Akademische Weihen

Es sieht so aus, als würde das Thema “Slow Media” demnächst sogar den Sprung in die akademische Welt schaffen. Das Online-Journal “Transformations” wird die 20. Ausgabe unter das Motto “Slow Media” stellen. Der Call for Papers liest sich sehr spannend – vielleicht auch ein guter Anstoß für Diskussionen auf unserem Slow Media Camp im Juni?

Slow Media

Given the contemporary fascination with and, indeed, addiction to real-time media dispatch and commentary, what would it mean to speak of “slow media”? Dare we even think such a thing when everything around us screams of increased speed, increased bandwidth, and increased convergence? We are 24-7, we are always-on, we are connected; we are locatable, we are X/Y coordinated, we are plotted; we are status updated, we are tweet-fed, we are real-time media junkies and we don’t have time to slow down.

“Slow media” is surely inimical to the age of social media and 24-hour news channels, where we live immersed in a mediascape dedicated to reducing to nothing the temporal division between the occurrence of an “event” and its reportage. In such a scenario, “slow media” appears either heretical or retrogressive, a wanton disregarding of the patent necessity of instant information dissemination and rampant friending, or just another Luddite reaction-formation. Indeed, “slow media” as a term has already been spun-off from the “slow” movement more generally, and is used to describe the reduced media diet of people turning off the email, closing the facebook, and going outside for a sniff of the flowers.

But while “slow media” as a term may appear primarily to describe a mode of resistance, it also allows us to think about the speed of the media as such. Have our popular media always been increasing in speed? What is the end point of all of this, the apotheosis of real-time: are we, as Bernard Stiegler suggests, approaching the “time barrier”? And, what happens when we break it?

For this issue of Transformations, we invite papers that meditate on the speeds and slownesses of the contemporary moment. Papers could address, but would need not be limited to, any of the following themes:

  • real-time and the news media
  • social media and the status update
  • new media explorations of speed and slowness
  • artistic responses to speed and time
  • social media suicide: suicidemachine.org and seppukoo
  • the “slow” movement and resistance
  • histories of speed in the media
  • tweet-streams and data-feeds
  • bandwidth, access and connectivity

Abstracts (500 words): due 1st July 2010, with a view to submit articles by 1st October.

Abstracts to be forwarded to Grayson Cooke, at grayson.cooke@scu.edu.au

Make: Magazine

Was für eine Zeitschrift! Ich muss gestehen, dass ich trotz regelmäßige Boingboing-Lektüre erst relativ spät auf Make: (herausgegeben von Mark Frauenfelder) gestoßen bin, aber bei dem Thema DIY3DManufacturing im aktuellen Heft bin ich aufgesprungen. Beim Durchlesen einiger Artikel im Online-Archiv habe ich dann sofort gespürt, dass ich das schon vor fünf Jahren hätte tun müssen. Für mich gibt es wenige Magazine, die so gut die Tugenden von Slow Media veranschaulichen wie dieses Heft.

Das Thema des Heftes: Basteln in allen Varianten. Digital oder analog. Alleine im Keller oder in der Gruppe in der Schule. Nützliches oder Spinnereien. Für Kleinkinder oder Großeltern. Schnelle Experimente oder lebenslange Projekte. Die Zeitschrift richtet sich also an die v.a. in den USA anscheinend sehr ausgeprägte DIY-Szene. Aber das Thema ist in allerhöchster Qualität umgesetzt: Das Layout, der Titel, die Papierqualität, die Farben – alles das fühlt sich sehr gut an und machen das Heft zu einer angenehmen Offline-Erfahrung.

Aber das Heft ist nur der Anfang. Online gibt es im Archiv (für Abonnenten) alle Beiträge der Hefte und (für alle) einige Heftbeiträge sowie im Blog kontinuierlich neue Bauanleitungen, Ergänzungen zu den gedruckten Beiträgen. Fast jeder Beitrag im Heft verweist auf Ressourcen im Web, detaillierte Baupläne und die Webprojekte der Gastautoren. Wer zum Beispiel die ESP Lampe von John Iovine, die auf der Basis der Registrierung radioaktiver Teilchen in echten Zufallszahlenrhythmen aufleuchtet und zum Beispiel benutzt werden kann, um außersinnliche Wahrnehmungsfähigkeiten zu testen, nachbauen möchte, könnte dies theoretisch auch mit den frei verfügbaren Informationen auf der Webseite tun. Naja, vielleicht wenn sie oder er sehr geübt ist.

Was mich durchweg begeistert, sind die Autoren, viele darunter auch Gastautoren, deren Begeisterung für ihre Projekte in jedem Satz zu spüren ist. Zum Beispiel in einem der schönsten Projekte des letzten Heftes: “The Drill Rod“. Russ Byrer, Pensionär und Bootsbesitzer in Florida, suchte nach einem leicht verstaubaren Gefährt für die abendlichen Bierholfahrten im Yachthafen. Er fand ein kleines Kindermotorrad, das er mithilfe eines Akkuschraubers als Antriebsquelle aufmotorisierte. Sein Text ist allerbeste Technounterhaltung mit einem feinen Gespür für die Ironie der Leser. Am Schluss steht eine Episode (die leider nur mit dem Foto richtig gut verständlich ist), in der er beschreibt, wie er nach dem Heckenschneiden auf seinem “Drill Rod” die heruntergefallenen Äste einsammelt:

I decided to ride the Drill Rod. On the way back home, I passed a city maintenance truck. The guy inside just stared and shook his head as if to say, “You know that people can see you, don’t you?”

Und am Wochenende, wenn ich von der re:publica zurück bin, mache ich mich endlich an die kindersicheren Bambusschwerter. Versprochen!


Auch andere Zeitschriften haben ihre slowen Seiten:
Spektrum der Wissenschaft
Die Brand Eins
Wired Magazine
Kunstforum International: 200 Ausgaben
Widerspruch – Münchner Zeitschrift für Philosophie