Monocle Winter Series

“I’m Tyler Brule. It’s Christmas Eve, the stockings are hung in the mantlepiece, the wind is picking up, the gluhwein is simmering on the stove and I’m here huddled around the christmas tree with editor Andrew Tuck waiting for our culture editor Rob to come in with some more wood for the fire and some extra presents,” das ist das atmosphärische Mise en place der aktuellen Monocle-Winterfolge.

Monocle? Wahrscheinlich kennen die meisten das nur als hochwertig fotografiertes Lifestylemagazin für Kosmopoliten, als eines der Beispiele dafür, wie man auch heute bei Beachtung einiger Punkte des Slow-Media-Manifests noch gutes Geld mit guten Medien verdienen kann (oder vielleicht auch als das München-freundlichste Magazin der Welt). Aber für mich, obwohl ich alle Hefte seit der ersten Ausgabe gelesen habe, ist die Zeitschrift längst nicht mehr das spannendste Produkt des Londoner Verlags.

Jede Woche produziert Tyler Brûlé einen etwa einstündigen Podcast mit den beiden Redakteuren Andrew Tuck und Rob Bound sowie wechselnden Gästen. Im Sommer und im Winter gibt es dann jeweils Sonderserien zu hören, in denen viel Jahreszeitliches diskutiert wird. In der jüngsten Folge zum Beispiel ist neben der hinreißend verkitschten koreanischen Popband W&Whale der Philosoph und Slow-Media-Theoretiker Alain de Botton zu Gast. Er erzählt zum Beispiel von seinem Living-Architecture-Projekt, das mit Hilfe von modernistischen Ferienhäusern die Briten von den Vorzügen der zeitgenössischen Architektur überzeugen möchte.

Besonders faszinierend fand ich aber ein weiteres Projekt von Alain de Botton, mit Hilfe von “Unterhaltungsmenüs” die Gesprächskultur bei Tisch zu fördern. Auf den Speisekarten sind hier nicht nur die Speisenfolge und die dazu gereichten Weine verzeichnet, sondern auch die Konversationsthemen, die den Gästen dieser Runde jeweils zum aktuellen Gang nahe gelegt werden. Sehr schön die Vorstellung, begleitend zu den Fines de Claire den Tischnachbarn nach seinem Sexualleben fragen zu dürfen.