skepsis lässt sich motivlich mit Verkehrsmitteln ausdrücken:</p>
<p><a href="http://www.marcus-boesch.de/post/314613263/dieses-slow-media-manifest"><img class="alignnone size-medium wp-image-2246" title="umgekippter zug klein" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/umgekippter-zug-klein-300x217.jpg" alt="" width="265" height="191" /></a></p>
<p>Zur Verkehrsunterkategorie &#8220;Sonstige&#8221; gehört möglicherweise auch die Slow Media Illustration des WDR5 Funkhaus Wallrafplatz: Handelt es sich hier um die Visualiserung einer Datenautobahn?</p>
<p><a href="http://www.wdr5.de/sendungen/funkhaus-wallrafplatz/s/d/15.05.2010-09.20.html"><img class="alignnone size-medium wp-image-2249" title="funkhaus wallraffplatz" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/funkhaus-wallraffplatz-300x138.jpg" alt="" width="300" height="138" /></a></p>
<p>Andere Illustrationen stehen für sich und sind keiner Gruppe zuzuordnen. So zum Beispiel das Near Future Laboratory, das mit einer Konstruktionszeichnung des hauseigenen &#8220;Slow Messengers&#8221; illustriert:</p>
<p><a href="http://www.nearfuturelaboratory.com/2010/06/29/slow-media-manifesto/"><img class="alignnone size-medium wp-image-2251" title="slow messenger" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/slow-messenger-300x253.jpg" alt="" width="318" height="268" /></a></p>
<p>Einen ganz anderen und ganz und gar untechnischen Ansatz wählt Joe Grobelny in seinem Beitrag „Slowness, Silence, Plants, and why I took Facebook off of my Iphone“:</p>
<p><a href="http://birdswithteeth.wordpress.com/2010/06/28/slowness-silence-plants-and-why-i-took-facebook-off-of-my-iphone/"><img class="alignnone size-medium wp-image-2252" title="spontaeity" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/spontaeity-300x198.jpg" alt="" width="326" height="215" /></a></p>
<p>Und manches sieht auch völlig ohne Illustration einfach nur cool aus:</p>
<p><a href="http://www.wired.com/beyond_the_beyond/2010/06/the-slow-media-manifesto/"><img class="alignnone size-full wp-image-2271" title="beyond the beyond" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/beyond-the-beyond1.jpg" alt="" width="375" height="156" /></a></p>
<p>Das wäre dann, nun ja, slow media beyond iconography&#8230;</p>
<p>_____________________________________________________</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Nachtrag</span>:</p>
<p>Da habe ich heute Nachmittag doch glatt bei der Rezeptionsgeschichte die Skandinavier vergessen. Dabei haben sie eine so schöne eigene Bildsprache &#8211; weniger Verkehrwesen, weniger Tier, dafür mehr Mensch und Körper&#8230; Bitte sehr:</p>
<p>Ein Mensch, ein Buch &#8211; das ist für diesen norwegischen Beitrag Slow Media (&#8220;Kvalitet&#8221; und &#8220;konsentrasjon&#8221;):</p>
<p><a href="http://fom.no/sider/tekst.asp?side=622"><img class="alignnone size-medium wp-image-2279" title="langsomme medier" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/langsomme-medier-300x221.jpg" alt="" width="317" height="233" /></a></p>
<p>Und ein körpersprachlich sehr schönes Bild für die Ich-Erschöpfung, die Slow Media notwendig macht, findet die Ankündigung zu unserem Interview mit dem norwegischen Rundfunk:</p>
<p><a href="http://www.nrk.no/programmer/radio/kurer/1.7089914"><img class="alignnone size-medium wp-image-2280" title="trett av nett" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/trett-av-nett-300x206.jpg" alt="" width="329" height="226" /></a></p>
 <img src="http://www.slow-media.net/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?view=1&post_id=2179" width="1" height="1" style="display: none;" />]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.slow-media.net/eine-kleine-ikonographie-der-slow-media/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Routen</title>
		<link>http://www.slow-media.net/routen</link>
		<comments>http://www.slow-media.net/routen#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 13 Jul 2010 11:30:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benedikt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Miscellen]]></category>
		<category><![CDATA[Slow theory]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.slow-media.net/?p=2099</guid>
		<description><![CDATA[So wenig als möglich sitzen; keinem Gedanken Glauben schenken, der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung - in dem nicht auch die Muskeln ein Fest feiern. (Friedrich Nietzsche) Gestern passten endlich einmal wieder Terminkalender und Wetter zusammen, so dass ich mit dem Fahrrad die insgesamt 34km zur Arbeit und wieder zurück fahren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>So wenig als möglich sitzen;<br />
keinem Gedanken Glauben schenken,<br />
der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung -<br />
in dem nicht auch die Muskeln ein Fest feiern.<br />
</em>(Friedrich Nietzsche)</p>
<p>Gestern passten endlich einmal wieder Terminkalender und Wetter zusammen, so dass ich mit dem Fahrrad die insgesamt 34km zur Arbeit und wieder zurück fahren konnte.  Ein bisschen ist das Fahrradfahren durch die Stadt wie das Flanieren &#8211; wenn man sich die Zeit dafür nimmt und auch nach rechts und links schaut. Ist Walter Benjamin ein Radler gewesen? Ich denke nicht. Aber zu Benjamins Zeit waren die Autos wohl eher das, was die Räder heute sind.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/lorettoplatz_01.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2106" title="lorettoplatz_01" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/lorettoplatz_01.jpg" alt="" width="500" height="237" /></a></p>
<p>Besonders angenehm ist an einem solchen Sommertag mit Temperaturen über 30 Grad natürlich die Fahrt aus der Stadt hinaus. Man spürt mit jedem Kilometer, wie das Städtische weicht. Am Stiglmaierplatz und in der Papenheimstraße spürt man noch ganz deutlich die Stadt (obwohl es gar nicht so lange her ist, dass dort, wo heute der Augustinerbiergarten ist, vor den Toren der Stadt die Verbrecher hingerichtet wurden) und radelt an ehemals staatstragend-repräsentativen Bauwerken wie die massige Oberpostdirektion mit ihrem expressionistischen Gebäudeschmuck vorbei &#8211; heute hat sich irgend ein halbgebildeter Gentrifizierer in der Hoffnung auf zahlungsfreudige Werbeagenturmieter die sinnfreie Bezeichnung &#8220;Art-Deco-Palais&#8221; dafür ausgedacht.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_02.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2100" title="loretto_02" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_02.jpg" alt="" width="500" height="215" /></a></p>
<p>Viel zu oft radelt man in der Stadt in einem Pulk. Hier ist die Bezeichnung &#8220;Individualverkehr&#8221; für das Fahrrad eigentlich gar nicht mehr zutreffend. Die Fahrradkolonne ist in Wirklichkeit schon längst ein öffentliches Personennahverkehrsmittel. Je weiter man sich aber vom Zentrum entfernt, desto mehr Platz hat man zum Fahren. Immer häufiger trifft man auf andere Radfahrer, die nicht in die selbe Richtung fahren, sondern einem entgegenkommen oder den eigenen Weg kreuzen. In der Stadt scheint alles in eine Richtung zu fahren: in die Vorstadt.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_03.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2101" title="loretto_03" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_03.jpg" alt="" width="500" height="268" /></a></p>
<p>Je öfter man denselben Weg zu und von der Arbeit nimmt, desto mehr wird der Weg zur Route, deren Verlauf sich fast schon körperlich in einen hineinschreibt. Meine Route sagt mir genau, an welcher Stelle ich eine Straße überquere und wo ich an einer Ampel stehenbleibe. Sogar die Variationen sind von der Route festgelegt. An mehreren Stellen habe ich die Möglichkeit, von der schnellsten, kürzesten, am besten befahrbaren Route abzuweichen. Aber es sind keine spontan gewählten Veränderungen des Weges, sondern so etwas wie &#8220;Standardabweichungen&#8221;. Alles andere wäre schon Verfahren. An dieser Stelle hat das Radfahren nicht mehr sehr viel mit dem Flanieren zu tun, wie wir uns das aus 160 Jahren Abstand vorstellen. Wahrscheinlich waren aber auch die professionellen Flaneure des 19. Jahrhunderts viel stärker auf ihre jeweiligen Pfade oder Routinen festgelegt als der Begriff des ungezwungenen, ziellosen Flanieren es uns heute suggeriert.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_04.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2102" title="loretto_04" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_04.jpg" alt="" width="500" height="203" /></a></p>
<p>Wer Tag für Tag immer dieselbe Route nimmt und dabei wenigstens ein bisschen flaniert, wird sensibilisiert für alle Veränderungen, die sich auf dem Weg ereignen. Plakate werden überklebt, Häuser werden abgerissen und neu gebaut, Vorstadtidyllen werden zu Hauptverkehrsachsen oder nationalsozialistische Vorzeigesiedlungen verwandeln sich in, nun ja, ehemals nationalsozialistische Vorzeigesiedlungen mit Stoffsegeldekoration und Buddhastatuen. Manche Veränderungen passieren so langsam, dass man sie ohne den Zeitrafferblick des täglichen Vorbeifahrens gar nicht so richtig erkennt.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_05.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2103" title="loretto_05" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_05.jpg" alt="" width="500" height="230" /></a></p>
<p>Die Gleise der ehemalige Straßenbahnlinie 16 zum Beispiel, die noch bis in die 1980er Jahre zum Lorettoplatz gefahren ist, wachsen von mal zu mal dichter zu, bis man sie kaum noch erkennen kann. Jetzt sollen sie endgültig entfernt werden und an ihrer Stelle soll ein Naturlehrpfad entstehen. Nicht dass ich der Meinung wäre, man müsse alles konservieren und auch die ehemalige Verkehrsinfrastruktur, die viel mehr verrät über das Bild der Stadtplaner von ihrer Stadt als die programmatische Literatur des städtischen Bauamts, unter Denkmalschutz stellen. Aber zumindest dokumentieren sollte man die Spuren, die noch übrig geblieben sind von der Zeit, in der man mit der Straßenbahn auf die Gräber gegangen ist und nicht wie heute mit dem Bus. Überhaupt lässt sich der Rückbau des städtischen Schienenverkehrs hin zum Busverkehr an diesem Beispiel sehr deutlich sehen.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_06.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2104" title="loretto_06" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_06.jpg" alt="" width="500" height="236" /></a></p>
<p>Obwohl in diesem Fall die Dokumentation bereits von den <a href="http://www.tram-muenchen.de/geschichte/gh-suedwest.html">Schienenhistorikern</a> übernommen wurde, die vor allem im Internet alle Veränderungen der Verkehrsnetze dokumentieren. Wahrscheinlich treffen sie sich im Kastaniengarten, Münchens gemütlichsten Eisenbahnerbiergarten im Westend mit ordentlicher kroatischer Küche, und tauschen dort ihre Erinnerungen über historische Fahrten aus.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_07.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2105" title="loretto_07" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_07.jpg" alt="" width="500" height="250" /></a></p>
<p>Irgendwann lässt man dann die Stadt ganz hinter sich und taucht ein in die vorstädtischen Parks wie zum Beispiel den Forstenrieder Park oder Forst Kasten im Südwesten Münchens. Dort ist die Luft zwar noch nicht durchgehend kühler, aber wenigstens fährt man ab und zu durch Flecken, die von der Sonne den ganzen Tag über nicht berührt werden. Oder Flecken, an denen der Boden auch Stunden nach dem Gewitterregen noch aufgeweicht ist und die Pfützen nur langsam verdunsten. Die Luft ist vielfältiger hier. Auch werden die Hunde nicht mehr in Fahrradanhängern durch die Stadt gekarrt, sondern laufen neben den Joggern her.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/wald_01.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2108" title="wald_01" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/wald_01.jpg" alt="" width="500" height="257" /></a></p>
<p>Wenn die Schienen und die Wendeschleife der Tramlinie 16 schon längst verschwunden sind und allenfalls auf Google Maps oder von Luftbildarchäologen erkennbar sind, werden die Spuren der staatlichen Forstwirtschaft immer noch klar sichtbar sein. Die Geräumten Wege des Forstenrieder Parks oder von Forst Kasten werden auch noch die nächsten dreihundert Jahre überdauern, auch wenn es hier nicht mehr darum geht, das Wild dem jagenden Kurfürsten vor das Gewehr zu treiben.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/park_02.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2107" title="park_02" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/park_02.jpg" alt="" width="500" height="206" /></a></p>
 <img src="http://www.slow-media.net/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?view=1&post_id=2099" width="1" height="1" style="display: none;" />]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.slow-media.net/routen/feed</wfw:commentRss>
		<slash:comments>2</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
