Hans Henny Jahnn: Fluß ohne Ufer

“Ein Versuch über die Schöpfung, den Menschen und seine Verzweiflung”, so nannte Hans Henny Jahnn selbst seinen, allein dem Umfang nach, monströsen Roman. Ein Holzschiff sticht in See, frei von jedem magnetischen Einfluss, vermutlich zu einem wissenschaftlichen oder militärischen Zweck, der geheim bleibt. An Bord ereignet sich ein Mord an der einzigen Frau an Bord. Die Besatzung meutert. Das Schiff versinkt.
Im Rückblick aus dreißíg Jahren Distanz berichtet Gustav Anias Horn, einer der damaligen Pasagiere und ehemals verlobt mit dem Mordopfer an Bord, jetzt ein gefeierter Musiker und Komponist, von dieser unglücklichen Jungfernfahrt der unmagnetischen Yacht “Lais”. Er erzählt von seinem Leben an der Seite des Mörders von einst, von seinen Reisen. Auf etwa 3.000 Seiten baut uns Hans Henny Jahnn etwas wie eine Parallel-Welt zu unserer eigenen Zeit – dichte Schilderungen in klarer Sprache voll Realismus und gleichzeitig psychologisch abgründig und düster wie Kurzgeschichten von E.A. Poe, wie überhaupt die einzelnen Passagen etwas von einem Kriminalroman haben, der aber nie endet und sich in immer neuen Pfaden verliert.
Neben Prousts ‘verlorener Zeit’, Scholochows ‘Der stille Don’ oder Schmidts ‘Zettels Traum’ ein Buch, an dem man über Jahre lang lesen kann und muss, das mit seinem Leser altert und wächst, so, wie die dreißig Jahre haben den Erzähler altern und sich verändern lassen.
Als Anekdote sei erwähnt, dass 1909 tatsächlich eine “vollkommen unmagnetische Yacht” gebaut wurde, um damit eine Karte der magnetischen Feldlinien auf den Ozeanen anzufertigen. (S. Spektrum der Wissenschaft, 08/09 S. 47)
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[...] ist es, was mich das Buch immer wieder, jedes Jahr zur Hand nehmen lässt. Neben Zettels Traum und Fluß ohne Ufer” ist es das sloweste Buch, das ich kenne. Empfehlenswert ist die Penguin-Ausgabe mit Einführung, [...]