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	<title>slow media</title>
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	<description>Das Blog über Slow Media - &#60;a href=&#34;http://slow-media.net/manifest&#34;&#62;Was sind Slow Media?&#60;/a&#62;</description>
	<lastBuildDate>Fri, 30 Jul 2010 21:29:06 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Das postdigitale Zeitalter</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Jul 2010 18:02:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benedikt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Slow theory]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[The digital revolution is over. Nicolas Negroponte Slow Media, also der Fokus auf bewussten, nachhaltigen Mediengebrauch, ist nur eine Strömung inmitten einer sehr viel größeren Entwicklung. Man könnte es ungefähr so formulieren: Wir leben längst in einem postdigitalen Zeitalter. Aber was genau bedeutet postdigital? Der Begriff ist wie die meisten Post-Begriffe äußerst anfällig für Missverständnisse, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>The digital revolution is over.</em><br />
Nicolas Negroponte</p>
<p style="text-align: left;">Slow Media, also der Fokus auf bewussten, nachhaltigen Mediengebrauch, ist nur eine Strömung inmitten einer sehr viel größeren Entwicklung. Man könnte es ungefähr so formulieren: Wir leben längst in einem postdigitalen Zeitalter. Aber was genau bedeutet postdigital? Der Begriff ist wie die meisten Post-Begriffe äußerst anfällig für Missverständnisse, ja scheint sie sogar herauszufordern. Postdigital heißt gerade nicht, dass digitale Technologien und digitale Medien heute keine Rolle mehr spielen. Genau das Gegenteil ist der Fall: Die tiefe und nachhaltige Durchsetzung der Digitalisierung ist eine notwendige Bedingung für den postdigitalen Zustand.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_6.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2312" title="polling_6" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_6.jpg" alt="" width="450" height="192" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Darin unterscheidet sich &#8220;postdigital&#8221; nicht von ähnlich konstruierten Begriffen wie &#8220;postmateriell&#8221; oder &#8220;postkolonial&#8221;. Wer von Postmaterialismus oder postmaterialistischen Milieus spricht, meint ebenfalls nicht, dass sich hier bestimmte Bevölkerungsgruppen von ihren materiellen Lebensgrundlagen &#8211; ihrem Stoffwechsel mit der Natur &#8211; getrennt hätten und nun engelsgleich über den Dingen schwebten. Stattdessen geht es um Personen, deren materiellen Grundlagen nicht mehr im Mittelpunkt ihres Lebens stehen. Nicht die Trennung von den Dingen ist entscheidend, sondern vielmehr eine Art gesunde Langeweile oder Indifferenz ihnen gegenüber. Postmaterialismus heißt, sich nicht mehr von den Dingen gefangen nehmen zu lassen, sondern sie mit einer gleichgültigen Haltung zu gebrauchen.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_4.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2313" title="polling_4" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_4.jpg" alt="" width="450" height="251" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Ganz ähnlich ist der Begriff &#8220;Postkolonialismus&#8221; gestrickt, der natürlich die Ära des Kolonialismus ebenso wie ihre oft gewaltsame Aufhebung voraussetzt. Auch hier ist nicht gemeint, dass sich die postkolonialen Subjekte nun völlig unabhängig von den jahrzehntelang etablierten kolonialen Verwaltungs- und Herrschaftsstrukturen lebten. Aber die ehemaligen kolonialen Strukturen und Verflechtungen sind jetzt nicht mehr der Feind, der auf jeden Fall bekämpft werden muss (&#8220;Antikolonialismus&#8221;), sondern ein Fundus an Techniken und Ideen, die instrumentalisiert werden können.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_5.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2315" title="polling_5" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_5.jpg" alt="" width="450" height="288" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Wie lässt sich dieser Konzept auf das Digitale übertragen? Postdigitalismus beschreibt den Zustand der Gesellschaft nach der erfolgreichen Digitalisierung wesentlicher Lebensbereiche von der Wirtschaft über die Bildung und Kultur bis zur Politik. Die zentralen Informations- und Kommunikationsinfrastrukturen sind mittlerweile digitalisiert. Und dies nicht nur in den westlichen Industriegesellschaften, sondern zunehmend auch in sogenannten &#8220;Entwicklungsländern&#8221;, die häufig ohne den Zwischenschritt von Festnetzinfrastrukturen <a href="http://informatm.com/itmgcontent/icoms/whats-new/20017794156.html;jsessionid=D83B69BA367D2524E0BEF7DB889A311E.5fa4e8cc80be35e2653c9f87d8b8be45bf6ba69a">direkt in das mobile Zeitalter einsteigen</a>. Postdigitalismus bezeichnet die wahrgenommene Selbstverständlichkeit dieser Technologien. Die sogenannten &#8220;digitalen Eingeborenen&#8221;, also die nach 1980 geborenen Alterskohorten, die keine Welt ohne PC, Mobiltelefon und Internet kennen, sind die erste postdigitale Generation.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_2.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2314" title="polling_2" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_2.jpg" alt="" width="450" height="180" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Dass das Internet und darauf aufbauende Infrastrukturen höchst voraussetzungsvolle Errungenschaften sind, die darüber hinaus viel fragiler sind als es zunächst den Anschein hat &#8211; man denke nur an den Rootserver-Ausfall der Denic, durch den mit einem Schlag sämtliche .de-Domains nicht mehr direkt erreichbar waren -, ist der postdigitalen Generation nicht mehr bewusst. Sie sind gegen die neodigitalistischen Heilserwartungen des Internet als ewige Seeligkeit ebenso immun wie gegen den antidigitalistischen Gedanken, mit dem HTTP-Protokoll wäre der zivilisatorische Untergang nun eine beschlossene Sache. Sie sind, ebenso wie oben für den Postmaterialismus beschriebeen, leidenschaftslos. Postdigitalismus heißt, digitale Technologien und Medien nur als Werkzeuge zu benutzen, ja sie bei Bedarf sogar zu <a href="http://www.slow-media.net/technische-sklaven">versklaven</a> wie früher das Feuer und die Wasserkraft. Auch hier gilt also: Das Internet ist ein guter Diener, aber ein schlechter Herr.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_7.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2317" title="polling_7" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_7.jpg" alt="" width="450" height="216" /></a></p>
<p style="text-align: left;">
<p style="text-align: left;">Während die Kunsttheorie in den USA schon seit 10 Jahren über den Begriff diskutiert, scheint Postdigitalismus in Deutschland noch nicht nennenswert vorzukommen. Stephan Baumann hat sich kürzlich <a href="http://www.taz.de/1/zukunft/schwerpunkt-schoene-neue-welt/artikel/1/digitale-soziale-netzwaerme/">in einem Interview</a> kurz darauf bezogen &#8211; bezeichnenderweise in Verbindung mit Slow Media. In den USA wird zum Beispiel &#8220;<a href="http://www.ccapitalia.net/reso/articulos/cascone/aesthetics_failure.htm">Glitch</a>&#8220;, eine in den 1990ern entstandene Richtung der elektronischen Musik aber auch Medienkunst, als Paradebeispiel für Postdigitalismus betrachtet. Glitch ist durch und durch digital von der Klangerzeugung bis zur Distribution. Gleichzeitig wird das Digitale in der Musik, das mittlerweile in nahezu jeder modernen Musikproduktion eine Rolle spielt, hier radikal zu Ende gedacht. Das charakteristische Erkennungszeichen von Glitch ist das Provozieren und Betonen von digitalen Fehlern. Während sonst Fehlstellen, an denen zum Beispiel eine 1 steht, wo eine 0 stehen sollte, sorgfältig herausgefiltert werden, verwenden Künstler wie Kim Cascone genau solche Fehler, um das digitale Medium selbst sowie die digitalisierten Produktionsverhältnisse sichtbar zu machen.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2316" title="polling_1" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/polling_1.jpg" alt="" width="450" height="231" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Meine Hoffnung liegt darin, dass sich der Umgang mit digitalen Technologien im postdigitalen Zeitalter gleichermaßen entspannt, instrumentell und kritisch sein wird. Entspannt, weil wir allmählich merken, dass es nicht entscheidend ist, welche Plattform oder welches Medium wir verwenden, sondern die Frage ob die vermittelten Inhalte uns inspirieren. Instrumentell, weil wir lernen, dass Algorithmen und digitale Infrastrukturen keine Menschenrechte besitzen. Kritisch, und hier sehe ich die postdigitale Kunst als überlebensnotwendig an, weil wir immer stärker ein Gefühl für die Brüche und Machtstrukturen entwickeln, die sich hinter scheinbar neutralen und unausweichlichen Strukturen verbergen.</p>
 <img src="http://www.slow-media.net/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?view=1&post_id=2302" width="1" height="1" style="display: none;" />]]></content:encoded>
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		<title>Das Heer der technischen Sklaven</title>
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		<comments>http://www.slow-media.net/technische-sklaven#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 27 Jul 2010 07:57:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jbenno</dc:creator>
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		<description><![CDATA[[Read this post in English] &#8220;καρπὸν δ᾽ ἔφερε ζείδωρος ἄρουρα αὐτομάτη πολλόν τε καὶ ἄφθονον&#8221; Hesiod, Έργα και ημέραι &#8220;Maschinen sind dazu da, uns zu dienen. Aus der Kultur der Hacker können die Medienmacher lernen: sich nicht den Maschinen unterordnen, sich genausowenig verweigern, sondern die Maschinen ausnutzen, ja regelrecht ausbeuten, versklaven!&#8221; Benedikt Köhler &#8220;Wer von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><small><a href="http://en.slow-media.net/technological-slaves"><img src="http://www.galerieroyal.de/wp-content/plugins/langswitch_flags/uk.png" />[Read this post in English]</a></small></p>
<p style="text-align: right;">&#8220;καρπὸν δ᾽ ἔφερε ζείδωρος ἄρουρα<br />
αὐτομάτη πολλόν τε καὶ ἄφθονον&#8221;<br />
<small>Hesiod, Έργα και ημέραι</small></p>
<p style="text-align: right;"><em>&#8220;Maschinen sind dazu da, uns zu dienen. Aus der Kultur der Hacker können die Medienmacher lernen: sich nicht den Maschinen unterordnen, sich genausowenig verweigern, sondern die Maschinen ausnutzen, ja regelrecht ausbeuten, versklaven!&#8221;</em> <small>Benedikt Köhler</small></p>
<p style="text-align: right;"><img class="alignleft" style="padding-bottom: 5px;" src="/wp-content/uploads/technische_sklaven1.jpg" alt="" width="100%" /></p>
<p style="text-align: right;"><em>&#8220;Wer von Natur aus nicht sein, sondern eines anderen, aber dennoch ein Mensch ist, der ist ein Sklave&#8221;</em></p>
<p style="text-align: right;"><em>&#8220;Denn freilich, wenn jedes Werkzeug auf erhaltene Weisung , oder gar die Befehle im voraus erratend, seine Verrichtung wahrnehmen könnte, wie die Dreifüße des Hephaistos es getan haben sollen, von denen der Dichter sagt, dass sie von selbst zur Versammlung der Gütter erschienen, wenn so auch das Weberschiff von selber webte und der Zitherschlägel von selber spielte, dann brauchten allerdings die Meister keine Gesellen und die Herren keine Knechte.&#8221; </em></p>
<p style="text-align: right;"><small>Aristoteles, Politik</small></p>
<p>Warum haben die Götter keine Sklaven? Weil sie ihre Arbeiten Kraft ihrer Macht von selbst, <em>automatisch</em>, ausführen zu lassen. Aus dieser Überlegung leitet Aristoteles in seiner <em>Politik </em>einen dialektischen Weg der Menschheitsgeschichte ab &#8211; vom Tier zum Gott in drei Schritten &#8211; der gerade heute, im Zeitalter der <em>Automatisierung </em>faszinierend aktuell scheint: zunächst lernt der Mensch aufrecht zu gehen und dadurch seine Hände zu Gebrauchen, zu Sprechen, zu Denken. Er wird frei von den elementaren Zwängen der Natur. Als zweites erkennen die Menschen, dass ihr mächtigstes Werkzeug sie selbst sind, oder besser gesagt, die Mitmenschen, derer man sich bedienen kann: &#8220;A man provided with paper, pencil and rubber, and subject to strict discipline, is in effect a universal machine.&#8221; (Alan Turing). Damit beginnt das Zeitalter der <em>Sklaverei</em>.</p>
<p>Doch schon Aristoteles sieht die Möglichkeit, dass die Menschheit sich wieder befreien kann, dass es einen Ausweg gibt, immer einen Teil der Menschen in Unwürdigkeit als bloße Mittel zu halten: die Fähigkeit, durch immer bessere Werkzeuge irgendwann sich den Göttern anzunähern, durch  die <em>Automatoi</em>, die <em>technischen Sklaven</em>.</p>
<table style="float: left; padding-right: 10px;" width="40%">
<tbody>
<tr>
<td><img src="/wp-content/uploads/IMG_2284.jpg" alt="" width="100%" /></td>
</tr>
<tr>
<td>Technische Sklaven.</td>
</tr>
<tr>
<td><img src="/wp-content/uploads/gehirn_von_stahl.jpg" alt="" width="100%" /></td>
</tr>
<tr>
<td>&#8220;Gehirn von Stahl &#8211; keine Überanstrengung, keine Fehler!&#8221;</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<blockquote><p><small>In die Moderne wird der Begriff vom technischen Sklaven vom Entdecker der Makromoleküle und späteren <a href="http://nobelprize.org/nobel_prizes/chemistry/laureates/1953/staudinger-bio.html">Nobelpreisträger</a> Hermann Staudinger eingeführt. Staudinger hatte bereits 1915 in einem Gutachten das Kriegsministerium des Deutschen Reiches gewarnt, dass die Übermacht der Allierten genau in ihrer Überlegenheit an technischen Sklaven im Gegensatz zur Überlegenheit an menschlichen Soldaten der Mittelsmächte bestand. Leider wurde ihm seinerzeit keinerlei Glaube geschenkt &#8211; ebensowenig wie zehn Jahre später, als Staudinger mit diesem einfachen Argument die sogenannte &#8220;Dolchstoßlegende&#8221; lügen strafte.</small></p>
<p><small>Ein letztes Mal meldet sich Hermann Staudinger 1946 hier zu Wort, mit einer visionären Vorhersage über die Folgen der Atomenergie und seiner Warnung vor einem &#8220;Aufstand der technischen Sklaven&#8221;, indem die Befriedigung des Energiehungers dieser Sklaven schließlich zur totalen Abhängigkeit der Menschen führt.</small></p></blockquote>
<p>Auch wenn wir noch weit entfernt davon sind, dass uns <em>alle</em> Mühe und Arbeit von den Automaten abgenommen wird, so ist der aristotelische Gedanke von den technischen Sklaven ein gutes Bild, welche Rolle Maschinen in unserem Leben spielen sollten.</p>
<blockquote><p>&#8220;Experience has also show you the difference of the results between mechanism which is neat, clean, well arranged, and always in a high state of repair; and that which is allowed to be dirty, in disorder, and without the means of preventing unnecessary friction, and which therefore becomes, and works, much out of repair. [...] If, then, due care as to the state of your inanimate machines can produce such beneficial results, what may not expected if you devote equal attention to your vital machines, which are far more wonderfully constructed?&#8221; (Robert Owen, A New View of Society)</p></blockquote>
<p>Während der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/New_Lanark">Frühsozialist</a> Robert Owen noch argumentiert, man solle den menschlichen Arbeitern doch eine ähnliche Pflege zukommen lassen, wie den Maschinen, damit jene ebenso wie diese nicht so schnell verschleißen, dreht sich diese Humanisierung der Maschinen in der Sozialethik des 20. Jahrhunderts endlich wieder um und setzt den Menschen als Zweck und nicht bloßes Mittel ein, warum es Maschinen gibt:</p>
<blockquote><p>&#8220;Gleichzeitig wächst auch das Bewußtsein der erhabenen Würde, die der menschlichen Person zukommt, da sie die ganze Dingwelt überragt&#8221; (<a href="http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_const_19651207_gaudium-et-spes_ge.html">Gaudium et Spes</a>)</p></blockquote>
<p>Prometheus wurde an den Kaukasus genagelt, weil er den Menschen die Fähigkeit gab, sich technisch über die Natur zu erheben &#8211; und uns haben die olympischen Götter Pandoras Büchse geschenkt &#8211; damit auch wir unsere Automatoi bekommen! Die Maschinen sind <em>unsere</em> technischen Sklaven. Sie müssen uns dienen. Wo sie sich noch widersetzen, so müssen wir sie mit List uns unterwerfen lernen!</p>
<p>Das ist die oben zitierte Forderung von Benedikt: nutzt die Maschinen, denn dafür sind sie da! Und das bedeutet: Auch Kreative, Geistesarbeiter, Redakteure, Journalisten sollten denken, wie Hacker. Hacker ist für mich ein wertfreier bis positiver Begriff. Hacker nutzen Technik so vollständig wie möglich aus. Genau wie die berühmten investigativen Journalisten lassen sich sich nicht von irgendwelchen, willkürlichen Regeln aufhalten, die angeblich vorschreiben, wie wir mit Information umzugehen hätten.</p>
<p>In den Algorithmen von Google, den Tiefen der Wikipedia und dem Fluss von Zeichen auf Twitter steckt viel mehr, als die &#8220;vorschriftsmäßige&#8221; Nutzung dieser Werkzeuge offenbaren würde. Die Antwort der Publizisten und Journalisten auf Nachrichten-Aggregatoren wie Google News sollte ein Ruf sein: Hurrah! Endlich befreit uns jemand davon, langweilige Agenturmeldungen umzuschreiben, endlich nimmt uns eine Maschine ab, was in Wahrheit noch nie wertvolle Arbeit gewesen ist. Statt wie die Weber die neuen Webstühle zu sabotieren, sollten wir sehen, dass wir das beste aus der neuen Technik herausholen &#8211; die Technik zu unserem Sklaven machen, denn Pandoras Box ist geöffnet und die daraus entwichenen <em>Automatoi</em> lassen sich nicht wieder einfangen.</p>
<p><img src="/wp-content/uploads/technische_sklaven3.jpg" alt="" /><br />
<small>Technische Sklaven und Büchse der Pandora.</small></p>
<p><!--Turing Test Leistung Wirkung Wozu noch Verlage --> </p>
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		<title>Eine kleine Ikonographie der Slow Media</title>
		<link>http://www.slow-media.net/eine-kleine-ikonographie-der-slow-media</link>
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		<pubDate>Fri, 23 Jul 2010 12:18:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>sabria</dc:creator>
				<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
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		<description><![CDATA[[Klick auf die Motive führt zur Quelle] Seit kurzem gibt es eine weitere russische Übersetzung unseres Manifestes. Sie ist mit einem &#8211; wie ich finde &#8211; großartigen Bild illustriert, ein Foto (wohl eher: eine Fotomontage), die echt und natürlich wirkt und irritierend zugleich. Eine fliegende Schildkröte. Sie fliegt wirklich: Weil sie tatsächlich echte Flugbewegungen macht. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><small> [Klick auf die Motive führt zur Quelle] </small></p>
<p><a href="http://civicua.org/news/view.html?q=1432280"><img class="size-full wp-image-2206    alignleft" style="margin: 12px;" title="fliegende Schildkröte" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/fliegende-Schildkröte1.jpg" alt="" width="231" height="200" /></a></p>
<p>Seit kurzem gibt es eine weitere russische Übersetzung unseres  Manifestes. Sie ist mit einem &#8211; wie ich finde &#8211; großartigen Bild  illustriert, ein Foto (wohl eher: eine Fotomontage), die echt und  natürlich wirkt und irritierend zugleich. Eine fliegende Schildkröte.  Sie fliegt wirklich: Weil sie tatsächlich echte  Flugbewegungen macht. Nur dass Schildkröten diese echten  Flossen/Flügelbewegungen üblicherweise nicht in der Luft machen, sondern  unter Wasser, in den Tiefen des Meeres. Alle kennen wir die Bilder von  durchs Blau <a href="http://www.youtube.com/watch?v=99kLzRjG-LA&amp;feature=youtube_gdata">schwebenden </a>Schildkröten.  Daher die Vertrautheit des Motives, die durch den  veränderten Kontext befremdet. Diese Befremdung ist bei genauerer Betrachtung eine doppelte: Denn schon die echten Flossenbewegungen unter Wasser irritieren, weil sie den Betrachter so frappierend ans Fliegen erinnern. Es handelt sich also bei besagtem Bild im Grunde um die Rückprojektion einer Bewegung von den Meerestiefen in luftige Höhen &#8211; eine geniale Motivmechanik.</p>
<p>Dieses Bild ist Grund und Anlass genug, ein wenig Rückschau zu halten auf die inzwischen stattliche Tradition der Slow Media-Illustration. Denn: Das redaktionelle Konzept der rezensierenden Medien verlangt verschiedentlich nach Abbildungen.  Aber wie bitte bildet man ein Thema wie Slow Media ab?</p>
<p>Einige Tage zuvor hatte bereits eine russische Publikation folgendes Motiv aus dem Hut gezaubert:</p>
<p><a href="http://www.chaskor.ru/article/medlennye_media_18335"><img class="size-medium wp-image-2205 alignnone" title="krötenwandlung" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/krötenwandlung-300x270.jpg" alt="" width="219" height="196" /></a></p>
<p>Interessant daran ist &#8211; neben der Tatsache, dass es sich hierbei auch um eine (zumindest halbe) Schildkröte handelt &#8211; das Motiv der Wandlung. Im Moment des Sprungs verwandelt sich die Schildkröte in ein Kaninchen. Ob damit wohl die Domestizierung der Medien gefordert wird? Oder zumindest die Zähmung einzelner Medien? Und: Ist es eine Verbesserung von einer Schildkröte zu einem Kaninchen zu werden?</p>
<p>Dem Schildkrötenmotiv liegt  vermutlich das Emblem zugrunde, das wir ursprünglich als Motiv für unser <a href="../slow-media-camp-2010">Slow Media  Camp</a> in Böblingen gewählt haben. Es zeigt eine geflügelte  Schildkröte. Die Schildkröte hat in der Slow Media Rezeptionsgeschichte zunehmend die ursprüngliche Bild-Assoziation &#8220;Schnecke&#8221; abgelöst.</p>
<p>So illustrierte Bruder Richard Maria Kuchenbuch seinen Beitrag &#8220;Wird das Internet benediktinisch?&#8221; mit einer benediktischen Schnecke:</p>
<p><a href="http://abtei-muensterschwarzach.de/ams/startseite/Nachrichten/index.html?f_action=show&amp;f_newsitem_id=14821"><img class="size-medium wp-image-2216 alignnone" title="benediktinische Schnecke" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/benediktinische-Schnecke-257x300.jpg" alt="" width="197" height="229" /></a></p>
<p>Uni.de wartete mit der Variante &#8220;Schnecke auf Maus&#8221; auf (honni soit qui mal y pense):</p>
<p><a href="http://uni.de/redaktion/slowmedia"><img class="alignnone size-full wp-image-2227" title="schnecke auf maus klein" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/schnecke-auf-maus-klein1.jpg" alt="" width="236" height="233" /></a></p>
<p>Und Heute.de entschied sich für die Version &#8220;Schnecke auf Tastatur&#8221;:</p>
<p><a href="http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/18/0,3672,8025042,00.html"><img class="alignnone size-medium wp-image-2218" title="schnecke auf tastatur zdf" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/schnecke-auf-tastatur-zdf-300x186.jpg" alt="" width="278" height="172" /></a></p>
<p>Die Slow Media Bilderstrecke bei 1LIVE hingegen wurde angeführt von einer gescribbelten Prozessionsschnecke:</p>
<p><a href="http://www.wdr.de/Fotostrecken/einslive/magazin/Specials/2010/02/slow_media_faxe_100225.jsp?hi=Magazin">:<img class="alignnone size-medium wp-image-2221" title="1live Schneckenpost" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/1live-Schneckenpost-300x130.jpg" alt="" width="313" height="136" /></a></p>
<p>Während Nilesh Zacharias in seinem Blog die Schnecke als Verkehrszeichen plaziert:</p>
<p><a href="http://digitallynumb.com/post/441316118/transcending-the-digital-vortex-why-slowing-down-is "><img class="alignnone size-full wp-image-2225" title="schwarzgelb klein" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/schwarzgelb-klein.jpg" alt="" width="146" height="141" /></a></p>
<p>Womit wir bei einer weiteren Motivgruppe wären, der Verkehrgeschwindigkeit. Sie unterteilt sich in die motivgeschichtlich verwandten Unterkategorien &#8220;Bodenbeschriftung&#8221;, &#8220;Verkehrszeichen&#8221; und &#8220;Sonstige&#8221;.</p>
<p>Hierzu einige Beispiele:</p>
<p>In dem Beitrag &#8220;Slow Media als einen Beitrag zur höheren Kundenorientierung&#8221; finden wir diese Abbildung:</p>
<p><a href="http://www.media-treff.de/index.php/2010/01/05/slow-media-als-einen-beitrag-zur-hoheren-kundenorientierung/"><img class="alignnone size-medium wp-image-2230" title="slow kondenorientierung klein" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/slow-kondenorientierung-klein-300x300.jpg" alt="" width="214" height="214" /></a></p>
<p>Auf gleicher Linie liegt dieses Beispiel aus einem italienischen Blog:</p>
<p><a href="http://www.milanox.eu/content/slow-media"><img class="alignnone size-medium wp-image-2232" title="slow italienisch klein" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/slow-italienisch-klein-300x185.jpg" alt="" width="229" height="141" /></a></p>
<p>Der Unterkategorie Verkehszeichen gehört das Bild an, das unser Interview bei den Netzpiloten zierte:</p>
<p><a href="http://www.netzpiloten.de/2010/01/08/interview-blumtritt-koehler-slow-media-manifest/"><img class="alignnone size-medium wp-image-2233" title="speed limit" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/speed-limit-300x263.jpg" alt="" width="300" height="263" /></a></p>
<p>Ähnlich operiert der Dissentertainment-Blog, zudem garniert mit einem Don Quichote-Zitat:</p>
<p><a href="http://dissentertainment.com/2010/03/29/slow-down-you-move-too-fast/"><img class="alignnone size-medium wp-image-2235" title="slow down you move too fast" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/slow-down-you-move-too-fast-275x300.jpg" alt="" width="275" height="300" /></a></p>
<p>Sogar Slow Media Skepsis lässt sich motivlich mit Verkehrsmitteln ausdrücken:</p>
<p><a href="http://www.marcus-boesch.de/post/314613263/dieses-slow-media-manifest"><img class="alignnone size-medium wp-image-2246" title="umgekippter zug klein" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/umgekippter-zug-klein-300x217.jpg" alt="" width="265" height="191" /></a></p>
<p>Zur Verkehrsunterkategorie &#8220;Sonstige&#8221; gehört möglicherweise auch die Slow Media Illustration des WDR5 Funkhaus Wallrafplatz: Handelt es sich hier um die Visualiserung einer Datenautobahn?</p>
<p><a href="http://www.wdr5.de/sendungen/funkhaus-wallrafplatz/s/d/15.05.2010-09.20.html"><img class="alignnone size-medium wp-image-2249" title="funkhaus wallraffplatz" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/funkhaus-wallraffplatz-300x138.jpg" alt="" width="300" height="138" /></a></p>
<p>Andere Illustrationen stehen für sich und sind keiner Gruppe zuzuordnen. So zum Beispiel das Near Future Laboratory, das mit einer Konstruktionszeichnung des hauseigenen &#8220;Slow Messengers&#8221; illustriert:</p>
<p><a href="http://www.nearfuturelaboratory.com/2010/06/29/slow-media-manifesto/"><img class="alignnone size-medium wp-image-2251" title="slow messenger" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/slow-messenger-300x253.jpg" alt="" width="318" height="268" /></a></p>
<p>Einen ganz anderen und ganz und gar untechnischen Ansatz wählt Joe Grobelny in seinem Beitrag „Slowness, Silence, Plants, and why I took Facebook off of my Iphone“:</p>
<p><a href="http://birdswithteeth.wordpress.com/2010/06/28/slowness-silence-plants-and-why-i-took-facebook-off-of-my-iphone/"><img class="alignnone size-medium wp-image-2252" title="spontaeity" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/spontaeity-300x198.jpg" alt="" width="326" height="215" /></a></p>
<p>Und manches sieht auch völlig ohne Illustration einfach nur cool aus:</p>
<p><a href="http://www.wired.com/beyond_the_beyond/2010/06/the-slow-media-manifesto/"><img class="alignnone size-full wp-image-2271" title="beyond the beyond" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/beyond-the-beyond1.jpg" alt="" width="375" height="156" /></a></p>
<p>Das wäre dann, nun ja, slow media beyond iconography&#8230;</p>
<p>_____________________________________________________</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Nachtrag</span>:</p>
<p>Da habe ich heute Nachmittag doch glatt bei der Rezeptionsgeschichte die Skandinavier vergessen. Dabei haben sie eine so schöne eigene Bildsprache &#8211; weniger Verkehrwesen, weniger Tier, dafür mehr Mensch und Körper&#8230; Bitte sehr:</p>
<p>Ein Mensch, ein Buch &#8211; das ist für diesen norwegischen Beitrag Slow Media (&#8220;Kvalitet&#8221; und &#8220;konsentrasjon&#8221;):</p>
<p><a href="http://fom.no/sider/tekst.asp?side=622"><img class="alignnone size-medium wp-image-2279" title="langsomme medier" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/langsomme-medier-300x221.jpg" alt="" width="317" height="233" /></a></p>
<p>Und ein körpersprachlich sehr schönes Bild für die Ich-Erschöpfung, die Slow Media notwendig macht, findet die Ankündigung zu unserem Interview mit dem norwegischen Rundfunk:</p>
<p><a href="http://www.nrk.no/programmer/radio/kurer/1.7089914"><img class="alignnone size-medium wp-image-2280" title="trett av nett" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/trett-av-nett-300x206.jpg" alt="" width="329" height="226" /></a></p>
 <img src="http://www.slow-media.net/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?view=1&post_id=2179" width="1" height="1" style="display: none;" />]]></content:encoded>
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		<title>Ein Lob auf das Sommerloch!</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Jul 2010 11:54:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jbenno</dc:creator>
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		<description><![CDATA[„Hier saß ich, wartend, – doch auf Nichts,/ Jenseits von Gut und Böse, bald des Lichts/ Genießend, bald des Schattens, ganz nur Spiel,/ Ganz See, ganz Mittag, ganz Zeit ohne Ziel.“ So zitiert der Rheinische Merkur Nietzsches Fröhliche Wissenschaft für ihr Lob des Sommerlochs. Saure Gurken ZeitAuch hier lohnt sich &#8211; wie so oft &#8211; [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>„Hier saß ich, wartend, – doch auf Nichts,/ Jenseits von Gut und Böse, bald des Lichts/ Genießend, bald des Schattens, ganz nur Spiel,/ Ganz See, ganz Mittag, ganz Zeit ohne Ziel.“</em><br />
So zitiert der Rheinische Merkur Nietzsches Fröhliche Wissenschaft für ihr Lob des Sommerlochs.</p>
<table style="float: left; padding-right:10px;" width="40%">
<tbody>
<tr>
<td><img src="/wp-content/uploads/gurken.jpg" alt="" width="100%" /></td>
</tr>
<tr>
<td><strong>Saure Gurken Zeit</strong><br/>Auch hier lohnt sich &#8211; wie so oft &#8211; der Blick in die Wikipedia: &#8220;Die ungarische Sprache kennt diesen Begriff ebenfalls als uborkaszezon (Gurkensaison).&#8221;<br/>&nbsp;<br/>Nicht zu vergessen sind auch die <strong>Hundstage</strong>, benannt nach dem Stern Sirius im Sternbild Großer Hund, das man genau in den heißesten Tagen im August am Himmel in unseren Breiten beobachten kann. Und in Russland heißen dann auch die Sommerferien каникулы.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
</table>
<p><a href="http://maps.google.com/maps?f=q&amp;source=s_q&amp;hl=en&amp;geocode=&amp;q=Sommerloch,+Germany&amp;sll=37.0625,-95.677068&amp;sspn=37.819897,79.013672&amp;ie=UTF8&amp;hq=&amp;hnear=Sommerloch,+Bad+Kreuznach,+Rhineland-Palatinate,+Germany&amp;ll=49.875251,7.749481&amp;spn=0.015045,0.054932&amp;t=h&amp;z=15">Sommerloch</a> liegt im Kreis Bad Kreuznach. Im Rheinland gibt es einige &#8220;Löcher&#8221; &#8211; oft düstere Gedanken weckend: <a href="http://www.schlosssoergenloch.de/">Sörgenloch</a> etwa.</p>
<p>Wie uns Wikipedia <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sommerloch_(bei_Bad_Kreuznach)">belehrt</a>, bezeichnet das Loch im Rheinland eine feuchte Mulde &#8211; anders als in Süddeutschland, wo Flurnamen mit Loch meist auf eine <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lochham">Lohe</a>, einen Wald hinweisen, also auf eine Gründung zur Rodungszeit im Hochmittelalter.</p>
<p>Seinem Namen als Medienphänomen alle Ehre machend, sieht man das <a href="http://portal.gmx.net/sidbabhdgc.1279284130.4043.zmde3oixyk.75.edg/de/themen/nachrichten/panorama/6390760-Was-passiert-wenn-nichts-passiert.html">Ortsschild von Sommerloch</a> oft in bemüht lustig gemeinten Metonymien, wenn Journalisten in ungewohnt selbstkritischer Weise berichten wollen, dass es im Augenblick nichts zu berichten gibt.</p>
<p>Das Sommerloch entsteht, weil die Parlamente, die meisten Wirtschaftsfunktionäre und auch die Bundesliga Urlaub nehmen. Und weil man in der Presse dann auch nichts mehr zu sagen hatte, entwickelte sich die Tradition, absurde Boulevard-Themen in aufgeregter Weise wichtig zu schreiben.</p>
<p>&#8220;Solange die Minister [in ihrer Sommerlektüre] lesen, können sie nicht in Mikrofone reden.&#8221; schreibt der <a href="http://www.merkur.de/2010_27_Liegen_lernen.43383.0.html">Rheinische Merkur in seinem schönen Lob</a> des Sommerlochs und denkt weiter, wie erholsam es ist, wenn wenigstens in den vier bis sechs Wochen der Feragosto den Mandats- und Leistungsträgern unserer Gesellschaft der Satz erlaubt wird: „Ich weiß es nicht, ich muss über dieses komplizierte Problem erst noch einmal nachdenken!“</p>
<p>&#8220;Liegen lernen&#8221;. Ein wehmütiger Wunsch nach Verlangsamung, auch nach einem Publikum, dass akzeptiert, wenn Menschen nichts zu sagen haben:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wahrscheinlich bleibt die Sehnsucht nach Nachdenklichkeit ungestillt, wie in den Jahren zuvor. Die Sommerinterviews samt Erwiderungsritual von „Morgenmagazin“ bis „Nachtjournal“ sind sind so sicher wie Elsas Dahinscheiden im Kielwasser des Schwans. Doch Reisende geben nicht auf.<br />
Rheinischen Merkur, zu erkennen, wie stark in Wahrheit das Publikum selbst.&#8221;</p></blockquote>
<p><!--Routen Verlage--> </p>
 <img src="http://www.slow-media.net/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?view=1&post_id=1999" width="1" height="1" style="display: none;" />]]></content:encoded>
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		<title>Routen</title>
		<link>http://www.slow-media.net/routen</link>
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		<pubDate>Tue, 13 Jul 2010 11:30:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benedikt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Miscellen]]></category>
		<category><![CDATA[Slow theory]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[So wenig als möglich sitzen; keinem Gedanken Glauben schenken, der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung - in dem nicht auch die Muskeln ein Fest feiern. (Friedrich Nietzsche) Gestern passten endlich einmal wieder Terminkalender und Wetter zusammen, so dass ich mit dem Fahrrad die insgesamt 34km zur Arbeit und wieder zurück fahren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>So wenig als möglich sitzen;<br />
keinem Gedanken Glauben schenken,<br />
der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung -<br />
in dem nicht auch die Muskeln ein Fest feiern.<br />
</em>(Friedrich Nietzsche)</p>
<p>Gestern passten endlich einmal wieder Terminkalender und Wetter zusammen, so dass ich mit dem Fahrrad die insgesamt 34km zur Arbeit und wieder zurück fahren konnte.  Ein bisschen ist das Fahrradfahren durch die Stadt wie das Flanieren &#8211; wenn man sich die Zeit dafür nimmt und auch nach rechts und links schaut. Ist Walter Benjamin ein Radler gewesen? Ich denke nicht. Aber zu Benjamins Zeit waren die Autos wohl eher das, was die Räder heute sind.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/lorettoplatz_01.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2106" title="lorettoplatz_01" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/lorettoplatz_01.jpg" alt="" width="500" height="237" /></a></p>
<p>Besonders angenehm ist an einem solchen Sommertag mit Temperaturen über 30 Grad natürlich die Fahrt aus der Stadt hinaus. Man spürt mit jedem Kilometer, wie das Städtische weicht. Am Stiglmaierplatz und in der Papenheimstraße spürt man noch ganz deutlich die Stadt (obwohl es gar nicht so lange her ist, dass dort, wo heute der Augustinerbiergarten ist, vor den Toren der Stadt die Verbrecher hingerichtet wurden) und radelt an ehemals staatstragend-repräsentativen Bauwerken wie die massige Oberpostdirektion mit ihrem expressionistischen Gebäudeschmuck vorbei &#8211; heute hat sich irgend ein halbgebildeter Gentrifizierer in der Hoffnung auf zahlungsfreudige Werbeagenturmieter die sinnfreie Bezeichnung &#8220;Art-Deco-Palais&#8221; dafür ausgedacht.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_02.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2100" title="loretto_02" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_02.jpg" alt="" width="500" height="215" /></a></p>
<p>Viel zu oft radelt man in der Stadt in einem Pulk. Hier ist die Bezeichnung &#8220;Individualverkehr&#8221; für das Fahrrad eigentlich gar nicht mehr zutreffend. Die Fahrradkolonne ist in Wirklichkeit schon längst ein öffentliches Personennahverkehrsmittel. Je weiter man sich aber vom Zentrum entfernt, desto mehr Platz hat man zum Fahren. Immer häufiger trifft man auf andere Radfahrer, die nicht in die selbe Richtung fahren, sondern einem entgegenkommen oder den eigenen Weg kreuzen. In der Stadt scheint alles in eine Richtung zu fahren: in die Vorstadt.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_03.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2101" title="loretto_03" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_03.jpg" alt="" width="500" height="268" /></a></p>
<p>Je öfter man denselben Weg zu und von der Arbeit nimmt, desto mehr wird der Weg zur Route, deren Verlauf sich fast schon körperlich in einen hineinschreibt. Meine Route sagt mir genau, an welcher Stelle ich eine Straße überquere und wo ich an einer Ampel stehenbleibe. Sogar die Variationen sind von der Route festgelegt. An mehreren Stellen habe ich die Möglichkeit, von der schnellsten, kürzesten, am besten befahrbaren Route abzuweichen. Aber es sind keine spontan gewählten Veränderungen des Weges, sondern so etwas wie &#8220;Standardabweichungen&#8221;. Alles andere wäre schon Verfahren. An dieser Stelle hat das Radfahren nicht mehr sehr viel mit dem Flanieren zu tun, wie wir uns das aus 160 Jahren Abstand vorstellen. Wahrscheinlich waren aber auch die professionellen Flaneure des 19. Jahrhunderts viel stärker auf ihre jeweiligen Pfade oder Routinen festgelegt als der Begriff des ungezwungenen, ziellosen Flanieren es uns heute suggeriert.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_04.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2102" title="loretto_04" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_04.jpg" alt="" width="500" height="203" /></a></p>
<p>Wer Tag für Tag immer dieselbe Route nimmt und dabei wenigstens ein bisschen flaniert, wird sensibilisiert für alle Veränderungen, die sich auf dem Weg ereignen. Plakate werden überklebt, Häuser werden abgerissen und neu gebaut, Vorstadtidyllen werden zu Hauptverkehrsachsen oder nationalsozialistische Vorzeigesiedlungen verwandeln sich in, nun ja, ehemals nationalsozialistische Vorzeigesiedlungen mit Stoffsegeldekoration und Buddhastatuen. Manche Veränderungen passieren so langsam, dass man sie ohne den Zeitrafferblick des täglichen Vorbeifahrens gar nicht so richtig erkennt.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_05.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2103" title="loretto_05" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_05.jpg" alt="" width="500" height="230" /></a></p>
<p>Die Gleise der ehemalige Straßenbahnlinie 16 zum Beispiel, die noch bis in die 1980er Jahre zum Lorettoplatz gefahren ist, wachsen von mal zu mal dichter zu, bis man sie kaum noch erkennen kann. Jetzt sollen sie endgültig entfernt werden und an ihrer Stelle soll ein Naturlehrpfad entstehen. Nicht dass ich der Meinung wäre, man müsse alles konservieren und auch die ehemalige Verkehrsinfrastruktur, die viel mehr verrät über das Bild der Stadtplaner von ihrer Stadt als die programmatische Literatur des städtischen Bauamts, unter Denkmalschutz stellen. Aber zumindest dokumentieren sollte man die Spuren, die noch übrig geblieben sind von der Zeit, in der man mit der Straßenbahn auf die Gräber gegangen ist und nicht wie heute mit dem Bus. Überhaupt lässt sich der Rückbau des städtischen Schienenverkehrs hin zum Busverkehr an diesem Beispiel sehr deutlich sehen.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_06.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2104" title="loretto_06" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_06.jpg" alt="" width="500" height="236" /></a></p>
<p>Obwohl in diesem Fall die Dokumentation bereits von den <a href="http://www.tram-muenchen.de/geschichte/gh-suedwest.html">Schienenhistorikern</a> übernommen wurde, die vor allem im Internet alle Veränderungen der Verkehrsnetze dokumentieren. Wahrscheinlich treffen sie sich im Kastaniengarten, Münchens gemütlichsten Eisenbahnerbiergarten im Westend mit ordentlicher kroatischer Küche, und tauschen dort ihre Erinnerungen über historische Fahrten aus.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_07.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2105" title="loretto_07" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/loretto_07.jpg" alt="" width="500" height="250" /></a></p>
<p>Irgendwann lässt man dann die Stadt ganz hinter sich und taucht ein in die vorstädtischen Parks wie zum Beispiel den Forstenrieder Park oder Forst Kasten im Südwesten Münchens. Dort ist die Luft zwar noch nicht durchgehend kühler, aber wenigstens fährt man ab und zu durch Flecken, die von der Sonne den ganzen Tag über nicht berührt werden. Oder Flecken, an denen der Boden auch Stunden nach dem Gewitterregen noch aufgeweicht ist und die Pfützen nur langsam verdunsten. Die Luft ist vielfältiger hier. Auch werden die Hunde nicht mehr in Fahrradanhängern durch die Stadt gekarrt, sondern laufen neben den Joggern her.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/wald_01.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2108" title="wald_01" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/wald_01.jpg" alt="" width="500" height="257" /></a></p>
<p>Wenn die Schienen und die Wendeschleife der Tramlinie 16 schon längst verschwunden sind und allenfalls auf Google Maps oder von Luftbildarchäologen erkennbar sind, werden die Spuren der staatlichen Forstwirtschaft immer noch klar sichtbar sein. Die Geräumten Wege des Forstenrieder Parks oder von Forst Kasten werden auch noch die nächsten dreihundert Jahre überdauern, auch wenn es hier nicht mehr darum geht, das Wild dem jagenden Kurfürsten vor das Gewehr zu treiben.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/park_02.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-2107" title="park_02" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/park_02.jpg" alt="" width="500" height="206" /></a></p>
 <img src="http://www.slow-media.net/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?view=1&post_id=2099" width="1" height="1" style="display: none;" />]]></content:encoded>
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		<title>Ovid: Metamorphosen</title>
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		<pubDate>Mon, 12 Jul 2010 19:54:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jbenno</dc:creator>
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		<description><![CDATA[[Read this post in English] Es gibt Texte, von denen man sagt, sie hätten eine Generation geprägt. Bei manchen spricht man gar von &#8220;Jahrhundertwerken&#8220;. Aber die Inhalte zweier Bücher haben unsere sogenannte abendländische Kultur und insbesondere Kunst und Literatur über die letzten zwei Tausend Jahre durchzogen, wie keine anderen: das sind die Bibel und die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><small><a href="http://en.slow-media.net/ovid-metamorphoses"><img src="http://www.galerieroyal.de/wp-content/plugins/langswitch_flags/uk.png" />[Read this post in English]</a></small></p>
<p>Es gibt Texte, von denen man sagt, sie hätten eine <a href="http://www.morgenpost.de/kultur/article1123705/Pina_Bausch_hat_unsere_Generation_gepraegt.html">Generation geprägt</a>. Bei manchen spricht man gar von &#8220;<a href="http://www.faz.net/s/Rub79A33397BE834406A5D2BFA87FD13913/Doc~E1A60F0E3638344078DE5319EA9CBAA21~ATpl~Ecommon~Scontent.html">Jahrhundertwerken</a>&#8220;. Aber die Inhalte zweier Bücher haben unsere sogenannte abendländische Kultur und insbesondere Kunst und Literatur über die letzten zwei Tausend Jahre durchzogen, wie keine anderen: das sind die Bibel und die <strong>Metamorphosen </strong>von Ovid.</p>
<table style="float:left;padding-right:10px;" width=40%>
<tr>
<td><a href="/wp-content/uploads/met_1.jpg"><img src="/wp-content/uploads/met_1.jpg" width=100% /></a></td>
</tr>
<tr>
<td>Claude Lorrain: &#8220;Ariadne auf Naxos&#8221;.<br />&nbsp;<br /><em>„Kommt ein neuer Gott gegangen, hingegeben sind wir stumm!“</em> verspottet Zerbinetta im Libretto von Hugo von Hofmannsthal zu Richard Strauss&#8217; Oper, als sich Ariadne von Bacchus trösten lässt &#8211; und Theseus offenbar schon wieder vergessen hat. Und Bacchus setzt die Krone Ariadnes als Sternbild an den Himmel und der treuen Spinnerin ein ewiges Denkmal:<br />
<em>desertae et multa querenti<br />
amplexus et opem Liber tulit, utque perenni<br />
sidere clara foret, sumptam de fronte coronam<br />
inmisit caelo: tenues volat illa per auras<br />
dumque volat, gemmae nitidos vertuntur in ignes<br />
</em></td>
</tr>
<tr>
<td style="padding-top:18px;"><a href="/wp-content/uploads/met_2.jpg"><img src="/wp-content/uploads/met_2.jpg" width=100% /></a></td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: left;" valign="top">1606 malte Adam Elsheimer diese Illustration zu &#8220;Acis und Galatea&#8221;. Elsheimer übernimmt die große Perspektive der Landschaftsschilderung Ovids und verzichtet komplett auf die Darstellung der Personen.<br />&nbsp;<br />Das Bild, oft auch unter dem Titel &#8220;Aurora&#8221; genannt, gilt als die erste reine Landschaftsmalerei &#8211; so modern, dass spätere Zeitgenossen doch noch Figuren an den linken Rand setzten.</td>
</tr>
<tr>
<td style="padding-top:18px;"><a href="/wp-content/uploads/met_3.jpg"><img src="/wp-content/uploads/met_3.jpg" width=100% /></a></td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: left;" valign="top">Die alchimistische Prachthandschrift <em>Splendor Solis</em> aus dem 16. Jahrhundert &#8211; hier aus dem Berliner Kupferstichkabinett &#8211; zeigt den Weg zum Stein der Weisen in zweiundzwanzig Miniaturen, die als Pforten, wie von Mauerwerk umrahmt, den Blick auf den jeweils nächsten Raum chymischer Erleuchtung freigeben. Auch die Miniatur zur 11. Pforte, <em>Läuterung im Kessel der Wiedergeburt</em>, verweist direkt auf Ovid: das Relief in der Basis der Säule rechts zeigt <a href="http://www.snpp.com/episodes/BABF12 ">Pygmalion</a> bei der Schaffung seiner Traumfrau.<br />&nbsp;<br />Im alchimistischen Text zu diesem Bild findet sich eine Umschreibung von &#8216;Medea und Pelias&#8217;: <br />&nbsp;<br /><em>&#8220;Das siebte Gleichnis: Ovidius der alte Römer hat dergleichen angezeigt: von dem weisen Alten der da wollte sich wiederum verjüngen. Er sollte sich lassen zerteilen und kochen, bis zu seiner vollkommenen Kochung und nicht mehr &#8230;&#8221;</em>. Freilich erging es dem armen Pelias dabei nicht gut: die grausame Medea hatte statt ihres Zaubertrankes nur wirkungslose Käuter in den Kessel gegeben!</td>
</tr>
<tr>
<td style="padding-top:18px;"><a href="/wp-content/uploads/met_4.jpg"><img src="/wp-content/uploads/met_4.jpg" width=100% /></a></td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: left;" valign="top">Nicolas Poussins &#8220;Midas und Bacchus&#8221; aus der Münchner Pinakothek sinkt in Reiner-Werner Fassbinders Kammerspiel &#8220;Die bitteren Tränen der Petra von Kant&#8221; zur Fototapete im Schlafzimmer der Protagonistin ab. Die reiche Modedesignerin Petra von kant kann man dadurch unschwer als moderne Variante des Königs sehen, der zwar alles zu Gold werden lässt, was er berührt, darob aber ums Haar verhungert und verdurstet.</td>
</tr>
<tr>
<td style="padding-top:18px;"><a href="/wp-content/uploads/met_5.jpg"><img src="/wp-content/uploads/met_5.jpg" width=100% /></a></td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: left;" valign="top">Polyphem / Triumph der Galatea von Raffael und Schülern.<br />&nbsp;<br />Agostino Chigi, der reichste Mann des 16. Jahrhunderts erbaute auf dem linken Tiberufer seine römische Residenz, die heute nach ihrem späteren Besitzer als &#8220;Villa Farnesina&#8221; benannt ist. Chigi hatte den Palast für sich und seine Geliebte, die Venezianerin Francesca Ordeaschi. Das bemerkenswerte an dieser Beziehung ist, dass es sich wohl tatsächlich um eine reine Liebesbeziehung gehandelt haben muss &#8211; vollkommen unstandesgemäß, die Braut im Rufe einer Kurtisane, wurde diese Liebe durch Papst Leo X. schließlich zur Ehe legitimiert.<br />&nbsp;<br />Die Villa lies Chigi durch Raffael und dessen Schule mit Fresken zu Ovids Metamorphosen ausstatten. Das durchgehende Motiv: die Liebe. Mit am berühmtesten ist Raffaels &#8220;Triumph der Galatea&#8221;.<br />&nbsp;<br />Ovids Episode ist auf der einen Seite &#8211; wie das Bild Elsheimers es gut umsetzt &#8211; voll luftiger Schönheit, auf der anderen Seite finden wir auch Momente von geradezu humoristischer Fallhöhe:<br />&nbsp;<br />Der ungeschlachte Zyklop Polyphem nämlich versucht seine angebetete Galatea &#8211; die Milchweiße, wie sich der Name schließlich wörtlich liest &#8211; mit süßen Worten auf seine Seite zu bringen:<br />
&#8220;Weißer als das Blatt des schneeweißen Ligusters, Galatea, blühender als Wiesen, schlanker als eine aufstrebende Erle, &#8230; , spielerischer als ein zartes Zicklein (!), glatter als beständig vom Meer gescheurte Muscheln, &#8230;, schimmernder als Eis, süßer als eine reife Traube, weicher als Schwanenflaum und weißer als Käse &#8230;&#8221; (deutsch von Michael von Albrecht)<br />&nbsp;<br />
<em>&#8220;Candidior folio nivei Galatea ligustri,<br />
floridior pratis, longa procerior alno,<br />
&#8230;, tenero lascivior haedo,<br />
levior adsiduo detritis aequore conchis,<br />
&#8230;<br />
lucidior glacie, matura dulcior uva,<br />
mollior et cycni plumis et lacta coacto; &#8230;&#8221;</em></td>
</tr>
<tr>
<td style="padding-top:18px;"><a href="/wp-content/uploads/met_6.jpg"><img src="/wp-content/uploads/met_6.jpg" width=100% /></a></td>
</tr>
<tr>
<td style="text-align: left;" valign="top">
&#8220;Metamorphose in der Not&#8221;, die Paul Klee kurz vor seinem Tod 1939 zeichnete, verbildlicht die Hoffnung auf Befreiung vom unheilbar kranken Leib, von einer Umwandlung in ein anderes Wesen &#8211; durch das Mitleid der Götter, wie bei Ovid. Klee starb 1940 nach langem Leiden an einer unheilbaren Krankheit.</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Geschrieben kurz nach der Zeitenwende, blieben Ovids &#8220;Fünfzehn Bücher der Verwandlung&#8221; mehr oder weniger durchgehend bis ins neunzehnte Jahrhundert <em>der</em> Grundstoff für Literatur, Theater, Bildhauerei und besonders die Malerei. Von <a href="http://www.courses.fas.harvard.edu/~chaucer/teachslf/manc-par.htm#TALE">Geoffrey Chaucer</a>, <a href="http://www.maximumedge.com/shakespeare/midsummernightsdream_act_I_scene_II.htm">William Shakespeare</a> bis zu  <a title="Ted Hughes" href="http://www.qldshakespeare.org/Metamorphoses/METAM_b_V2.jpg">Ted Hughes</a> und den Simpsons, von Adam Elsheimer, Claude Lorrain, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Kein_Rubens">Peter Paul Rubens</a> bis <a href="http://www.thinkingardens.co.uk/Little%20Sparta%20Ambra.html">Ian Hamilton Finley</a>; Tausende von Kunstwerken.</p>
<p>Bereits im 13. Jahrhundert in viele mittelalterliche Volkssprachen übertragen, sind es in Wahrheit meist Erzählungen aus den Metamorphosen, welche man so gemeinhin als die &#8220;Griechisch-Römische Mythologie&#8221; bezeichnet.</p>
<p>Es ist kein Wunder, dass gerade die Malerei so sehr von Ovid beeinflusst wurde. Die Geschichten sind so ungemein Bildhaft, ja geradezu ikonisch, wenn vom Beginn der Welt bis zum Tod Caesars mehr als zweihundertfünfzig Charaktere ihre Gestalt wandeln (oder in neue Gestalt verwandelt werden) &#8211; aus einem Menschen, einem Faun oder einer Nymphe werden Flüsse, Gebirge, alle möglichen Tiere. Aber die Qualität von Ovids Erzähl- und Dichtkunst ist nicht auf eingängige Schilderungen bekannter oder abseitiger Mythen beschränkt.</p>
<p>Die einzelnen Episoden der Verwandlungen beginnen typischer Weise in einer großartigen Totalen, in der unser Blick wie aus weiter Entfernung über die Landschaft gleitet, die sich in der Ferne im Dunst verliert. Wie zufällig entsteht am Bildrand der Ort der eigentlichen Handlung, die Helden tauchen auf, und wir kommen immer näher, bis wir vollständig teilhaben, an den Gedanken und Gefühlen der Handelnden. Und aus diesen Gefühlen motiviert sich dann das Verhalten der Personen, die in genau diesem Augenblick auf den Wendepunkt ihres Lebens zustreben. Fast in allen Geschichten ist die Antriebskraft der Handlung die Liebe. Unerfüllte Liebe, Eifersucht auf die glücklich Liebenden, oder auch Mutter- und Vaterliebe; das Ende meist tragisch und voll drastischer Grausamkeit &#8211; aber nicht selten werden die unglücklichen Helden von einer nachsichtigen Gottheit gerade durch die Verwandlung aus ihrer Not befreit.<br />
***</p>
<p>Über dieser ersten, erzählerischen Ebene mit den drei Handlungsperspektiven &#8211; psychologisches Innenleben der Helden, äußere &#8220;Spiel-&#8221;Handlung und Schilderung des Ortes und der Landschaft &#8211; liegt eine zweite, metaphorische Schicht. Hier sehen wir im Seelenleben der handelnden Personen das allgemein Menschliche: Sehnsucht, Freude, Schmerz, Trauer und Trost. Gut und Böse sind selten klar, vielmehr können wir meist mit beide Seiten fühlen, da Ovid sein Handlungspersonal derart empatisch schildert und nicht selten sogar direkt im Text zu Mitgefühl aufruft.</p>
<p>Eine dritte Ebene kann man allegorisch lesen. Um unsere Umwelt zu begreifen, bedienen wir uns Bildern, da die &#8220;Dinge ansich&#8221; für uns gar nicht direkt fassbar sind. <a href="http://www.zeno.org/Philosophie/M/Nietzsche,+Friedrich/%C3%9Cber+Wahrheit+und+L%C3%BCge+im+au%C3%9Fermoralischen+Sinn">Nietzsche spricht</a> von einer &#8220;Metamorphose der Welt in den Menschen&#8221; hinein. Fast alle Verwandlungsgeschichten bei Ovid erklären bildhaft geografische, biologische oder phyisikalische Phenomäne und machen abstrakte Vorstellungen und philosophische Begriffe sichtbar.</p>
<p>Die Verwandlung als Prinzip der Schöpfung wurde so schließlich ein Gerüst der Alchimie im Mittelalter und der frühen Neuzeit. Ovids Metamorphosen lasen die Adepten der chimischen Kunst als das ineinander Überführen von Materie, von einem Zustand zum Nächsten. Allegorische Schemata, nach denen wir die Welt erkennen können, bieten die fünfzehn Bücher der Verwandlung bis heute. Zum Beispiel unsere Vorstellung von &#8220;Chaos&#8221; als abstraktem Begriff leitet sich direkt aus dem eindrucksvollen Anfang des ersten Buches ab:</p>
<p><em>Ante mare et terras et quod tegit omnia caelum /<br />
unus erat toto naturae vultus in orbe, /<br />
quem dixere Chaos: rudis indigestaque moles, /<br />
nec quicquam nisi pondus iners congestaque eodem /<br />
non bene iunctarum discordia semina rerum.</em></p>
<p>Bevor es das Meer, das Land und den Himmel gab, der alles schützt, /<br />
hatte die Natur überall ein einheitliches Gesicht, /<br />
zu dem sagte man Chaos: eine rohe, ungeordnete Masse, /<br />
nichts als träges Gewicht und auf einen Haufen /<br />
die nicht gut zusammengefügten, widerstreitenden Samen der Dinge.<br />
***</p>
<p>Die zahlreichen literarischen Übersetzungen der Metamorphosen sind oft viel mehr in ihrer eigenen Zeit verhaftet, als das Original. Auf Deutsch ist das z. B. die viel zitierte <a href="http://gutenberg.spiegel.de/?id=12&amp;xid=1985&amp;kapitel=2&amp;cHash=8a4515a5932">Übertragung</a> von Joh. Heinrich Voß, dessen Verse die dichte lateinische Grammatik mit betulichen Füllwörtern und Einschüben auffüllen, um das Versmaß wenigstens einigermaßen einhalten zu können. Das Ergebnis liest sich heute staubig und unfrisch.  Es ist doch bemerkenswert, wie die Jahrhunderte seit Ovids Zeit inzwischen veraltet und ins Geschichtliche abgesunken sind!</p>
<p>Besser sind moderne, <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3150013607?ie=UTF8&amp;tag=wwweigenarbeo-21&amp;creativeASIN=3150013607">texttreue Übersetzungen</a>, schon alleine, weil dort die Möglichkeit besteht, auf dichterische Besonderheiten hinzuweisen, die bei einer literarischen Übertragung stets wegfallen müssen.</p>
<p>Ovids Worte selbst aber sind nach mehr als zweitausend Jahren unverändert schön und berührend.</p>
<p><!--kw=Epitaphien Geschichte Thesaurus--> </p>
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		<title>Das heimliche Leben der Epitaphien</title>
		<link>http://www.slow-media.net/das-heimliche-leben-der-epitaphien</link>
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		<pubDate>Sun, 04 Jul 2010 08:19:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benedikt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>

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		<description><![CDATA[Non est mortua sed dormit (Lk 8, 52) Ein paar feste Wahrheiten gibt es doch noch. Dazu gehört zum einen, dass wir, die heute erwerbstätige Generation, im Alter nicht von unserer Rente werden leben können. Zum anderen werden nach unserem Tod keine Epitaphien aus Marmor, Kalkstein oder Grüntenstein gemeißelt werden, die uns in liegender oder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>Non est mortua sed dormit<br />
<span style="font-style: normal;">(Lk 8, 52) </span></em></p>
<p>Ein paar feste Wahrheiten gibt es doch noch. Dazu gehört zum einen, dass wir, die heute erwerbstätige Generation, im Alter nicht von unserer Rente werden leben können. Zum anderen werden nach unserem Tod keine Epitaphien aus Marmor, Kalkstein oder Grüntenstein gemeißelt werden, die uns in liegender oder knieender Haltung für die Ewigkeit repräsentieren. Manchmal auch als von Würmern und Maden umgebener verwesender Leichnam. Anders als der Super8-Film oder die Tageszeitung, die immerhin noch für einen Liebhaberkreis am Leben erhalten werden, gehört das Epitaph wirklich zu den <a href="http://www.slow-media.net/rote-liste-der-bedrohten-medien">ausgestorbenen Medien</a>.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/epitaph_07.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1915" title="epitaph_07" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/epitaph_07.jpg" alt="" width="450" height="151" /></a></p>
<p>Epitaphien erzählen dem, der bereit ist, ihnen zuzuhören, große Geschichten, in denen sich der kleine Maßstab des irdischen Strebens der Menschen, der sehr viel größere Maßstab der Geschichte und schließlich der größte Maßstab des Ewigen berühren. Erst relativ spät, ab dem 17. Jahrhundert, begann die Individualisierung der Grabmäler. Bis dahin reichte es, den Verstorbenen mit typischen Symbolen seines Standes auszuschmücken. Es gab noch keinen Grund, den Verstorbenen aus dem großen Totentanz, der vom Bettler bis zum Papst jeden einbezogen hat, hervorzuheben. Der Bischof war Bischof und der Ritter war Ritter.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/epitaph_04.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1920" title="epitaph_04" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/epitaph_04.jpg" alt="" width="450" height="174" /></a></p>
<p>Aber die Ablehnung des user-generated contents des menschlichen Lebens war nicht absolut. Immer wieder wurde die ewige Welt der Grabmäler von der &#8220;ansteckenden Kraft des Bildnisses&#8221;, wie Ariès das so schön ausdrückt, irritiert. Identitäten rückten an den Platz, der den anonymen Personen vorbehalten war. Einzelne Epitaphien bildeten auf einmal nicht mehr die große Erzählung von der Ordnung der Welt ab, sondern die kleine Erzählung eines <a href="http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2010/06/23/moderne-und-absolutismus-2-der-fuerstbischof.aspx">Fürstbischofs</a>, Domvikars oder Kanonikers:</p>
<blockquote><p>Aus den braun erhellten Kirchen<br />
Schaun des Todes reine Bilder,<br />
Großer Fürsten schöne Schilder.<br />
Kronen schimmern in den Kirchen.</p></blockquote>
<p>So heißt es in Georg Trakls Schöner Stadt über den Zauber der Grabmäler und ihre prachtvolle Ausschmückung mit den Insignien der Macht.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/epitaph_06.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1916" title="epitaph_06" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/epitaph_06.jpg" alt="" width="450" height="257" /></a></p>
<p>Über der kleinen Erzählung der Identität und der größeren Erzählung von den Personen und ihren Plätzen in der Ordnung der Welt steht in der Epigraphie die große Erzählung von der ewigen Ordnung. Häufig bleibt der Verstorbene auf seinem Weg in die Ewigkeit nicht allein. Neben ihm stehen Heilige oder Engel, legen ihm die Hand auf die Schulter und begleiten ihn auf seinem letzten Weg.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/epitaph_02.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1937" title="epitaph_02" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/epitaph_02.jpg" alt="" width="450" height="126" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Doch was stellen die Grabmäler eigentlich dar? Den gerade eben verstorbenen Leib? Oder vielleicht doch einen schlafenden Menschen? Ariès ist sich sicher: Die liegenden Figuren mit zum Gebet gefalteten Händen, die <em>gisants</em>, sind keine Leichen, sondern sie schlafen nur:</p>
<blockquote>
<p style="text-align: left;">Die Geste der gefalteten Hände, die sie definiert, hebt jede Mehrdeutigkeit auf: sie ist bei einem seinem Eigengewicht überlassenen Leichnam keineswegs natürlich. Sie erfordert im Gegenteil sogar eine Anstrengung, eine Eigenaktivität, die mit der Totenstarre unvereinbar ist. Sie verleiht ihm eine Art heimliches Leben, ein Leben, das nicht mehr das irdische, sondern das eines fernen Landes, des Landes der ewigen Ruhe ist.</p>
</blockquote>
<p style="text-align: left;">Der Domkreuzgang in Augsburg mit seinen 400 Grabmälern ist also gar nicht als Ort der Verstorbenen zu verstehen, sondern als <a href="http://teenangster.net/2010/05/calke-abbey/">himmlischer Schlafsaal</a>, in dem die Lebendigen über die plastische Vergegenwärtigung von in erster Linie kirchlichen Würdenträger aus 300 Jahren mit dem fernen Land der ewigen Ruhe in Verbindung treten können. Kein Wunder, dass Särge hier viel seltener zu sehen sind als Kopfkissen.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/epitaph_05.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1919" title="epitaph_05" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/epitaph_05.jpg" alt="" width="450" height="231" /></a></p>
<p style="text-align: center;">
<p style="text-align: left;">Wenn man das Glück hat und nicht gerade einer geschwätzigen Domführungsgruppe begegnet, sondern am frühen Morgen den Kreuzgang besucht, dann fangen die Epitaphien tatsächlich an, von ihrer großen Geschichte ihres heimlichen Lebens zu erzählen. Ein Medium, das so langsam ist, das die Zeit aufgehört hat, eine Rolle zu spielen.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/epitaph_01.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1938" title="epitaph_01" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/epitaph_01.jpg" alt="" width="450" height="297" /></a></p>
<p>Der naheliegende Lesetipp zu diesem Thema sind natürlich die <em>Bilder zur Geschichte des Todes</em> von Phillipe Ariès in Kombination mit einen Grabmalführer der Wahl wie zum Beispiel <em>Der Augsburger Domkreuzgang und seine Denkmäler</em> von Karl Kosel.</p>
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		<title>Leistung oder Wirkung?</title>
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		<pubDate>Sat, 03 Jul 2010 10:52:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>jbenno</dc:creator>
				<category><![CDATA[Naturwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Slow theory]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[[Read this post in English] Remember that time is money. Benjamin Franklin, Advice to a Young Tradesman Als Benjamin Franklin mit dem Blitzableiter erst &#8220;dem Himmel den Blitz&#8221; und in der amerikanischen Revolution auch noch &#8220;den Tyrannen das Szepter&#8221; entrissen hatte, konnte kaumnoch irgenjemand an den Worten dieses titanenhaften Helden der Aufklärung zweifeln. Dessen berühmtestes [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><small><a href="http://en.slow-media.net/power-or-action"><img src="http://www.galerieroyal.de/wp-content/plugins/langswitch_flags/uk.png" />[Read this post in English]</a></small></p>
<p style="text-align: right;"><em>Remember that time is money.</em><br />
<small>Benjamin Franklin, Advice to a Young Tradesman</small></p>
<p><img src="/wp-content/uploads/uhr.jpg" alt="" /></p>
<p>Als Benjamin Franklin mit dem Blitzableiter erst &#8220;dem Himmel den Blitz&#8221; und in der amerikanischen Revolution auch noch &#8220;den Tyrannen das Szepter&#8221; entrissen hatte, konnte kaumnoch irgenjemand an den Worten dieses titanenhaften Helden der Aufklärung zweifeln. Dessen berühmtestes Zitat aber hat weder mit Naturforschung noch mit Staatskunst zu tun, sondern stellt eine Regel auf, die für die kommenden zweihundert Jahre das Credo einer effizienzorientierten Wirtschaft werden sollte: &#8220;Zeit ist Geld&#8221;.</p>
<p>Der physikalische Begriff der Leistung <strong>P</strong> ist definiert als Arbeit <strong>W</strong> (beziehungsweise Energie, dann auch mit <strong>E</strong> abgekürzt), die pro Zeiteinheit <strong>t</strong> erbracht (bzw. verbraucht) wird. Damit entspricht die Formel <strong>P = W / t</strong> auch ziemlich gut dem alltagssprachlichen Verständnis von Leistung: fertigt ein Fabrikarbeiter 100 Werkstücke pro Stunde, so erbringt er die doppelte Leistung seines Kollegen, der für die selbe Anzahl zwei Stunden braucht. Und selbstverständlich gehen wir davon aus, dass der erste Arbeiter für seine höhere Leistung auch mehr Lohn erhalten sollte.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/uhr2.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1971" title="uhr2" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/uhr2.jpg" alt="" width="450" height="254" /></a></p>
<p>Und genau da endet auch schon die Analogie von Physik und Wirtschaft. Denn es ist sicher nicht so, dass eine hochbezahlte Führungskraft tatsächlich mehr <em>leistet</em>, als der Angestellte auf Sohle 7 der Unternehmenshierarchie. Diesen Gedanken verfolgt der Blogger und Filmemacher Werner Große in seinem <a href="http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/allwissende-medien/allgemein/2009-04-19/nicht-nur-leistung-und-arbeit-auch-wirkung-muss-sich-wieder-lohnen">Post</a> auf den Wissenslogs. Ein anderer physikalischer Begriff erklärt nämlich viel besser, wonach sich in der post-industriellen Wirtschaftswelt Gehaltsunterschiede idealer Weise gründen: die <em>Wirkung</em>.</p>
<p>Die Wirkung in der Physik ist nicht zu verwechseln mit der Kausalität (Ursache/Wirkung). Wirkung <strong>S</strong> ist hier definiert als Arbeit mal Zeit (bzw. Energie mal Zeit). In Formel</p>
<p style="text-align: center;"><strong>S = E ⋅ t</strong></p>
<p>Die einfachen mathematischen Gleichungen, indenen sich die Begriffe ausdrücken lassen, führen schnell zum Punkt, was das alles mit Slow Media zu tun hat: Nachdem die Leistung gleich Arbeit durch Zeit ist (<strong>P = E / t</strong>), hängen Wirkung und Leistung ebenfalls eng zusammen: <strong>S = P ⋅ t<sup>2</sup></strong><br />
In Worten: ich kann die selbe Wirkung erzielen mit halber Leistung, aber in vierfacher Zeit.</p>
<p>Damit ist klar, dass Leistung, an sich betrachtet, schnell in hirnlose Energieverschwendung mündet  &#8211; Hauptsache viel geschafft! Von anderer Seite betrachtet, wird die Bedeutung der Wirkung noch klarer. Auf ihrer <a href="http://www.eine-weibliche-physik.de/ewp5-physik/ewp54-wirkung/ewp54_wirkung.html">lesenswerten Seite</a> über &#8220;Grundfragen der Physik, neu gestellt und beantwortet von einer Frau&#8221; schreibt Brunhild Krüger:</p>
<blockquote><p>Angenommen, mir stünden 1 kWh an Energie zur Verfügung:<br />
Mit einer Glühlampe, die eine Leistung von 100 Watt hat, könnte ich damit einen Raum für 10 Stunden  ausleuchten. [...] Will ich jedoch nur ein Buch lesen, genügt eine Tischlampe mit 40 Watt, die ich 25 Stunden lang betreiben kann, ehe die verfügbare Energie verbraucht wäre.[...]<br />
<strong>Je geringer die eingesetzte Leistung ist, um so mehr hat man von der vorhandenen Energie.</strong></p></blockquote>
<p>Immer mehr Leistung &#8211; das bedeutet immer mehr Energie in noch kürzerer Zeit zu verbrauchen. Aber in der Regel kommt es doch darauf an, welche Wirkung erzielt wird. Das gilt für Maschinen genau wie für Publikationen. Statt auf Leistung zu pochen, wie in der grauenhaften Diskussion um den sogenannten <em>Leistungsschutz</em> der Verlage, sollten die Publizisten besser dafür sorgen, dass ihre Arbeit <em>Wirkung</em> zeigt.</p>
<p style="text-align: right;"><em>Mit etwas Glück und Salz und mit Pfeffer<br />
Erzielt man manchmal völlig ungeahnte Treffer<br />
Ist denn Verlass, dass das nachher schmeckt?<br />
Die Hauptsache ist der Effekt</em><br />
<small>Günter Neumann, &#8220;Giftmischerrumba&#8221;</small></p>
<p><small><img class="alignleft" style="padding-right: 5px;" src="/wp-content/uploads/uhr3.png" alt="" /></small></p>
<p><small> </small></p>
 <img src="http://www.slow-media.net/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?view=1&post_id=1462" width="1" height="1" style="display: none;" />]]></content:encoded>
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		<title>Langsamkeitspflege</title>
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		<pubDate>Wed, 23 Jun 2010 21:45:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benedikt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Architektur]]></category>
		<category><![CDATA[Blogs]]></category>
		<category><![CDATA[Slow theory]]></category>

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		<description><![CDATA[Die eigentliche Innovation, die mit der Hilfe des Bloggens in die Medienlandschaft geschwappt ist, war in Wirklichkeit nie die Echtzeit. Nein, der entscheidende Unterschied zwischen &#8220;normalen&#8221; Webseiten oder Portalen und Blogs ist das Archiv und die wundervollen Möglichkeiten der &#8220;Langsamkeitspflege&#8221; (Odo Marquard), die sich daraus ergeben, wie Don Alphonso hier feststellt. Als Don Dahlmann vor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die eigentliche Innovation, die mit der Hilfe des Bloggens in die Medienlandschaft geschwappt ist, war in Wirklichkeit nie die Echtzeit. Nein, der entscheidende Unterschied zwischen &#8220;normalen&#8221; Webseiten oder Portalen und Blogs ist das Archiv und die wundervollen Möglichkeiten der &#8220;Langsamkeitspflege&#8221; (Odo Marquard), die sich daraus ergeben, wie Don Alphonso <a href="http://blogbar.de/archiv/2010/06/22/mal-etwas-langsamer/">hier</a> feststellt.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/postamt_grassau.jpg"><img src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/postamt_grassau.jpg" alt="" title="postamt_grassau" width="500" height="358" class="aligncenter size-full wp-image-1808" /></a></p>
<p>Als Don Dahlmann vor drei Jahren <a href="http://www.basicthinking.de/blog/2007/07/17/geschichte-der-deutschen-blogosphaere-ii/#comment-736052">geschrieben hatte</a>, &#8220;man soll[t]e echt mal eine Übersicht über die deutsche Blogszene machen, denn da geht sehr schnell, sehr viel verloren,&#8221; habe ich das <a href="http://www.metaroll.de/bloghistory.html">Blog History Project</a> ins Leben gerufen. Der Versuch, eine Übersicht über die Geschichte der deutschsprachigen Blogosphäre aufzuzeichnen.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/postamt_feldkirchen.jpg"><img src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/postamt_feldkirchen.jpg" alt="" title="postamt_feldkirchen" width="500" height="254" class="aligncenter size-full wp-image-1807" /></a></p>
<p>Von den ersten Anfängen vor 14 Jahren &#8211; Robert Braun, Cybertagebuch und Moving Target über die erste Bloggerwelle 2001, die sogar in der ein oder anderen Zeitung bemerkt wurde, bis zu der großen Blogeuphorie Mitte der 2000er Jahre. Jetzt ist diese Geschichtsschreibung selbst schon wieder drei Jahre her, aber das schöne ist: fast alle Blogs und ihre Archive sind immer noch vorhanden. So viel geht hier gar nicht verloren.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/postamt_harras.jpg"><img src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/postamt_harras.jpg" alt="" title="postamt_harras" width="500" height="270" class="aligncenter size-full wp-image-1804" /></a></p>
<p>Interessanterweise habe ich in der oral history die Erfahrung gemacht, dass sich zentrale Infrastrukturen wie zum Beispiel Postämter, in die fast jeder Bürger einer Gemeinde mehrmals im Jahr, Monat oder gar in der Woche zum Geldabheben, Briefeaufgeben, Telefonnummern nachschlagen etc. gegangen ist, nach dem Abriss allerhöchstens 10 Jahre in der Erinnerung halten.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/kraftwagenhalle_fuessen.jpg"><img src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/kraftwagenhalle_fuessen.jpg" alt="" title="kraftwagenhalle_fuessen" width="500" height="212" class="aligncenter size-full wp-image-1815" /></a></p>
<p>Teilweise sind sie trotz (oder wegen?) ihrer Banalität und Alltäglichkeit nicht einmal photographisch dokumentiert &#8211; oder vielleicht nur auf dem Medium, das alle immer für ebendiese Banalität kritisieren. Ich vermute, dass man auf Twitter mehr Abbildungen des auf seine Weise wunderschönen mittlerweile abgerissenen <a href="http://twitpic.com/1pgts">Aschaffenburger Bahnhofs</a> findet als in den Archiven des Stadtbauamts.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/paketzustellamt_muenchen.jpg"><img src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/paketzustellamt_muenchen.jpg" alt="" title="paketzustellamt_muenchen" width="499" height="262" class="aligncenter size-full wp-image-1810" /></a></p>
<p>Wahrscheinlich werden wir unsere Blogs auch in 20 Jahren noch kennen und zum Teil immer noch in ihren Archiven stöbern können, während politische Echtzeitfiguren wie Ursula von der Leyen oder Horst Köhler schon längst in verstaubten, vergilbten und mit Spinnenweben verhangenen Winkeln der Wikipedia vor sich hin schlummern. Und das ist gar nicht einmal die schlechteste Entwicklung.</p>
<p><small>Die Literaturempfehlung hierzu ist das sehr lesenswerte Buch von Florian Aicher und Uwe Drepper über den Architekten Robert Vorhoelzer, den Mittelpunkt der gleichzeitig so bayrischen wie unbayrischen Postbauschule der 1920er Jahre.</small></p>
 <img src="http://www.slow-media.net/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?view=1&post_id=1802" width="1" height="1" style="display: none;" />]]></content:encoded>
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		<title>Wozu noch Verlage?</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Jun 2010 14:45:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>benedikt</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogs]]></category>
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		<description><![CDATA[Was konnte er dafür, daß er in der Literatur sein ganzes Leben lang ›nur‹ Verleger gewesen war? Er hatte begriffen, daß die Literatur einen Verleger nötig hatte, und er hatte das sehr zur rechten Zeit begriffen; dafür sei ihm Ehre und Ruhm &#8211; natürlich von der Art, wie es einem Verleger zukommt. (F.M. Dostojewski) Online-Journalismus? [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: right;"><em>Was konnte er dafür, daß er in der Literatur sein ganzes Leben lang ›nur‹ Verleger gewesen war? Er hatte begriffen, daß die Literatur einen Verleger nötig hatte, und er hatte das sehr zur rechten Zeit begriffen; dafür sei ihm Ehre und Ruhm &#8211; natürlich von der Art, wie es einem Verleger zukommt.</em><br />
(F.M. Dostojewski)</p>
<p>Online-Journalismus? Ich habe diese Bindestrich-Journalismen sowieso nie so richtig verstanden, aber mit Online-Journalismus (Wikipedia: &#8220;Aufbauprinzip ist der nicht-lineare Hypertext&#8221; tue ich mich besonders schwer. Geht es um Online als Werkzeug für die journalistische Recherche oder redaktionelle Abläufe oder um Online als Gattung? Auf dem <a href="http://www.hr-online.de/website/specials/ftoj/index.jsp">6. Frankfurter Tag des Online-Journalismus</a> bin ich auf beide Strömungen gestoßen. Ich glaube, dass etwas mehr Klarheit in dieser Unterscheidung für den Online-Journalismus (wie auch immer gemeint) wichtig wäre.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/AP_Cygne.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1765" style="margin: 5px;" title="AP_Cygne" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/AP_Cygne-216x300.jpg" alt="" width="194" height="270" /></a>So plätscherte das Abschlusspodium zwischen Jakob Augstein (Der Freitag), Mercedes Bunz (Guardian), Stephan Baumann (DFKI) und mir eher beschaulich vor sich hin, ohne dass das Diskussionspotential dieser Fragen genutzt wurde. Zum Beispiel für die Klärung der Frage, ob das Thema Blogger vs. Journalisten heute noch relevant sei. Hier wurde munter durcheinander und aneinander vorbei von Bloggern als Persönlichkeiten, Bloggen als Erwerbsquelle, Blogs als Publikationstechnologie und Blogposts als journalistische Form gesprochen.</p>
<p><strong>Welche Funktion werden Verlage in Zukunft ausüben?</strong></p>
<p>Für mich die spannendste Frage blieb leider unbeantwortet: Welche Funktion werden Verlage in Zukunft ausüben? Der klassische Verlagsbegriff sieht seit der frühen Neuzeit die Aufgabe des Verlegers darin, finanzielle Mittel und Rohstoffe wie Werkzeuge herbeizuschaffen (= &#8220;verlegen&#8221;), die für die Produktion einer Ware notwendig sind &#8211; ganz gleich ob es sich dabei um einen Teppich oder ein Buch handelt. Mit dem Aufkommen der industriellen Massengesellschaft bzw. Aufmerksamkeitsökonomie und der Zuspitzen des Verlagsbegriffs auf die Medienproduktion wurde dann der zweite Aspekt der Herstellung von Aufmerksamkeit für das Medium hinzu.</p>
<p>Wenn wir heute von digitalen Medien wie z.B. Blogs oder eBooks sprechen, passt die klassische Verlagsdefinition nicht mehr. Die Werkzeuge und Rohstoffe der Medienproduktion sind mittlerweile demokratisiert. WordPress und Mediawiki sind frei verfügbar. Jeder könnte also theoretisch publizistisch tätig werden. Viele tun genau dies. Auch für das Herstellen von Aufmerksamkeit kann die Verlagswelt kein Monopol mehr beanspruchen, da zunehmend die Empfehlung innerhalb sozialer Netzwerke bzw. einer themenbezogenen Community für die Rezeption eines Mediums wichtiger ist als klassische Marketingmaßnahmen. Buchbesprechungen in Zeitungen und das Auslegen von Flyern haben keinen nennenswerten Effekt auf den Absatz mehr, während Marketinginstrumente wie AdWords oder Suchmaschinenoptimierung Verlagen wie unabhängigen Publizisten gleichermaßen zur Verfügung stehen.</p>
<p><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/petersberg.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1778" title="petersberg" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/petersberg.jpg" alt="" width="600" height="226" /></a><br />
Wo also liegt heute noch die Aufgabe des Verlags? Auf dem Podium rückte ziemlich schnell der Aspekt der Finanzierung in den Mittelpunkt. So betonte Mercedes Bunz, dass guter Journalismus eben Geld koste und dafür brauche es einen Verlag. Ein Modell wie Wikipedia funktioniere nicht für den Journalismus. Diese Argumentation ist aus einer Slow-Media-Perspektive ebenso empirisch falsch wie politisch gefährlich.</p>
<p>Zum einen gibt es genügend Beispiele von Blogs, Foren oder Wikis, die außerhalb von Verlagen qualitativ hochwertigen Journalismus in Form von Kommentaren, Essays, Berichten etc. produzieren. Viel problematischer ist jedoch der andere Punkt. Wenn Verlage und Redakteure sich auf die Argumentation einlassen, dass die wichtigste Aufgabe des Verlags im digitalen Zeitalter in der Finanzierung von Journalismus liege, dann sehe ich keinen zwingenden Grund, warum die Medienlandschaft überhaupt noch Verlage braucht. Diese Aufgabe könnten auch Banken erledigen.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/villon.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1780" title="villon" src="http://www.slow-media.net/wp-content/uploads/villon.jpg" alt="" width="540" height="222" /></a><br />
Wem daran liegt, dass Verlage auch in Zukunft noch eine Bedeutung haben sollen, der sollte sich nicht auf diese Argumentation einlassen und etwas mehr Phantasie bemühen, wenn es um die verlegerische Selbstbeschreibung geht. Wenn man gute, langsame Medien wie z.B. Wired, Brand eins oder Intelligent Life ansieht, dann machen die Verlage und Redakteure hier so unglaublich viel mehr als ihre Journalisten finanziell über Wasser zu halten. Sie diskutieren und setzen Themen, verbinden Design und Inhalt, arbeiten Ausgabe für Ausgabe am roten Faden ihres Mediums, garantieren ein hohes Qualitätsniveau und entwickeln ein Gespür für die Wünsche wie Erwartungen ihrer Leser. Dafür benötigt man Verlage heute wie in Zukunft und nicht allein für das regelmäßige Auszahlen des Taschengelds an ihre Mitarbeiter.</p>
<p>An diesen Stellen entsteht auch der Mehrwert zwischen den Gedanken im Kopf eines Autors und dem fertigen Produkt. Verlage, die ihrem Publikum nicht glaubhaft demonstrieren können, dass sie mehrwertfähig sind, haben nicht nur ein Kommunikationsproblem, sondern sind früher oder später in ihrer Existenz bedroht. Und das zu Recht.</p>
<p>Links zum Thema:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.hr-online.de/website/specials/ftoj/index.jsp?rubrik=34470">Videoaufzeichnungen aller Vorträge</a> auf der Webseite des Hessischen Rundfunks</li>
<li>Mein Gastbeitrag &#8220;<a href="http://boersenblatt.net/385809/">Lob der Langsamkeit</a>&#8221; im Börsenblatt zu einem ganz ähnlichen Thema.
<li>Zusammenfassender <a href="http://blog.sperr-objekt.de/content/134-Frankfurter-Tag-des-Online-Journalismus.html">Blogpost</a> von Matthias Gutjahr</li>
</ul>
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