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Social Media statt Peer Review

Die Diskussion über die Plagiate in der Doktorarbeit von zu Guttenberg war, das habe ich schon deutlich gesagt, meiner Meinung nach falsch gelagert. Viel zu oft wurde ein Einzelfall daraus hergeredet, wo ich überzeugt bin, in Wahrheit akademische Praxis dahinter zu erkennen.

Jetzt bekommt das Thema aber Fahrt, und es zielt, wie ich finde, genau richtig. Auf plagipedi.wikia.com beginnt die Aufarbeitung anderer Dissertationen in gleicher Weise, wie es bei Guttenberg zum Erfolg führte. Ob Merkel, Westerwelle oder Wiefelspütz – jeder ist verdächtig und soll gecheckt werden.

Warum sollte ein solches System nicht allgemein zur Qualitätssicherung wissenschaftlicher Veröffentlichungen Schule machen? Im Grunde handelt es sich um eine erweiterte Form der Peer-Review. Letztere krankt schließlich immer daran, dass nur innerhalb des Systems gearbeitet wird. Groß ist das Risiko, dass nur “anerkannte” (sprich etablierte und nicht wirklich neue) Gedanken von den Reviewern akzeptiert werden; und noch größer, dass “eine Krähe der anderen kein Auge aushackt” …

Also: Social Media Review als Grundlage für die Slow Thesis, die gute, wertvolle Doktorarbeit.

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3 replies on “Social Media statt Peer Review”

Finde ich sehr gut und sinnvoll. Zwei Anmerkungen: ich finde es nicht richtig jeden, der eine Doktorarbeit geschrieben hat als “verdächtig” zu bezeichnen. Und die gängige Praxis des Peer Review würde ich noch schärfer verurteilen: es gibt hier eine Unzahl von gegenseitigen Gefälligkeiten und Seilschaften, die nicht nur das Hochkommen neuer Ideen erschweren, sondern handfestes Geschacher darum sind, welche Themen bspw. Förderungen zugeführt werden, wohin dadurch Gelder fließen, wer welche Stellen bekommt etc.

@claas stimmt. Der Generalverdacht hat etwas unangenehmes und erinnert an die Art und Weise, wie Rechtsradikale (heute und damals) gerne ihre Gegner fertigmachen. Diese unangenehme Schwingung auf Plagipedia wollte ich schon zum Ausdruck bringen – dehalb habe ich “verdächtig” geschrieben.

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