Make: Magazine

Was für eine Zeitschrift! Ich muss gestehen, dass ich trotz regelmäßige Boingboing-Lektüre erst relativ spät auf Make: (herausgegeben von Mark Frauenfelder) gestoßen bin, aber bei dem Thema DIY3DManufacturing im aktuellen Heft bin ich aufgesprungen. Beim Durchlesen einiger Artikel im Online-Archiv habe ich dann sofort gespürt, dass ich das schon vor fünf Jahren hätte tun müssen. Für mich gibt es wenige Magazine, die so gut die Tugenden von Slow Media veranschaulichen wie dieses Heft.

Das Thema des Heftes: Basteln in allen Varianten. Digital oder analog. Alleine im Keller oder in der Gruppe in der Schule. Nützliches oder Spinnereien. Für Kleinkinder oder Großeltern. Schnelle Experimente oder lebenslange Projekte. Die Zeitschrift richtet sich also an die v.a. in den USA anscheinend sehr ausgeprägte DIY-Szene. Aber das Thema ist in allerhöchster Qualität umgesetzt: Das Layout, der Titel, die Papierqualität, die Farben – alles das fühlt sich sehr gut an und machen das Heft zu einer angenehmen Offline-Erfahrung.

Aber das Heft ist nur der Anfang. Online gibt es im Archiv (für Abonnenten) alle Beiträge der Hefte und (für alle) einige Heftbeiträge sowie im Blog kontinuierlich neue Bauanleitungen, Ergänzungen zu den gedruckten Beiträgen. Fast jeder Beitrag im Heft verweist auf Ressourcen im Web, detaillierte Baupläne und die Webprojekte der Gastautoren. Wer zum Beispiel die ESP Lampe von John Iovine, die auf der Basis der Registrierung radioaktiver Teilchen in echten Zufallszahlenrhythmen aufleuchtet und zum Beispiel benutzt werden kann, um außersinnliche Wahrnehmungsfähigkeiten zu testen, nachbauen möchte, könnte dies theoretisch auch mit den frei verfügbaren Informationen auf der Webseite tun. Naja, vielleicht wenn sie oder er sehr geübt ist.

Was mich durchweg begeistert, sind die Autoren, viele darunter auch Gastautoren, deren Begeisterung für ihre Projekte in jedem Satz zu spüren ist. Zum Beispiel in einem der schönsten Projekte des letzten Heftes: “The Drill Rod“. Russ Byrer, Pensionär und Bootsbesitzer in Florida, suchte nach einem leicht verstaubaren Gefährt für die abendlichen Bierholfahrten im Yachthafen. Er fand ein kleines Kindermotorrad, das er mithilfe eines Akkuschraubers als Antriebsquelle aufmotorisierte. Sein Text ist allerbeste Technounterhaltung mit einem feinen Gespür für die Ironie der Leser. Am Schluss steht eine Episode (die leider nur mit dem Foto richtig gut verständlich ist), in der er beschreibt, wie er nach dem Heckenschneiden auf seinem “Drill Rod” die heruntergefallenen Äste einsammelt:

I decided to ride the Drill Rod. On the way back home, I passed a city maintenance truck. The guy inside just stared and shook his head as if to say, “You know that people can see you, don’t you?”

Und am Wochenende, wenn ich von der re:publica zurück bin, mache ich mich endlich an die kindersicheren Bambusschwerter. Versprochen!


Auch andere Zeitschriften haben ihre slowen Seiten:
Spektrum der Wissenschaft
Die Brand Eins
Wired Magazine
Kunstforum International: 200 Ausgaben
Widerspruch – Münchner Zeitschrift für Philosophie

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