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	<title>slow media &#187; Zeitungen</title>
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	<description>Das Blog über Slow Media - &#60;a href=&#34;http://slow-media.net/manifest&#34;&#62;Was sind Slow Media?&#60;/a&#62;</description>
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		<title>Ein Lob auf das Sommerloch!</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Jul 2010 11:54:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jbenno</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Hier saß ich, wartend, – doch auf Nichts,/ Jenseits von Gut und Böse, bald des Lichts/ Genießend, bald des Schattens, ganz nur Spiel,/ Ganz See, ganz Mittag, ganz Zeit ohne Ziel.“ So zitiert der Rheinische Merkur Nietzsches Fröhliche Wissenschaft für ihr Lob des Sommerlochs. Saure Gurken ZeitAuch hier lohnt sich &#8211; wie so oft &#8211; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>„Hier saß ich, wartend, – doch auf Nichts,/ Jenseits von Gut und Böse, bald des Lichts/ Genießend, bald des Schattens, ganz nur Spiel,/ Ganz See, ganz Mittag, ganz Zeit ohne Ziel.“</em><br />
So zitiert der Rheinische Merkur Nietzsches Fröhliche Wissenschaft für ihr Lob des Sommerlochs.</p>
<table style="float: left; padding-right:10px;" width="40%">
<tbody>
<tr>
<td><img src="/wp-content/uploads/gurken.jpg" alt="" width="100%" /></td>
</tr>
<tr>
<td><strong>Saure Gurken Zeit</strong><br/>Auch hier lohnt sich &#8211; wie so oft &#8211; der Blick in die Wikipedia: &#8220;Die ungarische Sprache kennt diesen Begriff ebenfalls als uborkaszezon (Gurkensaison).&#8221;<br/>&nbsp;<br/>Nicht zu vergessen sind auch die <strong>Hundstage</strong>, benannt nach dem Stern Sirius im Sternbild Großer Hund, das man genau in den heißesten Tagen im August am Himmel in unseren Breiten beobachten kann. Und in Russland heißen dann auch die Sommerferien каникулы.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table>
<p><a href="http://maps.google.com/maps?f=q&amp;source=s_q&amp;hl=en&amp;geocode=&amp;q=Sommerloch,+Germany&amp;sll=37.0625,-95.677068&amp;sspn=37.819897,79.013672&amp;ie=UTF8&amp;hq=&amp;hnear=Sommerloch,+Bad+Kreuznach,+Rhineland-Palatinate,+Germany&amp;ll=49.875251,7.749481&amp;spn=0.015045,0.054932&amp;t=h&amp;z=15">Sommerloch</a> liegt im Kreis Bad Kreuznach. Im Rheinland gibt es einige &#8220;Löcher&#8221; &#8211; oft düstere Gedanken weckend: <a href="http://www.schlosssoergenloch.de/">Sörgenloch</a> etwa.</p>
<p>Wie uns Wikipedia <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sommerloch_(bei_Bad_Kreuznach)">belehrt</a>, bezeichnet das Loch im Rheinland eine feuchte Mulde &#8211; anders als in Süddeutschland, wo Flurnamen mit Loch meist auf eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lochham">Lohe</a>, einen Wald hinweisen, also auf eine Gründung zur Rodungszeit im Hochmittelalter.</p>
<p>Seinem Namen als Medienphänomen alle Ehre machend, sieht man das <a href="http://portal.gmx.net/sidbabhdgc.1279284130.4043.zmde3oixyk.75.edg/de/themen/nachrichten/panorama/6390760-Was-passiert-wenn-nichts-passiert.html">Ortsschild von Sommerloch</a> oft in bemüht lustig gemeinten Metonymien, wenn Journalisten in ungewohnt selbstkritischer Weise berichten wollen, dass es im Augenblick nichts zu berichten gibt.</p>
<p>Das Sommerloch entsteht, weil die Parlamente, die meisten Wirtschaftsfunktionäre und auch die Bundesliga Urlaub nehmen. Und weil man in der Presse dann auch nichts mehr zu sagen hatte, entwickelte sich die Tradition, absurde Boulevard-Themen in aufgeregter Weise wichtig zu schreiben.</p>
<p>&#8220;Solange die Minister [in ihrer Sommerlektüre] lesen, können sie nicht in Mikrofone reden.&#8221; schreibt der <a href="http://www.merkur.de/2010_27_Liegen_lernen.43383.0.html">Rheinische Merkur in seinem schönen Lob</a> des Sommerlochs und denkt weiter, wie erholsam es ist, wenn wenigstens in den vier bis sechs Wochen der Feragosto den Mandats- und Leistungsträgern unserer Gesellschaft der Satz erlaubt wird: „Ich weiß es nicht, ich muss über dieses komplizierte Problem erst noch einmal nachdenken!“</p>
<p>&#8220;Liegen lernen&#8221;. Ein wehmütiger Wunsch nach Verlangsamung, auch nach einem Publikum, dass akzeptiert, wenn Menschen nichts zu sagen haben:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wahrscheinlich bleibt die Sehnsucht nach Nachdenklichkeit ungestillt, wie in den Jahren zuvor. Die Sommerinterviews samt Erwiderungsritual von „Morgenmagazin“ bis „Nachtjournal“ sind sind so sicher wie Elsas Dahinscheiden im Kielwasser des Schwans. Doch Reisende geben nicht auf.<br />
Rheinischen Merkur, zu erkennen, wie stark in Wahrheit das Publikum selbst.&#8221;</p></blockquote>
<p><!--Routen Verlage--> </p>
 <img src="http://www.slow-media.net/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?view=1&post_id=1999" width="1" height="1" style="display: none;" />]]></content:encoded>
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		<title>Leistung oder Wirkung?</title>
		<link>http://www.slow-media.net/leistung-oder-wirkung</link>
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		<pubDate>Sat, 03 Jul 2010 10:52:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jbenno</dc:creator>
				<category><![CDATA[Naturwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Slow theory]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[[Read this post in English] Remember that time is money. Benjamin Franklin, Advice to a Young Tradesman Als Benjamin Franklin mit dem Blitzableiter erst &#8220;dem Himmel den Blitz&#8221; und in der amerikanischen Revolution auch noch &#8220;den Tyrannen das Szepter&#8221; entrissen hatte, konnte kaumnoch irgenjemand an den Worten dieses titanenhaften Helden der Aufklärung zweifeln. Dessen berühmtestes [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><small><a href="http://en.slow-media.net/power-or-action"><img src="http://www.galerieroyal.de/wp-content/plugins/langswitch_flags/uk.png" />[Read this post in English]</a></small></p>
<p style="text-align: right;"><em>Remember that time is money.</em><br />
<small>Benjamin Franklin, Advice to a Young Tradesman</small></p>
<p><img src="/wp-content/uploads/uhr.jpg" alt="" /></p>
<p>Als Benjamin Franklin mit dem Blitzableiter erst &#8220;dem Himmel den Blitz&#8221; und in der amerikanischen Revolution auch noch &#8220;den Tyrannen das Szepter&#8221; entrissen hatte, konnte kaumnoch irgenjemand an den Worten dieses titanenhaften Helden der Aufklärung zweifeln. Dessen berühmtestes Zitat aber hat weder mit Naturforschung noch mit Staatskunst zu tun, sondern stellt eine Regel auf, die für die kommenden zweihundert Jahre das Credo einer effizienzorientierten Wirtschaft werden sollte: &#8220;Zeit ist Geld&#8221;.</p>
<p>Der physikalische Begriff der Leistung <strong>P</strong> ist definiert als Arbeit <strong>W</strong> (beziehungsweise Energie, dann auch mit <strong>E</strong> abgekürzt), die pro Zeiteinheit <strong>t</strong> erbracht (bzw. verbraucht) wird. Damit entspricht die Formel <strong>P = W / t</strong> auch ziemlich gut dem alltagssprachlichen Verständnis von Leistung: fertigt ein Fabrikarbeiter 100 Werkstücke pro Stunde, so erbringt er die doppelte Leistung seines Kollegen, der für die selbe Anzahl zwei Stunden braucht. Und selbstverständlich gehen wir davon aus, dass der erste Arbeiter für seine höhere Leistung auch mehr Lohn erhalten sollte.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/uhr2.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1971" title="uhr2" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/uhr2.jpg" alt="" width="450" height="254" /></a></p>
<p>Und genau da endet auch schon die Analogie von Physik und Wirtschaft. Denn es ist sicher nicht so, dass eine hochbezahlte Führungskraft tatsächlich mehr <em>leistet</em>, als der Angestellte auf Sohle 7 der Unternehmenshierarchie. Diesen Gedanken verfolgt der Blogger und Filmemacher Werner Große in seinem <a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/allwissende-medien/allgemein/2009-04-19/nicht-nur-leistung-und-arbeit-auch-wirkung-muss-sich-wieder-lohnen">Post</a> auf den Wissenslogs. Ein anderer physikalischer Begriff erklärt nämlich viel besser, wonach sich in der post-industriellen Wirtschaftswelt Gehaltsunterschiede idealer Weise gründen: die <em>Wirkung</em>.</p>
<p>Die Wirkung in der Physik ist nicht zu verwechseln mit der Kausalität (Ursache/Wirkung). Wirkung <strong>S</strong> ist hier definiert als Arbeit mal Zeit (bzw. Energie mal Zeit). In Formel</p>
<p style="text-align: center;"><strong>S = E ⋅ t</strong></p>
<p>Die einfachen mathematischen Gleichungen, indenen sich die Begriffe ausdrücken lassen, führen schnell zum Punkt, was das alles mit Slow Media zu tun hat: Nachdem die Leistung gleich Arbeit durch Zeit ist (<strong>P = E / t</strong>), hängen Wirkung und Leistung ebenfalls eng zusammen: <strong>S = P ⋅ t<sup>2</sup></strong><br />
In Worten: ich kann die selbe Wirkung erzielen mit halber Leistung, aber in vierfacher Zeit.</p>
<p>Damit ist klar, dass Leistung, an sich betrachtet, schnell in hirnlose Energieverschwendung mündet  &#8211; Hauptsache viel geschafft! Von anderer Seite betrachtet, wird die Bedeutung der Wirkung noch klarer. Auf ihrer <a href="http://www.eine-weibliche-physik.de/ewp5-physik/ewp54-wirkung/ewp54_wirkung.html">lesenswerten Seite</a> über &#8220;Grundfragen der Physik, neu gestellt und beantwortet von einer Frau&#8221; schreibt Brunhild Krüger:</p>
<blockquote><p>Angenommen, mir stünden 1 kWh an Energie zur Verfügung:<br />
Mit einer Glühlampe, die eine Leistung von 100 Watt hat, könnte ich damit einen Raum für 10 Stunden  ausleuchten. [...] Will ich jedoch nur ein Buch lesen, genügt eine Tischlampe mit 40 Watt, die ich 25 Stunden lang betreiben kann, ehe die verfügbare Energie verbraucht wäre.[...]<br />
<strong>Je geringer die eingesetzte Leistung ist, um so mehr hat man von der vorhandenen Energie.</strong></p></blockquote>
<p>Immer mehr Leistung &#8211; das bedeutet immer mehr Energie in noch kürzerer Zeit zu verbrauchen. Aber in der Regel kommt es doch darauf an, welche Wirkung erzielt wird. Das gilt für Maschinen genau wie für Publikationen. Statt auf Leistung zu pochen, wie in der grauenhaften Diskussion um den sogenannten <em>Leistungsschutz</em> der Verlage, sollten die Publizisten besser dafür sorgen, dass ihre Arbeit <em>Wirkung</em> zeigt.</p>
<p style="text-align: right;"><em>Mit etwas Glück und Salz und mit Pfeffer<br />
Erzielt man manchmal völlig ungeahnte Treffer<br />
Ist denn Verlass, dass das nachher schmeckt?<br />
Die Hauptsache ist der Effekt</em><br />
<small>Günter Neumann, &#8220;Giftmischerrumba&#8221;</small></p>
<p><small><img class="alignleft" style="padding-right: 5px;" src="/wp-content/uploads/uhr3.png" alt="" /></small></p>
<p><!-- Metaphysik Spekulation Snow --></p>
 <img src="http://www.slow-media.net/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?view=1&post_id=1462" width="1" height="1" style="display: none;" />]]></content:encoded>
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		<title>Wozu noch Verlage?</title>
		<link>http://www.slow-media.net/wozu-noch-verlage</link>
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		<pubDate>Sun, 20 Jun 2010 14:45:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benedikt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was konnte er dafür, daß er in der Literatur sein ganzes Leben lang ›nur‹ Verleger gewesen war? Er hatte begriffen, daß die Literatur einen Verleger nötig hatte, und er hatte das sehr zur rechten Zeit begriffen; dafür sei ihm Ehre und Ruhm &#8211; natürlich von der Art, wie es einem Verleger zukommt. (F.M. Dostojewski) Online-Journalismus? [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>Was konnte er dafür, daß er in der Literatur sein ganzes Leben lang ›nur‹ Verleger gewesen war? Er hatte begriffen, daß die Literatur einen Verleger nötig hatte, und er hatte das sehr zur rechten Zeit begriffen; dafür sei ihm Ehre und Ruhm &#8211; natürlich von der Art, wie es einem Verleger zukommt.</em><br />
(F.M. Dostojewski)</p>
<p>Online-Journalismus? Ich habe diese Bindestrich-Journalismen sowieso nie so richtig verstanden, aber mit Online-Journalismus (Wikipedia: &#8220;Aufbauprinzip ist der nicht-lineare Hypertext&#8221; tue ich mich besonders schwer. Geht es um Online als Werkzeug für die journalistische Recherche oder redaktionelle Abläufe oder um Online als Gattung? Auf dem <a href="http://www.hr-online.de/website/specials/ftoj/index.jsp">6. Frankfurter Tag des Online-Journalismus</a> bin ich auf beide Strömungen gestoßen. Ich glaube, dass etwas mehr Klarheit in dieser Unterscheidung für den Online-Journalismus (wie auch immer gemeint) wichtig wäre.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/AP_Cygne.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1765" style="margin: 5px;" title="AP_Cygne" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/AP_Cygne-216x300.jpg" alt="" width="194" height="270" /></a>So plätscherte das Abschlusspodium zwischen Jakob Augstein (Der Freitag), Mercedes Bunz (Guardian), Stephan Baumann (DFKI) und mir eher beschaulich vor sich hin, ohne dass das Diskussionspotential dieser Fragen genutzt wurde. Zum Beispiel für die Klärung der Frage, ob das Thema Blogger vs. Journalisten heute noch relevant sei. Hier wurde munter durcheinander und aneinander vorbei von Bloggern als Persönlichkeiten, Bloggen als Erwerbsquelle, Blogs als Publikationstechnologie und Blogposts als journalistische Form gesprochen.</p>
<p><strong>Welche Funktion werden Verlage in Zukunft ausüben?</strong></p>
<p>Für mich die spannendste Frage blieb leider unbeantwortet: Welche Funktion werden Verlage in Zukunft ausüben? Der klassische Verlagsbegriff sieht seit der frühen Neuzeit die Aufgabe des Verlegers darin, finanzielle Mittel und Rohstoffe wie Werkzeuge herbeizuschaffen (= &#8220;verlegen&#8221;), die für die Produktion einer Ware notwendig sind &#8211; ganz gleich ob es sich dabei um einen Teppich oder ein Buch handelt. Mit dem Aufkommen der industriellen Massengesellschaft bzw. Aufmerksamkeitsökonomie und der Zuspitzen des Verlagsbegriffs auf die Medienproduktion wurde dann der zweite Aspekt der Herstellung von Aufmerksamkeit für das Medium hinzu.</p>
<p>Wenn wir heute von digitalen Medien wie z.B. Blogs oder eBooks sprechen, passt die klassische Verlagsdefinition nicht mehr. Die Werkzeuge und Rohstoffe der Medienproduktion sind mittlerweile demokratisiert. WordPress und Mediawiki sind frei verfügbar. Jeder könnte also theoretisch publizistisch tätig werden. Viele tun genau dies. Auch für das Herstellen von Aufmerksamkeit kann die Verlagswelt kein Monopol mehr beanspruchen, da zunehmend die Empfehlung innerhalb sozialer Netzwerke bzw. einer themenbezogenen Community für die Rezeption eines Mediums wichtiger ist als klassische Marketingmaßnahmen. Buchbesprechungen in Zeitungen und das Auslegen von Flyern haben keinen nennenswerten Effekt auf den Absatz mehr, während Marketinginstrumente wie AdWords oder Suchmaschinenoptimierung Verlagen wie unabhängigen Publizisten gleichermaßen zur Verfügung stehen.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/petersberg.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1778" title="petersberg" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/petersberg.jpg" alt="" width="600" height="226" /></a><br />
Wo also liegt heute noch die Aufgabe des Verlags? Auf dem Podium rückte ziemlich schnell der Aspekt der Finanzierung in den Mittelpunkt. So betonte Mercedes Bunz, dass guter Journalismus eben Geld koste und dafür brauche es einen Verlag. Ein Modell wie Wikipedia funktioniere nicht für den Journalismus. Diese Argumentation ist aus einer Slow-Media-Perspektive ebenso empirisch falsch wie politisch gefährlich.</p>
<p>Zum einen gibt es genügend Beispiele von Blogs, Foren oder Wikis, die außerhalb von Verlagen qualitativ hochwertigen Journalismus in Form von Kommentaren, Essays, Berichten etc. produzieren. Viel problematischer ist jedoch der andere Punkt. Wenn Verlage und Redakteure sich auf die Argumentation einlassen, dass die wichtigste Aufgabe des Verlags im digitalen Zeitalter in der Finanzierung von Journalismus liege, dann sehe ich keinen zwingenden Grund, warum die Medienlandschaft überhaupt noch Verlage braucht. Diese Aufgabe könnten auch Banken erledigen.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/villon.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1780" title="villon" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/villon.jpg" alt="" width="540" height="222" /></a><br />
Wem daran liegt, dass Verlage auch in Zukunft noch eine Bedeutung haben sollen, der sollte sich nicht auf diese Argumentation einlassen und etwas mehr Phantasie bemühen, wenn es um die verlegerische Selbstbeschreibung geht. Wenn man gute, langsame Medien wie z.B. Wired, Brand eins oder Intelligent Life ansieht, dann machen die Verlage und Redakteure hier so unglaublich viel mehr als ihre Journalisten finanziell über Wasser zu halten. Sie diskutieren und setzen Themen, verbinden Design und Inhalt, arbeiten Ausgabe für Ausgabe am roten Faden ihres Mediums, garantieren ein hohes Qualitätsniveau und entwickeln ein Gespür für die Wünsche wie Erwartungen ihrer Leser. Dafür benötigt man Verlage heute wie in Zukunft und nicht allein für das regelmäßige Auszahlen des Taschengelds an ihre Mitarbeiter.</p>
<p>An diesen Stellen entsteht auch der Mehrwert zwischen den Gedanken im Kopf eines Autors und dem fertigen Produkt. Verlage, die ihrem Publikum nicht glaubhaft demonstrieren können, dass sie mehrwertfähig sind, haben nicht nur ein Kommunikationsproblem, sondern sind früher oder später in ihrer Existenz bedroht. Und das zu Recht.</p>
<p>Links zum Thema:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.hr-online.de/website/specials/ftoj/index.jsp?rubrik=34470">Videoaufzeichnungen aller Vorträge</a> auf der Webseite des Hessischen Rundfunks</li>
<li>Mein Gastbeitrag &#8220;<a href="http://boersenblatt.net/385809/">Lob der Langsamkeit</a>&#8221; im Börsenblatt zu einem ganz ähnlichen Thema.
<li>Zusammenfassender <a href="http://blog.sperr-objekt.de/content/134-Frankfurter-Tag-des-Online-Journalismus.html">Blogpost</a> von Matthias Gutjahr</li>
</ul>
<p><!-- TEX Knuth Kunstbücher Digitaldruck Indigo --></p>
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		<item>
		<title>Was vom Druck übrig blieb</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Jun 2010 07:53:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sabria</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gestern war Sperrmüll bei der Druckerei nebenan. Nachdem ich gestern schon ein großes O und drei Schubladen mit zu mir nach Hause genommen habe, bin ich heute morgen noch einmal an derselben Stelle vorbeigekommen. Der Sperrmüllwagen mit der großen Müllpresse hatte schon die sperrigen Müllberge in seinem Inneren verdaut und war weitergefahren. Die städtischen Angestellten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/Foto-O.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1730" style="margin: 8px 10px;" title="Foto O" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/Foto-O-225x300.jpg" alt="" width="83" height="112" /></a></p>
<p>Gestern war Sperrmüll bei der Druckerei nebenan. Nachdem ich gestern schon ein großes O und drei Schubladen mit zu mir nach Hause genommen habe, bin ich heute morgen noch einmal an derselben Stelle vorbeigekommen. Der Sperrmüllwagen mit der großen Müllpresse hatte schon die sperrigen Müllberge in seinem Inneren verdaut und war weitergefahren. Die städtischen Angestellten hatten die kleinteiligen Reste in vorbildlicher Weise auf dem Bürgersteig zusammengekehrt. Trotzdem fand ich in den Winkeln des Kopfsteinpflasters noch winzige Lettern, winzig, zu klein für den Kehrbesen.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/Foto-Tertia-Tannhäuser1.jpg"><img class="size-medium wp-image-1740 alignright" style="margin: 8px 10px;" title="Foto Tertia Tannhäuser" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/Foto-Tertia-Tannhäuser1-300x225.jpg" alt="" width="140" height="104" /></a></p>
<p>Und beim Anblick dieser winzigen ös und is und einem zierlichen c mit  mikroskopischem Cedille kommt mir ein Gedanke: Wie unglaublich mühselig  es war, etwas mit diesen winzigen Lettern aufs Papier zu bringen.  Fingergeschick, Augenmaß, Laufweite, Winkelhaken, krummer Rücken. Und  heute klickt man auf &#8220;publish&#8221; und fertig.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/Foto-winzige-Lettern.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1732" title="Foto winzige Lettern" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/Foto-winzige-Lettern-225x300.jpg" alt="" width="120" height="161" /></a></p>
<p><!-- Kunstbücher Digitaldruck Indigo --></p>
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		</item>
		<item>
		<title>De mémoire, de réflexionet pas simplement d’informations.Jaques Delors über Slow Media</title>
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		<pubDate>Mon, 17 May 2010 11:17:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jbenno</dc:creator>
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		<description><![CDATA[[Read Post in English] &#8220;Lord Weidenfeld peut opposer à ces violentes critiques [des médias; e.g. Lazarsfeld "The rape of crowds by political propaganda"], d’une part la dette de la démocratie envers les médias, dits lents, que sont le journal et le livre. Ils ont beaucoup contribué à l’éveil et au développement de la démocratie. Et [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><small><a href="http://en.slow-media.net/delors_slow"><img src="http://www.galerieroyal.de/wp-content/plugins/langswitch_flags/uk.png" alt="" />[Read Post in English]</a></small><br />
<img class="alignleft" style="padding-right: 5px;" title="Presse - Ne pas avaler" src="/wp-content/uploads/2010/05/presse-pas-avaler.jpg" width="30%" /><em>&#8220;Lord Weidenfeld peut opposer à ces violentes critiques [des médias; e.g. Lazarsfeld "The rape of crowds by political propaganda"], d’une part la dette de la démocratie envers les médias, dits lents, que sont le journal et le livre. Ils ont beaucoup contribué à l’éveil et au développement de la démocratie. Et il peut aussi mieux que tout autre, par son action pendant la guerre, indiquer la dette que nous avons envers les libertés lorsque, comme lui, on tentait de diffuser au-delà du terrain de la guerre et des atrocités une vision du monde plus acceptable et un avenir que l’on pouvait croire meilleur. Mais puisque j’ai évoqué les médias lents par opposition aux médias courts, je ne peux m’empêcher de plaider pour la vigilance à l’égard de ces médias courts. Vigilance ne veut pas dire procès. Nous avons besoin de mémoire, de réflexion et pas simplement d’informations. Cette réflexion me vient tout naturellement à l’esprit en pensant aux types d’informations qui concernent la construction européenne.&#8221;</em></p>
<p>Die Medien als Mittel der Stabilisierung von Demokratie und als Waffe gegen Willkür und Grausamkeit verteidigt Jacques Delors<a href="https://www.lfm-nrw.de/downloads/veranstaltungen/karlsmedaille-festschrift2000.pdf"> in seiner Rede</a> anlässlich der Verleihung der Karlsmedallie an George Weidenfeld gegen die ideologischen Kritiker: <em>Poison à ne pas avaler</em> &#8211; die Medien sind viel mehr, als <em>Vergewaltigung der Massen durch politische Propaganda</em>. Und dabei nimmt Delors bereits vor zehn Jahren eine Differenzierung vor, die in wenigen Worten unsere Gedanken des Slow Media Manifest vorwegnimmt: <em>&#8220;&#8230; ich komme nicht umhin, die Wachsamkeit gegenüber diesen Kurzfrist-Medien zu beschwören.&#8221;</em> Besonders der heikle, oft von der nationalen Mythisierung vergiftete Prozess der friedlichen Einigung Europas ist anfällig gegenüber verkürzter Darstellung und kaum auf die Schlagworte der <em>Médias Courts</em> zu reduzieren.</p>
<p><em>&#8220;Gedächtnis, Reflektion und nicht nur Information&#8221;</em> machen nach Jacques Delors im Gegensatz dazu die <em>Medias Lents</em> aus, die Slow Media. Und entsprechend endet seine Laudatio auf den wahrhaft kosmopoliten Verleger Weidenfeld mit einem Zitat des UNESCO-Generalsekretärs Federico Mayor über das Fortbestehen des Buches:</p>
<blockquote><p><em>&#8220;Das Buch ist das unersetzbare Transportmittel, ungleich weiter, als der Rundfunkt reicht es in in die Welt der Information und des Wissens, der Träume und der Erlösung, und es gibt nichts, das uns das Recht gibt, sein anstehendes Verschwinden vorherzusagen.</em></p></blockquote>
<p>Und in was Nachhaltigkeit und Dauer von Medien betrifft, davon sprach der Vorsitzende des UNESCO-Aufsichtsrats Golan Ali Raadi anlässlich der <a href="http://www.unostamps.nl/subject_unesco_headquarters.htm">Einweihung</a> des Hauptquartiers in Paris mit den <a href="http://unesdoc.unesco.org/images/0008/000894/089432eo.pdf">Worten Firdausis</a>:</p>
<blockquote><p><em>Die fest-gefügtesten Gebäude zerfallen unter dem Einfluss von Regen und der brennenden Sonne,<br />
Aber weder Wind noch Regen wird dem Denkmal etwas anhaben, das meine Verse errichtet haben.</em></p></blockquote>
 <img src="http://www.slow-media.net/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?view=1&post_id=1215" width="1" height="1" style="display: none;" />]]></content:encoded>
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		<title>Papier und ökologische Nachhaltigkeit</title>
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		<pubDate>Fri, 07 May 2010 08:59:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jbenno</dc:creator>
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		<description><![CDATA[[Read Post in English] &#8220;Nachhaltigkeit&#8221;, sagt der Mann in dem Video auf der Leinwand, &#8220;das ist für mich wenn man immer dasselbe macht. Das Gegenteil von flexibel&#8221;. - Für mich einer der stärksten Momente auf dem Mediamundo Kongress zur nachhaltigen Medienproduktion, der dieser Tage in Berlin stattfand. Für die einen ist der Begriff schon zum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><small><a href="http://en.slow-media.net/paper-and-sustainability"><img src="http://www.galerieroyal.de/wp-content/plugins/langswitch_flags/uk.png" alt="" />[Read Post in English]</a></small></p>
<p><img class="alignleft" style="padding-right: 5px;" title="Traunsteiner Salzmeier-Zyklus" src="/wp-content/uploads/2010/05/salzmeier.jpg" alt="Traunsteiner Salzmeierzyklus" width="60%" /> <em>&#8220;Nachhaltigkeit&#8221;,</em> sagt der Mann in dem Video auf der Leinwand, <em>&#8220;das ist für mich wenn man immer dasselbe macht. Das Gegenteil von flexibel&#8221;.</em><br />
- Für mich einer der stärksten Momente auf dem <em><a href="http://www.mediamundo.biz/">Mediamundo Kongress</a></em> zur nachhaltigen Medienproduktion, der dieser Tage in Berlin stattfand.</p>
<p>Für die einen ist der Begriff schon zum <a href="http://www.welt.de/welt_print/article2915779/Das-Spiel-mit-der-Nachhaltigkeit.html">Marketing-Buzzword</a> verkommen, während er für die meisten Menschen schlicht missverstanden wird. Gute Voraussetzungen, eine leere Hülse zu werden, ein <em>toter Begriff</em>.</p>
<p>Der Term Nachhaltigkeit stammt aus der Forstwirtschaft. Den Waldbauern ist bereits seit Jahrhunderten klar, dass man nur soviel abholzen darf, wie nachwachsen kann &#8211; da in dieser Industrie oft zwei oder mehr Generationen zwischen Saat und Ernte vergehen, ist es nicht verwunderlich, dass spätestens mit Aufkommen sehr holzintensiver Produkte am Ende des Mittelalters, wie den wachsenden Flotten immer größerer Segelschiffe oder den <a href="http://www.rauchfangkehrer.com/umwelt/nachhaltigkeit/index.html">Salinen</a> mit stark zunehmendem Bedarf an Brennstoff zum Verdampfen der Sole, die nachhaltige Wirtschaft explizit in die Ökonomie Eingang gefunden hatte. Erst im Zeitalter des Stahl und der Steinkohle &#8211; später des Erdöls &#8211; wurde das Konzept Nachhaltigkeit zunächst scheinbar überflüssig.</p>
<p>***</p>
<p>Von den etwa <a href="http://www.bir.org/pdf/MagnaghiWorldReport2008.pdf">390 Millionen Tonnen</a> Papier, die jährlich produziert werden, verbrauchen <a href="http://faostat.fao.org/site/626/default.aspx#ancor">Europa und die USA</a> alleine knapp die Hälfte. Deutschland, mit einem pro-Kopf-Verbrauch von 256 kg pro Jahr (1950 waren es gerade einmal 40 kg), liegt dabei nur knapp hinter den USA und weit über dem europäischen Durchschnitt. Alleine der Anteil von 7,4 Millionen Tonnen Papier in Deutschland, die aus frisch geschlagenem Holz und nicht aus Altpapier hergestellt werden, entspricht etwa der Menge die Afrika als Ganzes verbraucht. Zunächst sind es die gewaltigen Waldflächen &#8211; 20% der globalen Holzernte werden für Papier verwendet; mehr als 50 Millionen Kubikmeter alleine in Deutschland. Daneben schlägt vor allem der Wasserverbrauch bei der Papierherstellung zu Buche. 7 Liter Wasser werden für ein Kilogramm Papier verbraucht, der größte Teil davon bleibt als giftiges Abwasser zurück.</p>
<p>Bis Druckerzeugnis nachhaltig produziert werden, scheint es also noch ein weiter Weg. Zwar werden Tageszeitungen heute vollständig aus Altpapier hergestellt, bei allen anderen Drucksachen ist der Altpapieranteil aber seit Jahren <a href="http://www.awm-muenchen.de/index/abfalllexikon/liste/eintrag/papier.html?no_cache=1">rückläufig</a>. Es gilt drei Ziele zu verfolgen, sollen Printmedien ökologisch nachhaltig werden:</p>
<p><strong>1) Vermeiden</strong><br />
Insbesondere bei Werbedrucksachen bleibt es unverständlich, wie selbst grundsätzlich wertvolle Marken ungeniert Spam-Mailings an nahezu ungefilterte Verteiler schicken. Auch die Katalogversender schaffen es so gut wie nie, sich auf Kunden einzustellen, die das Altpapier leid sind, das regelmäßig Briefkasten und Papiertonne verstopft. Von den Schweinebauchanzeigen und Beilegern, die die meisten Zeitungsleser ohnehin aus der Zeitung direkt in die Tonne schütteln (&#8220;de-bonning&#8221; &#8211; ja, das hat sogar einen Namen!). Dann das Ausdrucken von Mails und anderem Büro-Kram. Und schließlich auch ein Appell an die Drucker-Hersteller: solange es selbst technisch geschultes Personal nicht schafft, auf Anhieb zweiseitig Auszudrucken, bleibt die Rückseite eben ungenutzt.</p>
<p><strong>2) Wiederverwerten</strong><br />
Recycling-Papier <a href="http://www.greenpeace.ch/uploads/tx_ttproducts/datasheet/2005_Facts_recyclingpapier.pdf">muss wieder Standard werden</a>. Die öffentlichen Verwaltungen in Deutschland berufen oft sich auf EU-Recht und sehen in der Einschränkung auf bestimmte Papiersorten eine Wettbewerbsverzerrung. Auch bei öffentlichen Ausschreibungen wird keine Recycling-Quote vorgegeben. Dass dies nur ein Vorwand ist, belegen die Niederlande mit ihrer Selbstverpflichtung zu ökologischem Papier in der Verwaltung. Aber auch hier sind die Hardware-Hersteller gefragt: solange unklar bleibt, inwieweit Recycling-Papier zu höherem Verschleiß und häufigerer Wartung der Geräte führt, bleibt beim Einsatz von Recycling-Papier zumindest Unsicherheit.</p>
<p><strong>3) Zertifizieren</strong><br />
Auch eine strikt ökologisch Ausgerichtete Druckerei ist auf Papier mit Frischfasern angewiesen. Auf Bäume als Rohstoff ist nicht zu verzichten. Aber genau hier liegt ja eine der Stärken von Papier im Vergleich etwa zu elektronischen Medien: es ist nachwachsender Rohstoff, ja in gewissem Umfang wird sogar CO2 in Papier dauerhaft gebunden. Es ist Zeit für eine Rückbesinnung auf die Waldwirtschaft der Zeit vor der industriellen Revolution &#8211; das Holz, dass geschlagen wird, nachwachsen lassen.</p>
<p><img class="alignleft" style="padding-right: 5px;" title="FSC Deutschland" src="/wp-content/uploads/2010/05/FSC-Logo_schwarz_3000x3000.JPG" alt="" width="30%" /> International transparente Testate wie die Zertifizierung der <em><a href="http://fsc-deutschland.de/">Forest Stewardship Council</a></em> geben den Papierverarbeitern die Sicherheit, tatsächlich nachhaltig produzierten Rohstoff zu kaufen und nicht nur Greenwashing zu betreiben. Erfreulicher Weise wird das FSC-Zertifikat bereits in weiten Teilen der Industrie anerkannt und eingesetzt. Die Nachfrage nach sauberem Holz ist allerdings so stark, dass es kaum möglich ist, den Bedarf mit FSC-Zertifiziertem Wald zu decken. Damit es nicht reine Utopie bleibt, muss ein Zertifikat Kompromisse eingehen, was natürlich auch nicht unproblematisch ist. <em>&#8220;Während wir für die einen schon als unglaubwürdig gelten, sind unsere Kriterien für viele andere gleichzeitig immernoch unbezahlbar.&#8221;</em>, beschreibt Uwe Sayer von FSC Deutschland die Zwickmühle zwischen Glaubwürdigkeit und Praxis.</p>
<p>***</p>
<p>Papier ist ein wunderbares Medium &#8211; es hält seinen Inhalt unter einigermaßen guten Bedingungen über Jahrhunderte lesbar. Keine <a href="http://www.slow-media.net/rote-liste-der-bedrohten-medien">Abspielgeräte</a> sind notwendig, keine Stromversorgung. Unter diesem Aspekt ist Papier an sich schon immer nachhaltig. Umso wichtiger ist es, jetzt den Schritt zu gehen, auch der Papier<em>erzeugung</em> eine langfristige Perspektive für die Zukunft zu geben!</p>
<blockquote><p><em>&#8220;Nein, das ist eine Überraschung! Und eine herrliche Überraschung!&#8221; sagte das Papier. &#8220;Nun bin ich feiner als zuvor, und nun werde ich beschrieben werden! Was kann nicht alles geschrieben werden! Das ist doch ein außerordentliches Glück!&#8221; Es wurden die allerschönsten Geschichten darauf geschrieben, und die Leute hörten, was darauf stand, und es war richtig und gut, es machte die Menschen weit klüger und besser, als sie bisher waren, es war ein wahrer Segen, der dem Papier in den Worten gegeben war. </em><small>Hans Christian Andersen, Der Flachs.</small></p></blockquote>
<p><!--TEX Knuth Kunstbücher Digitaldruck Indigo--></p>
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		<title>Der umgekehrte Turing-Test</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Mar 2010 15:10:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benedikt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Im Oktober dieses Jahres jährt sich die Veröffentlichung von Alan Turings Paper &#8220;Computing Machinery and Intelligence&#8220;, das damals in der philosophischen Zeitschrift Mind veröffentlicht wurde, zum 60. Mal. Zwei Jahre später, im Turing-Jahr 2012, wird dann wahrscheinlich auf zahlreichen Symposien und Konferenzen über die gegenwärtige Bedeutung des Turing-Tests debattiert und gestritten. Kurz zusammengefasst beschreibt Turing [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Oktober dieses Jahres jährt sich die Veröffentlichung von Alan Turings Paper &#8220;<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Computing_Machinery_and_Intelligence">Computing Machinery and Intelligence</a>&#8220;, das damals in der philosophischen Zeitschrift Mind veröffentlicht wurde, zum 60. Mal. Zwei Jahre später, im <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Alan_Turing">Turing-Jahr</a> 2012, wird dann wahrscheinlich auf zahlreichen Symposien und Konferenzen über die <a href="http://crl.ucsd.edu/~saygin/papers/MMTT.pdf">gegenwärtige Bedeutung des Turing-Tests</a> debattiert und gestritten. Kurz zusammengefasst beschreibt Turing ein Testsetup, das dazu geeignet ist, menschliche und computerisierte Intelligenz voneinander zu unterscheiden.</p>
<p>Dieses Konzept, obwohl auf den ersten Blick  aus einem ganz anderen Diskurs stammend, hat für mich einen sehr spannenden Berührungspunkt mit der gegenwärtigen Diskussion über die Folgen der Internetgesellschaft. Unser <a href="http://www.slow-media.net/manifest/">Slow Media-Manifest</a> skizziert in 14 Punkten eine denkbare Zukunft der (Qualitäts-)Medienproduktion. In den letzten Tagen habe ich immer wieder mit Journalisten und Redakteuren über die faszinierenden Möglichkeiten gesprochen, die sich durch Slow Media für Zeitungen und Zeitschriften eröffnen.</p>
<p>Ein immer wieder diskutiertes Thema war dabei die Frage: Haben auch Tageszeitungen, die wie kein anderes Medium derzeit von einer Sinnkrise befallen sind, eine Zukunft? Können sich auch Medien, deren Kernaufgabe die tägliche Information einer breiten Öffentlichkeit ist, unter dem Zeichen von Slow Media neu erfinden und hierin neue Geschäftsmodelle entwickeln? Welchen Qualitätskriterien müssen Tageszeitungen unter Slow-Media-Gesichtspunkten genügen?</p>
<p>Was wir an dieser Stelle brauchen, ist eine Art umgekehrter Turing-Test. Denn in der zweiten historischen Phase des Internets sehen sich gedruckte Tageszeitungen nicht mehr nur in Konkurrenz mit den Produkten ihrer Onlineredaktionen, sondern zunehmend auch in Konkurrenz mit <a href="http://eigentaste.berkeley.edu/info.php">Computer-Algorithmen</a>. Hinter Plattformen wie Google News oder Rivva stehen keine Redakteure mehr, sondern programmierte Selektionsregeln auf Grundlage der Vernetzung von Internetquellen, ganz gleich ob dies Webseiten oder persönliche Profile sind. Was die Geschwindigkeit und das Volumen betrifft, haben die Algorithmen ihre menschlichen Vorläufer schon lange überholt. Und auch in Punkto Relevanz ist die Distanz nicht mehr allzu groß.</p>
<p>Hier kommt der umgekehrte Turing-Test ins Spiel, der nicht abbildet, wie nah die künstliche Intelligenz an die humane heranrückt, sondern das genaue Gegenteil: die Möglichkeiten der menschlichen Intelligenz, eine inhaltliche und formale Qualität zu schaffen, die jenseits der Möglichkeiten der Algorithmen liegt. Wenn sich der Mantel von Tageszeitungen, was Auswahl und Präsentation der Nachrichten, von automatisierten Angeboten à la Google News nicht mehr unterscheidet, haben die Redakteure den umgekehrten Turing-Test nicht bestanden. In diesem Fall ist ihre Verhandlungsposition denkbar schlecht, denn warum sollten sie für dasselbe Ergebnis ein Vielfaches an Belohnung erhalten. Darüber hinaus: Algorithmen sind keine Gewerkschaftsmitglieder und brauchen keine Pausenräume. Diesen Konkurrenzkampf haben die Redakteure und Journalisten längst verloren, auch wenn sie noch so gute Lobbyarbeit für die Wirkung von Printprodukten machen.</p>
<p>Genau darin liegt aber auch die Chance. Zeitungen und Zeitschriften, die den umgekehrten Turing-Test bestehen und ein Ergebnis liefern, das in dieser Form nie und nimmer von einem Computer hätte errechnet werden können, haben eine Zukunft. Hinter diesen Medien stecken echte Menschen. Und das wichtigste ist: das merkt man auch.</p>
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		<title>Gratwanderung im Offenen</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Mar 2010 16:41:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sabria</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;Slow&#8221; bedeutet, Dinge zuzulassen, die nicht den eigenen Erwartungen entsprechen. Sich ins offene Feld zu wagen oder in abgelegene Bereiche, für die es keine Schubladen gibt. Dort, an den Rändern der Gewissheit, gibt man seine Meinungssicherheit auf. Eine schwierige und ungeschützte Stelle. Aber dort wird etwas möglich, was sonst verstellt ist: Wirkliches, tastendes Hinschauen. Ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Slow&#8221; bedeutet, Dinge zuzulassen, die nicht den eigenen Erwartungen entsprechen. Sich ins offene Feld zu wagen oder in abgelegene Bereiche, für die es keine Schubladen gibt. Dort, an den Rändern der Gewissheit, gibt man seine Meinungssicherheit auf. Eine schwierige und ungeschützte Stelle. Aber dort wird etwas möglich, was sonst verstellt ist: Wirkliches, tastendes Hinschauen. Ein offener und unvoreingenommener Blick.</p>
<p>Was bedeutet das für Medien? Ein beeindruckendes Beispiel dafür war neulich in der taz zu lesen. In ihrem Beitrag &#8220;<a href="http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ku&amp;dig=2010%2F02%2F06%2Fa0052&amp;cHash=92b275e9ba">Der lauteste Leser</a>&#8221; vollzieht Anja Maier solch eine Gratwanderung auf faszinierend trittsichere Art. Sie berichtet über einen taz-Kritiker, einen Erzfeind, der über Jahre einen <a href="http://www.hans-pfitzinger.de/page8.php">Blog</a> für taz-Schmähkritiken betrieben hat und in der Redaktion allseits als Querulant belächelt wurde. Hans Pfitzinger, so heißt dieser Mann, stellte seinen taz-Schatten-Blog von einem Tag auf den anderen ein, nachdem er seine Diagnose bekam.</p>
<p>Seither stirbt er, erst zu Hause, dann im Hospiz, Zimmer elf. In diesem Zimmer elf besucht ihn die taz-Redakteurin und nimmt es damit gleich mit mehreren Tabus auf, Kritik, den Tod, die Krankheit mit K. Und sie verlässt konsequent das Feld aller Erwartungen. In welche Schublade bitte soll man einen sterbenden Querulanten stecken? Soll man ihn gut oder doof finden? Dürfen Journalisten überhaupt ein Interview mit einem Sterbenden machen? Dürfen Sterbende kritisiert werden?</p>
<p>Der Leser, es hilft nix, muss diesen Weg mitgehen. Und wirklich, die Autorin schafft es. Sie trifft das richtige Verhältnis zwischen Distanz und Nähe, sie trifft den richtigen Ton. Sie verharmlost nicht seine Fehler, sie wahrt Respekt vor seinem Leben, sie beschönigt nicht sein Sterben, sie ist weder voyeuristisch, noch sentimental, noch verleugnet sie sich selbst. Es ist ein  Stück Journalismus, wie es einem nur selten gelingt. Es irritiert, berührt und verändert den Blick. Außerhalb der Schubladen natürlich, das muss man wissen, riskiert man missverstanden zu werden, das zeigen auch die <a href="http://www.taz.de/1/netz/netzkultur/artikel/kommentarseite/1/der-lauteste-leser/kommentare/1/1/">Kommentare</a> zu dem Beitrag. Gestorben ist Hans Pfitzinger letzte Woche.</p>
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